Die ukrainische elektronische Kampfführung (EK) sieht sich immer häufiger damit konfrontiert, dass der Gegner gezielt die Architektur seiner unbemannten Systeme verändert, um die Wirksamkeit der Störung zu verringern. Dies erklärte Mitgründer des EK-Herstellers Contra-Drone, Timofei Jurchuk, in einem Interview mit RBC-Ukraina. Seinen Worten zufolge ist einer der wichtigsten Trends der jüngsten Zeit der schrittweise Anstieg des Anteils glasfasergestützter UAVs im Arsenal des russischen Gegners. Dieser Datenübertragungsweg ist grundsätzlich unabhängig von den Frequenzen, auf denen die überwiegende Mehrheit der EK-Mittel arbeitet, was die Abfangung erheblich erschwert. Parallel dazu, so die Einschätzung Jurchuks, ändert Russland die Frequenzen, auf denen die Drohnen funktionieren, und fügt neue Bereiche hinzu, wodurch das Spektrum erweitert wird, das die ukrainischen Systeme abdecken müssen.

Evolution der CRPA-Antennen: von vier auf zwanzig Kanäle

Ein weiterer Evolutionsvektor betrifft die Navigationssysteme großer unbemannter Luftfahrzeuge, vor allem der „Scheds“. Russland erhöht konsequent die Anzahl der Module in den CRPA-Antennen der GNSS-Navigation – eine Technologie, die es der Antenne ermöglicht, gerichtete „Nullstellen“ in Richtung der Störquellen zu bilden und so auch unter elektronischem Rauschen die Signalempfangsfähigkeit beizubehalten. Jurchuk betont, dass zu Beginn des großangelegten Krieges solche Antennen nicht existierten: Es wurden gewöhnliche GPS-Empfänger verwendet, die durch elektronisches Rauschen auf der entsprechenden Frequenz unterdrückt wurden. „Die ersten CRPA-Antennen waren viermodulig. Dann erschienen acht-, zwölf- und sechzehnkanalige Systeme. Jetzt haben die Russen laut unseren Informationen große Lieferungen zwanzigkanaliger Systeme aus China gekauft“, erläuterte er.

Schutz von Energieanlagen: Bedarf an mehrmoduligen Systemen

Laut Einschätzung von Contra-Drone hat die Zunahme der Kanäle in den Navigationsantennen einen direkten Einfluss auf den Aufbau des Schutzes kritischer Infrastrukturen. Zur Bekämpfung solcher Systeme muss die Anzahl der Navigationsstörungsmittel erhöht werden, da jede zusätzliche Antenne eine Erweiterung des Störspektrums und der Störleistung erfordert. „Um Energieanlagen herum muss ein großes mehrmoduliges System aufgebaut werden, um die Navigationskanäle von Raketen, KABs und UAVs vom Typ „Sched“ rechtzeitig unterdrücken zu können“, so Jurchuk. Damit verschiebt die Ausweitung der CRPA-Antennen den Schutz des Energiesystems in eine Wettlauf-Dimension nach Anzahl und Leistung der Störmodule.

KI-Nachführung von FPV: eine neue Bedrohung und ihre Grenzen

Eine weitere sich entwickelnde Bedrohung, so Jurchuk, ist der Einsatz künstlicher Intelligenz zur Nachführung von FPV-Drohnen auf ein Fahrzeugziel. In dieser Konfiguration erfasst der Operator zunächst das Ziel, woraufhin die Drohne die Führung automatisch fortsetzt. Das grundsätzliche Problem für die EK besteht darin, dass nach der Übergabe der Führung an das KI-Modul die Störwirksamkeit abnehmen kann, obwohl solche Fälle laut dem Gesprächspartner derzeit noch nicht häufig vorkommen. Dabei weist das automatische Nachführungssystem erhebliche Nachteile auf: Die Drohne verliert das Ziel häufig, insbesondere wenn sich das Fahrzeug auf einem Gelände ohne ausgeprägten visuellen Kontrast bewegt. „Das System ist noch nicht ausreichend entwickelt, aber wir sehen erhebliche Veränderungen und verstehen, dass es sich weiterentwickeln wird“, schloss Jurchuk.