In Rumänien treten beispiellose Sicherheitsmaßnahmen in Kraft, ausgelöst durch den kritischen Rückgang des Wasserstands im Fluss Dnister. Die Nationale Krisenmanagementkommission, geleitet von Ministerpräsident Vasile Tofan, hat am 3. August einen Aktionsplan verabschiedet, der darauf abzielt, das Energiesystem zu stabilisieren und die Wasserressourcen zu erhalten.

Energiemodus: Exportverbot und Stromsparen

Die Schlüsselentscheidung der Kommission war die Einschränkung des kommerziellen Stromexports während der Spitzenlastzeiten. Von 18:00 bis 22:00 Uhr wird die Energieübertragung ins Ausland ausgesetzt, um den ununterbrochenen Betrieb im Inland zu gewährleisten. Parallel dazu aktiviert das nationale Unternehmen Energocom die Suche nach alternativen Energiequellen und wendet sich an die Märkte Rumäniens, der Ukraine und anderer verfügbarer Partner.

Für Bürger und Unternehmen werden strenge Sparnormen eingeführt:

  • In öffentlichen und gewerblichen Gebäuden muss die Innenbeleuchtung um mindestens 30 % reduziert werden.
  • Von 18:00 bis 06:00 Uhr werden in Ortschaften Brunnen, Schaufenster sowie dekorative, architektonische und Werbeleuchten vollständig abgeschaltet.
  • Wasserversorger passen den Betrieb ihrer Pumpen an, um den Energieverbrauch in Spitzenzeiten zu senken.

Sicherheit in Wohngebäuden

Die Verwalter von Wohngebäuden wurden angewiesen, die Bewohner über Empfehlungen zur Nutzung von Aufzügen zu informieren. In Zeiten maximaler Belastung – von 06:00 bis 09:00 Uhr und von 18:00 bis 23:00 Uhr – wird die Nutzung von Aufzügen nicht empfohlen, um das Risiko eines Feststeckens bei möglichen Stromausfällen zu vermeiden.

Für die langfristige Stabilisierung der Situation wird Priorität auf die Inbetriebnahme von Solar- und Windkraftanlagen gelegt, die mit Batterien und Energiespeichersystemen ausgestattet sind. Das Unternehmen Moldelectrica wird die Koordination mit rumänischen und ukrainischen Betreibern verstärken, um im Bedarfsfall eine schnelle Aktivierung von Notmaßnahmen zu gewährleisten.

Wassermodus: Verbot von Bewässerung und Straßenreinigung

Die Wassersituation erfordert nicht weniger strenge Maßnahmen. Die Verwendung von Wasser zum Reinigen von Straßen und Gehwegen sowie zum Befüllen von Schwimmbädern und Freizeitgewässern ist eingeschränkt. Die Entnahme von Wasser aus dem Dnister zur Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen ist ausschließlich nachts – von 21:00 bis 06:00 Uhr – gestattet. Dabei haben Gartenkulturen Vorrang.

Das Umweltministerium ist befugt, die Wasserentnahme an Flussabschnitten vorübergehend einzuschränken, an denen der Wasserstand kritische Werte erreicht hat. Industrielle Betriebe, die nicht mit der Medizin oder der Lebensmittelproduktion verbunden sind, müssen ihren Wasserverbrauch um mindestens 20 % reduzieren.

Um die Bevölkerung mit Wasser zu versorgen, aktivieren die lokalen Behörden Reserve-Artesischenbrunnen, und die Kontrolle der Wasserqualität an den Entnahmestellen wird erheblich verstärkt.

Regionaler Kontext: Bedrohung für Atomkraftwerke

Das Problem der Versandung der Flüsse beschränkt sich nicht auf die Grenzen Rumäniens. Die Dürre beeinflusst auch die Nachbarstaaten erheblich. In Ungarn, wo der Wasserstand der Donau auf kritische Werte gesunken ist, haben die Behörden vor einer möglichen Stilllegung des einzigen Atomkraftwerks des Landes gewarnt. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat den Ausnahmezustand ausgerufen und darauf hingewiesen, dass die kommenden fünf Tage für das Energiesystem des Landes kritisch sein könnten.

Noch radikalere Maßnahmen werden in Rumänien ergriffen. Aufgrund der katastrophalen Versandung der Donau, die den Betrieb eines Atomreaktors bedroht, bereiten sich die Militärs darauf vor, einen Felsen zu sprengen, um den notwendigen Wasserstand wiederherzustellen und die Funktionsfähigkeit des Kraftwerks zu sichern.