In der Nacht zum 18. Juli erschütterten in Russland massive Explosionen Logistikzentren und Kraftstoffdepots. Dennoch reagierte der russische Informationsraum trotz des Ausmaßes der Vorfälle zurückhaltend und schwieg in einigen Fällen völlig. Eine vom Agentour „Agenstvo.Nowosti“ durchgeführte und von RBK-Ukraine veröffentlichte Medienanalyse deckte eine systematische Tendenz zur Minimierung der Berichterstattung über die Folgen der Angriffe der Streitkräfte der Ukraine auf die Lager des Marktplatzes Wildberries auf.
Fernsehzensur: 40 Sekunden für einen massiven Brand
Die Analyse der Sendungen der Bundesfernsehsender zeigte, dass kein führender Rundfunkveranstalter Informationen über die Angriffe in die Liste der wichtigsten Tagesnachrichten aufgenommen hat. Das Thema wurde nur in den Morgen- und Nachmittagsausgaben angesprochen, und zwar immer sekundär – nach Berichten über die Aktionen der russischen Armee an der Front.
Das Beispiel des Senders NTV ist besonders bezeichnend. In der Nachrichtensendung um 10:00 Uhr widmete die Moderatorin dem Thema der Angriffe auf Wildberries nur 40 Sekunden. Die Sendezeit wurde für die Wiedergabe offizieller Posts der Gouverneure der Regionen Moskau und Tambow verwendet, woraufhin der Sender sofort zu anderen Themen wechselte. Eine ähnliche Situation wurde beim Sender „Rossija 1“ um 11:00 Uhr beobachtet. Auch hier wurden 40 Sekunden gewidmet, denen eine trockene Erklärung des offiziellen Vertreters des Ermittlungskomitees hinzugefügt wurde.
Sogar der Erste Kanal, der traditionell mehr Aufmerksamkeit auf interne Ereignisse richtet, beschränkte sich in seiner 12-Uhr-Ausgabe auf eine zweiminütige Reportage. Die Autoren der Analyse betonen jedoch: Auf keinem der Bundeskanäle wurden echte Aufnahmen der Brände in den Lagern gezeigt. Im Fernsehen fehlten sowohl Videos vom Tatort als auch vollständige Reportagen, die das Ausmaß der Zerstörungen demonstrieren könnten.
Digitale Stille und Angst vor Sanktionen
Die Situation im Segment der Online-Medien und Telegram-Kanäle erwies sich als ebenso streng reguliert. Kanäle, die mit Sicherheitsbehörden in Verbindung stehen, hielten sich ebenfalls von der Veröffentlichung visueller Inhalte zurück. Die einzige Ausnahme war ein Foto, das aus einem Post des Gouverneurs der Region Moskau, Andrei Worobjow, übernommen wurde.
Besonders großes Aufsehen erregte die Erklärung der Redaktion eines Telegram-Kanals, der zum Medienkonglomerat von Ksenija Sobtschak gehört. Das Medium veröffentlichte nur zwei Nachrichten über den Angriff und begleitete diese mit einem Geständnis der Zensur. Die Redaktion erklärte direkt, dass das Fehlen von Fotos der Folgen der „Treffer“ von der Angst vor Sanktionen seitens der russischen Behörden diktiert werde.
„Denn die russischen Behörden haben Medien und normalen Menschen verboten, die Folgen von Angriffen außer offiziellen Berichten zu veröffentlichen, und wir fürchten Sanktionen selbst für die Veröffentlichung von Fotos, anhand derer der Standort nicht bestimmt werden kann“, heißt es in einem Kommentar der Redaktion.
Regionale Verbote und das Ausmaß der Schläge
Tatsachen bestätigen das Vorhandensein strenger Informationsbeschränkungen. In der Region Tambow ist die Veröffentlichung jeglicher Daten über unbemannte Fluggeräte und die Arbeit von Luftabwehrsystemen offiziell verboten. In der Region Moskau, wo der Hauptbrand stattfand, wurde öffentlich nicht von einem solchen Verbot berichtet, jedoch gelten seit Mitte Mai ähnliche Regeln auf dem Territorium von Moskau.
Trotz der Versuche, visuelle Beweise zu verbergen, bleiben Fakten Fakten. In der Nacht zum 18. Juli brach in Elektrostal in der Region Moskau ein massiver Brand in einem Wildberries-Lager aus. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte die Zerstörung von Logistikobjekten in den Regionen Moskau und Tambow, die sich in einer Entfernung von mehr als 500 bzw. etwa 700 Kilometern von der Frontlinie befinden.
Neben dem Lager des Marktplatzes wurde auch ein Öltanklager in Noginsk getroffen. Außerdem wurden Explosionen in Twer und Wladimir gemeldet. Die russischen Medien sahen sich somit vor die Wahl gestellt: Entweder gegen die neuen Regeln der Informationssicherheit verstoßen und Sanktionen riskieren oder den Zuschauern das tatsächliche Ausmaß des Geschehens verschweigen.