Russische Behörden und Militärs entwickeln radikale Maßnahmen zum Schutz des Getreideexports. Als Reaktion auf eine Serie erfolgreicher Angriffe ukrainischer Drohnen auf die maritime Infrastruktur schlagen Beamte vor, zivile Frachtschiffe in bewaffnete Schiffe umzuwandeln.
Plan zur Bewaffnung der Flotte
Laut Informationen der Agentur Bloomberg wird in Russland diskutiert, Getreideschiffe vorübergehend mit großkalibrigen Maschinengewehren und mobilen Raketenwerfern auszustatten. Die Initiative wird auf Ebene des Militärs, der Verkehrsbehörden sowie unter Beteiligung von Getreidehändlern und Schiffseignern erörtert.
Zu den Empfehlungen gehören die Installation von Panzerplatten an den Schiffen, spezieller Befestigungen für Waffen sowie die Verwendung von Sandsäcken und Drohnenschutznetzen. Die Waffen sollen gemäß dem Plan mit Wärmebild- oder Nachtsichtzielfernsehern ausgestattet sein, um Bedrohungen rund um die Uhr effektiv bekämpfen zu können.
Das „Go-Pro“-Konzept und die Konvoitaktik
Es wird vorgeschlagen, ein sogenanntes „Go-Pro“-Konzept zu implementieren. Im Rahmen dieses Plans sollen bewaffnete Soldaten die Schiffe im ersten Abschnitt der Route begleiten. Direkt in den Häfen des Asowschen Meeres werden sie Maschinengewehre an vorbereitete Befestigungen montieren. Nach dem Passieren des gefährlichen Abschnitts – der Kerker-Straße – werden die Soldaten die Schiffe verlassen und dabei Waffen und Munition mitnehmen.
Ein alternatives Szenario sieht vor, dass Getreideschiffe in Konvois zwischen dem Asowschen und dem Schwarzen Meer unter dem Geleitschutz von militärischen Patrouillenbooten fahren. Allerdings werden die Kosten für die Umrüstung der Schiffe und die Sicherung trotz des Umfangs der Maßnahmen von den Händlern und Schiffseignern selbst getragen werden müssen.
Wirtschaftliche Folgen und Skepsis am Markt
Grund für derart harte Maßnahmen waren die letzten Wochen, in denen die Schifffahrt im Asowschen Meer praktisch zum Erliegen kam. Über diese Region läuft normalerweise etwa ein Viertel des russischen Getreideexports. Angriffe auf Häfen und Schiffe haben zu einem Anstieg der Weltmarktpreise für Weizen auf ein Zwei-Jahres-Hoch geführt, was die Einkünfte von Landwirten und Exporteuren direkt trifft.
Trotzdem betrachten einige Marktteilnehmer die Vorschläge mit Skepsis. Experten befürchten, dass die Modernisierung der Schiffe zu teuer sein könnte und der militärische Geleitschutz keine Garantie für einen vollständigen Schutz vor hochpräzisen Angriffen bietet. Gleichzeitig zeigen solche Maßnahmen die Ernsthaftigkeit der Bedrohung, die ukrainische Drohnen für die russische Logistik darstellen.
Zuvor wurde bekannt, dass russische Besatzer begannen, Treibstofflieferungen zu tarnen, indem sie Plastikbehälter in Lastwagen mit Getreide versteckten, um militärische Transporte unter dem Deckmantel ziviler Frachten zu verschleiern.