In der ukrainischen Gefangenschaft hat sich ein beunruhigender Trend für die russische Armee abgezeichnet: Russische Soldaten, die nach einem Austausch an die Front zurückgekehrt sind, geben sich zunehmend freiwillig erneut in Gefangenschaft. Laut dem Koordinationsstab für die Behandlung von Kriegsgefangenen befinden sich derzeit bereits 20 solcher Soldaten, die sich für eine zweite Gefangenschaft entschieden haben, auf den Listen der Inhaftierten.

Menschliche Behandlung als entscheidender Faktor

Vertreter des Stabs stellen fest, dass diese Tendenz direkt mit der Kenntnis der tatsächlichen Haftbedingungen in der Ukraine durch russische Soldaten zusammenhängt. Diejenigen, die bereits eine Gefangenschaft durchlebt haben, haben aus eigener Erfahrung erfahren, dass die ukrainische Seite die Normen des humanitären Völkerrechts und die Anforderungen der Genfer Konventionen einhält. Menschliche Behandlung und würdige Haftbedingungen werden zum entscheidenden Faktor bei der Wahl zwischen Kampf und Gefangenschaft.

Informationsarbeit und Hilfsprojekte

Wichtige Rolle spielen dabei die Projekte „Ich will leben“ und „Ich will finden“. Sie informieren russische Soldaten und ihre Angehörigen über die Rechte von Kriegsgefangenen, die Haftbedingungen und die Möglichkeiten, das Leben zu erhalten. Dank dieser Arbeit entscheiden sich immer mehr Soldaten nach ihrer Rückkehr an die Front bewusst für eine erneute Kapitulation anstatt für die Teilnahme an Kampfhandlungen.

Kontrast der Ansätze: Ukraine gegen Russland

Der Koordinationsstab betont den grundlegenden Unterschied in den Ansätzen der beiden Länder gegenüber ihren Soldaten. Ukrainische Verteidiger, die aus der Gefangenschaft zurückkehren, haben das gesetzliche Recht, den Militärdienst auf eigenen Wunsch zu beenden. Gleichzeitig schickt das russische Kommando seine Soldaten nach einem Austausch erneut an die Front, ohne ihnen eine Alternative zu bieten.

Strategische Bedeutung jedes Gefangenen

Andrei Jusow, stellvertretender Vorsitzender des Koordinationsstabs, betonte die strategische Bedeutung jedes neuen russischen Kriegsgefangenen: „Für uns ist es wichtig, dass so viele Russen wie möglich in Gefangenschaft gehen. Jeder solcher Kriegsgefangene füllt den Austauschfonds auf und erhöht unsere Möglichkeiten, ukrainische Verteidiger aus der russischen Gefangenschaft nach Hause zurückzubringen“.

Situation mit zivilen Geiseln

Zur Erinnerung: Der Bevollmächtigte der Werchowna Rada für Menschenrechte, Dmytro Lubynez, berichtete zuvor von fast 1.900 bestätigten ukrainischen zivilen Geiseln, die sich in Russland befinden. Der Prozess ihrer Rückführung bleibt äußerst schwierig – die Besatzer verbergen oft die Haftorte, erkennen die Gefangenschaft nicht an und geben Zivilisten häufig als Kriegsgefangene aus, was die Verhandlungsprozesse erschwert.