Die russische Wirtschaft tritt in eine neue, kritische Phase der Krise ein. Analysten verzeichnen einen gleichzeitigen Rückgang der Börsenindizes, einen Zusammenbruch der Aktienwerte staatlicher Banken und eine Zunahme des Pessimismus in den Geschäftskreisen. Laut einem Bericht des Instituts für Kriegsstudien (ISW) sind die aktuellen Schwierigkeiten eine direkte Folge des Krieges gegen die Ukraine und der Wirtschaftspolitik des Kremls, die seit Jahren Ressourcen in den Militärbereich umlenkt.
Zusammenbruch an der Moskauer Börse
Eines der deutlichsten Warnsignale war die Situation am Finanzmarkt. Am 16. Juli stürzte der Hauptindex der Moskauer Börse um mehr als 4 % ab. Dies war das schlechteste Ergebnis seit vier Jahren. Am folgenden Tag setzte sich der negative Trend fort.
Gleichzeitig erreichten die Aktien der größten staatlichen Bank, VTB, ein historisches Tief und verloren an einem Tag weitere 6 % ihres Wertes. Experten stellen fest, dass die Probleme der russischen Wirtschaft weit über die Grenzen der Treibstoffkrise hinausgehen, die nach Angriffen auf russische Raffinerien entstanden ist.
Druckfaktoren und Geschäftsklima
Die Wirtschaft Russlands wird gleichzeitig von mehreren starken Faktoren nach unten gezogen. Dazu gehören:
- Rekordhohe Militärausgaben;
- Hohe Inflation;
- Ein akuter Mangel an Fachkräften in zivilen Sektoren;
- Die Verringerung der staatlichen Reserven;
- Die Verschärfung der staatlichen Kontrolle über Unternehmen.
Die Situation wird zusätzlich durch die Kampagne des Kremls zur Einschränkung des Internetzugangs verschärft, was für Unternehmen neue Schwierigkeiten schafft und die wirtschaftliche Aktivität bremst.
Auch die Zentralbank Russlands sendete ein besorgniserregendes Signal: Der Index des Geschäftsklimas fiel auf den niedrigsten Stand seit April 2022. Dies deutet darauf hin, dass die russischen Unternehmen selbst die Situation zunehmend pessimistischer einschätzen.
Budgetkrise und gesellschaftliche Reaktion
Russland steht vor einem starken Anstieg des Haushaltsdefizits. Laut Reuters könnten die Bundesausgaben den geplanten Betrag um mehr als 1 Billion Rubel übersteigen. Das Haushaltsdefizit hat bereits 5,73 Billionen Rubel erreicht, und das Finanzministerium gibt zu, dass es in den nächsten Jahren mindestens über dem Plan bleiben wird.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten schlagen sich unvermeidlich in der öffentlichen Stimmung nieder. Der mit dem Kreml verbundene Fonds für öffentliche Meinung berichtete über einen Rückgang der Zustimmungswerte für Wladimir Putin um fünf Prozentpunkte – auf 66 %. Eine ähnliche Tendenz wurde auch vom staatlichen WCIOM festgestellt.
Obwohl ISW-Experten darauf hinweisen, dass russische staatliche Umfragen nicht immer objektiv sind, deuten selbst diese Daten darauf hin, dass die wirtschaftlichen Folgen des Krieges von den normalen Bürgern immer stärker gespürt werden. Experten glauben, dass Russland in eine Krisenphase eintritt, mit deren Folgen die Behörden immer schwerer fertig werden werden.