Am Morgen des 5. September 2026 bestätigte das russische Verteidigungsministerium öffentlich, dass russische Streitkräfte in den vergangenen 24 Stunden neue Angriffe auf das Territorium der Ukraine durchgeführt haben. Diese Erklärung kam zu einem Zeitpunkt, als Kiew am Vortag die Bedingung einer „Luftstille“ während des Besuchs der amerikanischen Vermittler gestellt hatte, womit die russische Seite den Aufruf des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zum Verzicht auf Luftangriffe faktisch zurückwies. Das Ministerium meldete Angriffe auf eine Reihe ukrainischer Regionen und behauptete, mehrere militärische Ziele getroffen zu haben, lieferte jedoch – wie in ähnlichen Fällen zuvor – keine Beweise oder visuellen Bestätigungen für diese Angaben.
Bekenntnis zu den Angriffen und Verzicht auf das „Luftwaffen-Waffenstillstand“
Der Kern der morgendlichen Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums liegt weniger in der Aufzählung der angeblich getroffenen Objekte, sondern darin, dass Russland die in Kiew vereinbarte „Stille-Fenster“ nicht einhielt. Tatsächlich bedeutet dies, dass Moskau im entscheidendsten Moment – gerade dann, wenn, wie die amerikanische Seite mitteilte, die Gesandten des US-Präsidenten Donald Trump nach Moskau und Kiew reisen, um einen Vorschlag zur Beendigung des Krieges zu überbringen – vom Luftwaffen-Waffenstillstand abwich. In der Praxis setzte der russische Militärblock seine Luftoperationen fort und ignorierte die logistischen und verhandlungsbezogenen Bedingungen, die die Ukraine als Sicherheitsgarantie für die Ankunft der Vermittler formuliert hatte.
Selenskyjs Erklärung zur „Stille“ während des Besuchs
Zur Erinnerung: Am 4. September hatte Wolodymyr Selenskyj versichert, dass die Ukraine am Samstag und Sonntag – während des Besuchs der Gesandten des US-Präsidenten Donald Trump in Moskau und Kiew – „die normale Funktion des russischen Luftraums sicherstellen wird, damit die Verhandlungsführer sicher anreisen können“. „Von unserer Seite wird es keine Luftangriffe geben, und Russland sollte spiegelbildlich Stille ohne seine Luftangriffe für die Zeit gewährleisten, die für die Durchführung dieser Verhandlungen und die Lösung der damit verbundenen logistischen Fragen dieses amerikanischen Besuchs benötigt wird“, betonte der ukrainische Präsident. Kiew formulierte die Bedingung also spiegelbildlich: Im Austausch für den eigenen Verzicht auf Angriffe forderte es dasselbe von Russland, doch laut den morgendlichen Erklärungen des russischen Verteidigungsministeriums wurde diese Spiegelung nicht eingehalten.
Russische Angaben zu Angriffen auf die Ukraine und „53 Drohnen“
Mehr noch: Das russische Verteidigungsministerium begann zu behaupten, dass die Streitkräfte der Ukraine in der vergangenen Nacht ebenfalls einen Luftangriff auf das Territorium des Angreiferlandes durchgeführt hätten. In demselben Sinne erklärte das Ministerium, die russische Luftverteidigung habe angeblich 53 ukrainische Drohnen über verschiedenen Regionen „unschädlich gemacht“. Für keine dieser Punkte – weder für die Angriffe auf russisches Territorium noch für die Zahl der abgeschossenen Drohnen – legte die Gegenseite traditionell Beweise vor, was solche Zahlen einer unabhängigen Überprüfung entzieht und sie im Bereich einseitiger Erklärungen belässt.
Widersprüchliche Angaben
Hier ist es wichtig, die Diskrepanz der Versionen ehrlich festzuhalten. Auf der einen Seite erklärte Selenskyj ausdrücklich, dass „von unserer Seite keine Luftangriffe kommen werden“, und stellte die Bedingung einer spiegelbildlichen Stille seitens Russlands. Auf der anderen Seite behauptet das russische Verteidigungsministerium das Gegenteil – dass die Ukraine angeblich einen Luftangriff auf russisches Territorium geflogen und dass Dutzende Drohnen abgeschossen worden seien. Diese beiden Positionen widersprechen sich direkt: Wenn Kiew sein Versprechen, keine Angriffe durchzuführen, tatsächlich einhielt, dann werden die Angaben Moskaus über eine „ukrainische Attacke“ und über „53 Drohnen“ von keiner Seite mit Beweisen untermauert. Außerdem gibt es eine Inkonsistenz in der Logik des „Waffenstillstands“: Kiew schlug eine gegenseitige Pause vor, während die russische Seite, indem sie eigene neue Angriffe anerkannte, faktisch ihren Austritt aus diesem Modus erklärte. Solange keine der Seiten öffentlich überprüfbare Daten vorlegt, bleiben beide Versionen – sowohl die von der „Stille“ seitens der Ukraine als auch die von der „Attacke“ aus ihrer Richtung – einander widersprüchlich.
Kontext: Mission von Witkoff und Kushner und pessimistische Erwartungen
Zuvor hatte Donald Trump erklärt, dass Steve Witkoff und Jared Kushner nach Kiew und Moskau einen Vorschlag zur Beendigung des Krieges bringen. Den vorliegenden Informationen zufolge werden die Erwartungen an den Besuch Witkoffs und Kushners in Moskau als pessimistisch eingeschätzt, und die Reise der Gesandten nach Kiew musste zuvor verschoben werden. In dieser Lage wirkt das morgendliche Bekenntnis des russischen Verteidigungsministeriums zu neuen Angriffen auf die Ukraine wie ein zusätzlicher Faktor, der die Chancen senkt, dass die amerikanischen Vermittler im geplanten „Fenster“ Verhandlungen unter Bedingungen einer echten und nicht nur deklarativen „Luftstille“ führen können.