Der russische Aktienmarkt erlebt eine beispiellose Vertrauenskrise. Laut Daten des ukrainischen Auslandsnachrichtendienstes (SZRU), bestätigt durch analytische Berichte, befindet sich der russische Aktienmarkt seit 19 Wochen hintereinander im freien Fall. Dieser langanhaltende Rückgang wurde erstmals seit Beginn der Statistikführung im Jahr 1997 verzeichnet.
Die Situation an der Börse wird von einem massiven Kapitalabfluss begleitet. Große russische Investoren und wohlhabende Bürger ändern ihre Strategie und ziehen ihre Vermögenswerte aktiv aus dem Land ab. Anstatt russischer Wertpapiere bevorzugen die reichsten Einwohner Russlands die Überweisung von Mitteln in Kryptowährungen, ausländische Immobilien und private Investmentfonds.
Einbruch der Kurse: Von Gazprom bis Poljus
Mitte Juli zeigten die Aktien der größten russischen Konzerne einen kritischen Wertverlust. Analysten stellen fest, dass sich die Marktkapitalisierung des russischen Marktes seit Anfang April um etwa 30 % verringert hat, was die Indizes auf das Niveau von 2016 zurückgeworfen hat.
Die größten Verluste wurden bei den Flaggschiffen der russischen Wirtschaft verzeichnet:
- Die Aktien von „Gazprom' und VTB verloren mehr als 21 % an Wert.
- Die Papiere von „Norilsk Nickel' verloren 24 % ihres Wertes.
- „Aeroflot' fiel um 27 %.
- Der Betreiber MTS verzeichnete einen Rückgang von 28 %.
Besonders dramatisch ist die Situation um das größte Goldbergewinnungsunternehmen des Landes, die Firma „Poljus'. Innerhalb von zwei Wochen stürzte der Marktwert des Unternehmens um 53 %, was für Investoren einen Schock darstellte.
Der Effekt der verpassten Gewinne
Das SZRU führt ein anschauliches Beispiel für die langfristigen Folgen von Investitionen in die russische Wirtschaft an. Wenn ein Investor 2006 1000 Dollar in Aktien des amerikanischen Unternehmens Apple investiert hätte, würde sein Kapital heute 130.000 Dollar übersteigen. Gleichzeitig hätte eine gleichwertige Investition in „Gazprom'-Aktien in diesem Zeitraum einen Verlust von mehr als 600 Dollar gebracht.
Experten des Nachrichtendienstes sind der Ansicht, dass das Bestreben, sich von russischen Vermögenswerten zu trennen, einen vollständigen Vertrauensverlust in die Aussichten der russischen Wirtschaft belegt.
Krise der Staatsanleihen und Haushaltsdefizit
Die Probleme betrafen nicht nur den privaten Sektor, sondern auch den Staat. Das russische Finanzministerium sah sich gezwungen, die Platzierung von Bundesanleihen (OFS) im letzten Monat dreimal zu stornieren. Grund waren unvorteilhafte Angebote der Investoren, die sich weigerten, Staatsverschuldung zu den angebotenen Konditionen zu kaufen.
Infolgedessen konnte der Staat die notwendigen Mittel nicht aufbringen. Reuters berichtet, dass Russland die Haushaltszahlen überarbeitet: Die Bundesausgaben und das Defizit könnten die geplanten Zahlen um mehr als eine Billion Rubel übersteigen. Analysten verbinden dies mit steigenden Ausgaben für Militäroperationen gegen die Ukraine.
Das russische Finanzministerium prognostiziert bereits, dass das Haushaltsdefizit den geplanten Stand mindestens noch zwei Jahre lang überschreiten wird, was die finanzielle Stabilität des Landes gefährdet.