Das Ministerium für digitale Entwicklung Russlands prüft die Möglichkeit, das Volumen des ausländischen Internetverkehrs für russische Nutzer einzuschränken. Berichten von Forbes zufolge schlägt die Behörde im Rahmen der vorbereiteten Kommunikationsreform vor, den gesamten Verkehr von ausländischen Domains über technische Mittel zur Bedrohungsabwehr (TMB) zu leiten und Obergrenzen für dessen Nutzung festzulegen. Entsprechende Normen könnten in den Gesetzentwurf zur Reform der Telekommunikationsbranche aufgenommen werden. Konkrete Werte für die Beschränkungen wurden bisher nicht festgelegt, während das Ministerium bestätigte, dass Fragen gemeinsam mit der Branche und anderen Behörden diskutiert werden und es verfrüht sei, über eine endgültige Fassung der Änderungen zu sprechen.
Was zum Beschränkungsmechanismus vorgeschlagen wird
Der Kern der Initiative läuft auf zwei Elemente hinaus. Erstens wird vorgeschlagen, Betreiber zu verpflichten, den gesamten Verkehr von ausländischen Domains über TMB zu leiten – Geräte, die bereits zur Filterung, Sperrung und Verlangsamung von Internetressourcen eingesetzt werden. Zweitens könnte das Digitalministerium das Recht erhalten, das zulässige Volumen des internationalen Verkehrs für Nutzer zu bestimmen und den Zugriff nach dessen Überschreitung einzuschränken. Den vorliegenden Daten zufolge ist geplant, in den Jahren 2027–2029 fast 60 Milliarden Rubel in die Entwicklung von Filter- und Sperrsystemen zu lenken. Somit schafft die diskutierte Maßnahme kein neues Instrument von Grund auf, sondern erweitert die Anwendung der bereits bestehenden TMB-Infrastruktur.
Kontext: Reform der Telekommunikationsbranche
Die Frage der Obergrenzen wird vor dem Hintergrund einer umfassenderen Reform der Telekommunikationsbranche diskutiert, die seit Frühjahr 2026 aufgeworfen wird. Zu den Hauptvorschlägen gehört die Reduzierung der Zahl der Betreiberlizenztypen von 17 auf drei: Basis-, Universal- und Generallizenz. Die neuen Regeln sehen auch Kapitalanforderungen für Unternehmen sowie die obligatorische Installation von Systemen für operative Suchmaßnahmen und TMB vor. Vertreter kleinerer Betreiber äußern Bedenken, dass solche Änderungen zu Preiserhöhungen und einer geringeren Verfügbarkeit von Diensten führen werden. Die Idee, den internationalen Verkehr einzuschränken, wurde bereits früher geäußert: Im März 2026 schlug der Leiter des Digitalministeriums Maxut Schadajew vor, eine Gebühr für die Nutzung von mehr als 15 GB solchen Verkehrs pro Monat in Mobilfunknetzen einzuführen, allerdings wurde die Initiative damals verschoben. Nun könnte die Frage im Rahmen einer umfassenden Reform zurückkehren.
Technische Schwierigkeiten bei der Bestimmung des ausländischen Verkehrs
Das Hauptproblem, auf das Experten hinweisen, ist die technisch korrekte Bestimmung, welcher Verkehr tatsächlich ausländisch ist. Daten können Server und Netzwerke in mehreren Ländern durchlaufen, selbst wenn ein Nutzer auf einen russischen Dienst zugreift. Ein erheblicher Teil des Internetverkehrs ist mit Cloud-Plattformen, Content-Delivery-Netzwerken und direkten IP-Adressen verbunden, sodass eine Klassifizierung nach IP-Adressen nicht völlig genau sein wird: Eine auf einem ausländischen Server gehostete russische Website könnte als ausländisch eingestuft werden und ein ausländischer Dienst auf einem russischen Hosting als inlandisch. Darüber hinaus erschweren verschlüsselte DNS-Anfragen die Bestimmung der Domains, auf die der Nutzer zugreift, weshalb die Erfassung sich auf die Überprüfung von IP-Adresslisten reduzieren kann, die die reale Verbindungsstruktur nicht widerspiegeln.
Wer von den Einschränkungen betroffen sein könnte
Branchenschätzungen zufolge arbeiten nicht nur Werkzeuge zur Umgehung von Sperren über ausländische Adressen, sondern auch Telegram, App-Stores, Spiele sowie Android- und iOS-Update-Systeme; auf solche Dienste entfällt etwa ein Drittel des Verkehrs. Schwierigkeiten ergeben sich auch bei der Anwendung von Obergrenzen auf einzelne Teilnehmer: TMB befinden sich an den externen Netzübergängen und können den Verkehr nach der Netzwerkadressübersetzung sehen, wenn eine einzige IP-Adresse von Tausenden von Nutzern verwendet wird. Für eine individuelle Einschränkung müsste ein Betreiber Teilnehmerverbindungsdaten in Echtzeit übertragen, was die Umsetzung des Mechanismus zusätzlich erschwert. Vor diesem Hintergrund bleiben konkrete Obergrenzen und das Verfahren zu deren Anwendung ungewiss.