Der Staatskonzern „Roskosmos“ und die amerikanische NASA sind zu praktischen Gesprächen über eine der komplexesten Phasen in der Geschichte des Internationalen Weltraumlabors (ISS) übergegangen – deren Abbruch aus der Umlaufbahn. Wie die „Kommersant“ unter Berufung auf den Chef von „Roskosmos“, Dmitri Bakanow, berichtet, besprechen die Seiten die Aufteilung der Verantwortung: auf welche Weise, welchen Segment der Station und welchen Teil der Arbeit jede der beiden Seiten übernehmen wird. Laut dem Leiter des russischen Weltraumressorts wurde auf dieser Ebene ein persönliches Treffen mit dem NASA-Chef nicht besprochen, die Verhandlungen laufen im Arbeitsmodus.

Verhandlungen über die Rollenverteilung

Die zentrale Frage, die derzeit auf den Verhandlungstisch kommt, ist die Aufteilung der Funktionen zwischen dem russischen und dem amerikanischen Segment beim finalen Manöver. Genau hier liegt die größte technische und politische Sensibilität: Die ISS ist nicht einfach ein Apparat, sondern eine Konstruktion, die aus Modulen mehrerer Staaten zusammengesetzt ist, und ihre „Entsorgung“ erfordert eine abgestimmte Abfolge von Maßnahmen. Bakanow betonte, dass Moskau es nicht eilt: „Ich denke, wir haben noch anderthalb Jahre Puffer. Wir haben es hier definitiv nicht eilig“, zitiert ihn die „Kommersant“. Diese Formulierung gibt den Ton für den gesamten Prozess vor: Es geht nicht um einen Not- oder erzwungenen Szenario, sondern um eine geplante, kontrollierte Operation.

Zeitrahmen und Technik des Abbruchs

Laut vorliegenden Daten sollen für den Abbruch der Station aus der Umlaufbahn zwei russische Frachtraumschiffe „Progress“ und das amerikanische Schiff USDV (U.S. Deorbit Vehicle) eingesetzt werden. Der Prozess der schrittweisen Senkung der Umlaufbahn soll nach Schätzungen etwa zwei Jahre dauern. Das bedeutet, dass es nicht um ein sofortiges Bremsen geht, sondern um eine langsame, kontrollierte Senkung der Umlaufbahnhöhe mit anschließendem gesteuertem Eintritt in die dichten Schichten der Atmosphäre und dem Verbrennen der Konstruktion über einem sicheren Ozeanabschnitt. Der Betrieb der ISS begann im November 1998, d. h. bis zum Abschluss der Operation wird die Station fast ein Vierteljahrhundert im Einsatz gewesen sein.

Widersprüchliche Angaben

In den veröffentlichten Formulierungen ist eine bemerkenswerte Unstimmigkeit in den Daten vorhanden. Einerseits erklärt Bakanow, dass der Betrieb der Station „von 2028 auf 2030 verlängert wurde“. Andererseits wird im selben Beitrag angegeben, dass „die geplante Senkung der ISS im Jahr 2028 beginnen wird“. Auf den ersten Blick widersprechen sich diese Aussagen: Wenn der Betrieb bis 2030 verlängert wurde, warum beginnt die Senkung bereits 2028? Die wahrscheinlichste Erklärung besteht darin, dass 2028 der Beginn der Phase der aktiven Senkung der Umlaufbahn ist und 2030 das Ende des gesamten Zyklus, einschließlich der Beendigung des Betriebs und des eigentlichen gesteuerten Eintritts in die Atmosphäre (unter Berücksichtigung, dass der Senkprozess etwa zwei Jahre dauert). Dennoch werden diese Daten in der Quelle ohne Phasengrenzung angegeben, was Raum für eine mehrdeutige Interpretation lässt und eine Klärung durch „Roskosmos“ und NASA erfordert.

Kontext: von der ISS zur ROS

Der Abbruch der ISS aus der Umlaufbahn ist in einen breiteren Plan Russlands eingebettet, zu einer eigenen bemannten Präsenz in der Umlaufbahn überzugehen. Als Ersatz für die ISS plant Russland, bis 2032 die Russische Orbitale Station (ROS) in den Weltraum zu bringen. Somit überlappen sich das Ende der ISS-Ära und der Beginn der ROS-Ära chronologisch: Zum Zeitpunkt, an dem die alte Station in den Ozean abgestürzt wird, sollte die neue russische Plattform bereits in der Ausbauphase sein. Dies macht die aktuellen Verhandlungen mit der NASA zu einer nicht nur technischen, sondern strategischen Frage, die bestimmt, wie genau der Übergang vom gemeinsamen Projekt zum nationalen gestaltet werden wird.

Internationale Dimension

Das ISS-Projekt wird durch den gemeinsamen Einsatz Russlands, der USA, Japans, Kanadas, Deutschlands, Dänemarks, Spaniens, Italiens, der Niederlande, Norwegens, Frankreichs, der Schweiz, Schwedens und Großbritanniens realisiert. Das bedeutet, dass die Entscheidung über den Abbruch der Station aus der Umlaufbahn formal die Interessen aller Partner berührt, selbst wenn die entscheidenden Stellschrauben für das Bremsen bei Russland und den USA liegen. Genau deshalb hat die Diskussion über die Aufteilung der Verantwortung zwischen den beiden Hauptakteuren – „Roskosmos“ und NASA – Bedeutung für die gesamte internationale Gemeinschaft, die Ressourcen in eine Konstruktion investiert hat, die seit fast dreißig Jahren eines der Symbole der friedlichen Zusammenarbeit im Weltraum bleibt.