Die russischen Streitkräfte haben ihre Taktik bei Raketenangriffen auf das ukrainische Territorium grundlegend geändert. Waren zuvor Marschflugkörper das Hauptinstrument der Angriffe, so liegt der Schwerpunkt nun auf ballistischen Raketen. Darüber hinaus führen die Aggressoren Angriffe häufiger am Tag durch, um die Luftabwehrsysteme überraschend zu treffen.
Dies teilte der Sprecher der Luftstreitkräfte der ukrainischen Streitkräfte, Jurij Ignat, in einer Fernsehsendung mit. Nach seinen Angaben haben die russischen Truppen in der vergangenen Woche mehr als 50 ballistische Raketen auf ukrainische Städte abgefeuert.
Umfang des Einsatzes ballistischer Raketen
Der Sprecher präzisierte, dass es sich um den Einsatz schwerer und hochpräziser Waffensysteme handelt. Bei den Angriffen werden die Raketen „Iskander-M“, die Systeme S-400 und die Hyperschallraketen „Zirkon“ eingesetzt. Eine solche Verschiebung der Taktik deutet darauf hin, dass Russland versucht, den Charakter des Krieges zu verändern und die ukrainische Luftabwehr zu überlasten.
Laut Ignat gibt es auf russischer Seite jedoch Probleme bei der Skalierung der Produktion. Dies belegen Funde von Raketenfragmenten, die nach den Kennzeichnungen erst vor wenigen Wochen oder sogar Monaten in den Fabriken hergestellt wurden. Dies deutet darauf hin, dass die Waffenbestände nicht angehäuft, sondern direkt nach der Fertigung vom Band verbraucht werden.
Überraschungsmoment und Tagesangriffe
Die zweite wichtige Änderung der Taktik besteht in der Verlagerung der Angriffszeiten auf den Tagesbereich. Bisher waren die ukrainische Bevölkerung und die Verteidigungskräfte daran gewöhnt, dass ballistische Raketen überwiegend nachts, zwischen 2:00 und 4:00 Uhr, abgefeuert werden.
„Der Feind will Überraschungseffekte erzielen, damit unsere Verteidigungskräfte weniger Zeit zur Vorbereitung haben. Wenn alle sich daran gewöhnen, dass die Ballistik nachts fliegt, versucht der Feind mit Angriffen am Morgen, bestimmte Ziele gerade durch den Überraschungsmoment zu erreichen“, erklärte Ignat.
Ziel solcher Manöver ist es, die Zeit für Warnung und Abfangen zu verkürzen, um Infrastruktur und zivilen Objekten maximalen Schaden zuzufügen.
Auswirkung der Angriffe auf russische Hinterlandziele
Jurij Ignat betonte zudem, dass die Schwierigkeiten Russlands bei der Waffenversorgung auf erfolgreiche Langstreckenangriffe der ukrainischen Verteidigungskräfte zurückzuführen sind. Die ukrainischen Träfte treffen nicht nur die russische Erdölverarbeitungsindustrie, sondern auch Unternehmen, die über einzigartige Technologien zur Herstellung von Teilen für die Raketentechnik verfügen. Dies führt zu einem Mangel an Komponenten und verlangsamt die Bewaffnung der russischen Truppen.
Anhaltende Drohnenbedrohung
Trotz des Taktikwechsels beim Einsatz von Raketen bleibt die Gesamtstrategie Russlands unverändert. Täglich und jede Nacht greift das Aggressorland Ukraine mit Kamikaze-Drohnen vom Typ „Schahed“ an. Massierte Angriffe mit unbemannten Fluggeräten gehen in bisherigem Umfang weiter und belasten das Luftabwehrsystem kontinuierlich.
Zur Erinnerung: In der Nacht zum 27. Juli und am Morgen desselben Tages griff Russland mehrere ukrainische Regionen an. Die größten Zerstörungen wurden in den Oblasten Saporischschja, Sumy und Dnipropetrowsk registriert. Infolge der feindlichen Angriffe starb eine Person, Dutzende wurden verletzt.