Die Internationale Raumstation (ISS), ein Symbol der globalen Zusammenarbeit im Weltraum, betritt ihre letzte Betriebsphase. Stand August 2026 haben Spezialisten von Roskosmos und NASA mit der aktiven technischen Vorbereitung auf den gesteuerten Rückzug der Station aus dem Orbit begonnen. Wie der Kommandant der Kosmonautenabteilung Oleg Kononenko mitteilte, hat die Arbeit bereits begonnen: Kritisch wichtige Systeme werden überprüft, der Treibstoffvorrat bewertet und Flugbahnen für eine sichere Beendigung der Mission simuliert.

Technische Vorbereitung und Aufteilung der Verantwortung

Der Prozess des Rückzugs der ISS aus dem Orbit ist eine äußerst komplexe ingenieurtechnische Aufgabe, die eine einwandfreie Koordination zwischen den Partnern erfordert. Im Oktober 2025 unterzeichneten Russland und die USA ein Protokoll, das die technischen Funktionen und Verantwortungsbereiche der Beteiligten klar abgrenzt. Das Dokument definierte, welche Systeme bis zum Ende der Betriebszeit funktionsfähig bleiben müssen und welche vorzeitig abgeschaltet werden können.

Im Februar 2026 wurde ein weiteres wichtiges Dokument genehmigt, das die Entwicklung einer aktualisierten Software (PMS) für beide Segmente der Station vorsieht. Laut Oleg Kononenko wird die neue Software ein Schlüsselinstrument sein, das der russischen Seite ermöglicht, sowohl mit dem regulären als auch mit dem Reserve-Szenario für die Beendigung des Betriebs zu arbeiten. Dies ist notwendig, um die Zuverlässigkeit im Falle unvorhergesehener Umstände in der Endphase zu gewährleisten.

Szenario des Zerfalls: Von den Solarzellen bis zum Ozean

Ein gesteuertes Verlassen des Orbits bedeutet nicht, dass die Station als ein einziger Monolith auf die Erde stürzt. Gemäß den Plänen, die im Rahmen einer internationalen Arbeitsgruppe diskutiert werden, wird der Prozess schrittweise erfolgen. Zuerst wird die Station von großen externen Strukturen wie Solarzellen und Kühlkörpern befreit, um die Masse zu verringern und den aerodynamischen Widerstand zu reduzieren.

Der Hauptteil der Konstruktion, einschließlich der Wohnmodule, wird in einen vorab bestimmten sicheren Ozeanbereich gelenkt (das sogenannte „Grab der Raumschiffe“ im südlichen Teil des Pazifischen Ozeans). Die Berechnung der Bodenprojektionen der Flugbahnen erfolgt unter Berücksichtigung der Notwendigkeit, das Aufkommen von Trümmern auf besiedelte Gebiete auszuschließen. Das Alter der Station, deren erstes Modul „Sarja“ bereits über 28 Jahre alt ist, diktiert die Notwendigkeit einer sorgfältigen Überprüfung der Zuverlässigkeit der Systeme.

Übergangsstrategie: Von der ISS zur Russischen Orbitalstation

Der Rückzug der ISS aus dem Orbit ist nicht nur das Ende einer Mission, sondern auch der Beginn einer neuen Ära für die russische Kosmonautik. Russland bereitet sich bereits jetzt auf den Übergang zu seiner eigenen Russischen Orbitalstation (ROS) vor. Im Juli 2026 bestätigte der Leiter von Roskosmos, Dmitri Bakanow, dass der gemeinsame Betrieb bis 2030 fortgesetzt wird, wonach die Transformation beginnen wird.

Der Plan sieht die Nutzung eines Teils der Infrastruktur der ISS vor. Im Jahr 2028 soll das russische Modul „Prischal“ zusammen mit dem Frachtraumschiff „Progress MS“ aus dem Orbit zurückgezogen werden. An seine Stelle soll ein neuer universeller Knotenmodul eintreffen. Der nächste Schritt wird die Andockung des wissenschaftlich-energetischen Moduls sein. Im Jahr 2030 sollen diese Module zusammen mit dem Modul „Nauka“ vom Hauptkörper der ISS getrennt und in einen eigenständigen Flug überführt werden, um den Kern des zukünftigen nationalen Komplexes zu bilden.

Widersprüchliche Daten

Trotz des Vorhandenseins eines klaren Plans gibt es in der Expertengemeinschaft und unter den Quellen Uneinigkeiten bezüglich der genauen Daten und technischen Details. Während offizielle Erklärungen von Roskosmos (Juli 2026) das Ende des Betriebs auf das Jahr 2030 festlegen, lassen einige technische Berichte, die im Rahmen der Vorbereitung der PMS diskutiert werden, Szenarien zu, in denen einzelne Knoten aufgrund von Verschleiß früher abgeschaltet werden könnten. Darüber hinaus gibt es verschiedene Versionen darüber, ob das Modul „Nauka“ sofort in den ROS-Modus überführt wird oder eine zusätzliche Modernisierung im Orbit vor der Trennung durchläuft. Diese Fragen befinden sich derzeit in der Phase der endgültigen Ausarbeitung im Rahmen der internationalen Arbeitsgruppe.