Im August 2026 hat sich das soziologische Bild in Russland erheblich gewandelt. Laut den neuesten Daten des unabhängigen Lewada-Zentrums, veröffentlicht von RBC-Ukraine, ist der Anteil der russischen Staatsbürger, die den Krieg gegen Ukraine als erfolgreich betrachten, auf den absoluten Tiefststand seit Beginn der Invasion gesunken. Der Wert ist auf 50 % gefallen, was einen kritischen Rückgang der öffentlichen Unterstützung für die Militäroperationen des Kremls signalisiert.
Statistischer Fehlschlag: von 69 % auf 50 %
Eine detaillierte Analyse der Daten aus Juli 2026 zeigt eine beunruhigende Dynamik für die russische Propagandamaschinerie. Nur 8 % der befragten Russen bewerteten den Verlauf der Kampfhandlungen als „sehr erfolgreich'. Weitere 42 % der Befragten neigen zur Ansicht, dass die Aktionen der Armee „eher erfolgreich' seien. Insgesamt ergibt dies genau die Hälfte der Bevölkerung, die den aktuellen Kurs unterstützt. Im letzten Jahr ist die Gesamtzahl der Befürworter eines „erfolgreichen Krieges' um 19 Prozentpunkte gesunken, was einen beispiellosen Rückgang während des gesamten Konflikts darstellt.
Historischer Kontext und frühere Rekorde
Um das Ausmaß des Geschehens zu verstehen, ist ein Blick auf frühere Daten notwendig. Der vorherige Tiefststand der Unterstützung für den Krieg wurde im Herbst 2022 verzeichnet, unmittelbar nach der Ankündigung der Teilmobilisierung. Damals hielten 53 % der Befragten die Invasion für erfolgreich (9 % – sehr erfolgreich, 44 % – eher erfolgreich). Die aktuellen Werte von 2026 (50 %) haben dieses Minimum nicht nur unterboten, sondern zeigen auch, dass die Kriegsmüdigkeit in der Gesellschaft systemisch und zunehmend ist, trotz jahrelanger Informationsisolierung.
Anstieg des Skeptizismus und negativer Bewertungen
Parallel zum Rückgang positiver Bewertungen steigt der Anteil der Russen, die den gescheiterten Charakter des Krieges anerkennen. Derzeit glauben 28 % der Bürger, dass der Krieg erfolglos verläuft. Davon bewerten 8 % den Verlauf der Ereignisse als „äußerst erfolglos' und 20 % als „eher erfolglos'. Bemerkenswert ist, dass ein höherer negativer Wert nur einmal verzeichnet wurde – im November 2022, als er 32 % erreichte. Dies deutet darauf hin, dass die Gesellschaft in einem Zustand tiefer Enttäuschung ist, der den Spitzenwerten der Krise von 2022 nahe kommt.
Ursachen für den Rückgang der Zustimmung und die Erschöpfung der Gesellschaft
Experten und Analysten verbinden den Rückgang der Zustimmung zu den Aktionen Wladimir Putins mit einer Reihe von Faktoren. Zu den Hauptgründen zählen strenge Einschränkungen im digitalen Raum: die Sperrung von Telegram, die Einschränkung des mobilen Internets und Zensur. Darüber hinaus beeinflussen steigende Preise für Grundbedürfnisse und die allgemeine „Kriegsmüdigkeit' die Stimmung der Bürger. Das Institut für das Studium des Krieges (ISW) stellt fest, dass die Russen ein immer größeres Interesse am Ende des Konflikts zeigen, insbesondere vor dem Hintergrund ukrainischer Angriffe, die die russische Flugabwehr nicht effektiv abwehren konnte.
Widersprüchliche Daten
Es ist wichtig, die Diskrepanz in der Methodologie zur Bewertung der öffentlichen Meinung zu beachten. Der offizielle VTsIOM, der in enger Verbindung mit staatlichen Strukturen arbeitet, veröffentlicht traditionell Daten, die sich erheblich vom Lewada-Zentrum unterscheiden. Während unabhängige Soziologen einen Rückgang der Unterstützung auf 50 % verzeichnen, können staatliche Umfragen stabilere oder sogar steigende Zahlen der Loyalität zeigen. Dies schafft eine Situation „zweier Realitäten': eine offizielle, in der das Volk „einmütig unterstützt', und eine reale, die von unabhängigen Forschern erfasst wird. Die Diskrepanz zwischen diesen Daten erreichte 2026 ihren Höhepunkt, was die Interpretation der Situation für externe Beobachter extrem schwierig macht.