Die russische Wirtschaft steht vor einer beispiellosen Herausforderung: Die herkömmlichen Methoden zur Finanzierung militärischer Ausgaben haben sich als unzureichend erwiesen. Angesichts einer Situation, in der der Markt staatliche Verpflichtungen nicht mehr akzeptiert, sieht sich der Kreml gezwungen, auf eine verdeckte, aber massenhafte Geldschöpfung zurückzugreifen. Dies belegen Daten, die vom Auslandsnachrichtendienst der Ukraine (SZRU) ermittelt und von RBC-Ukraine veröffentlicht wurden.
Mechanismus der „erzwungenen' Unterstützung
Das Wesentliche lässt sich auf einen Teufelskreis reduzieren, der die marktübliche Finanzierung faktisch ersetzt. Die russische Regierung ist nicht mehr in der Lage, unter normalen Bedingungen ausreichende Mittel durch den Verkauf von Staatsanleihen zu beschaffen. Der Markt reagiert auf hohe Risiken und Zinssätze mit einem Boykott der Auktionen. Als Reaktion darauf aktiviert das russische Finanzministerium einen Mechanismus, bei dem staatliche Banken gezwungen werden, diese Wertpapiere aufzukaufen, während die Zentralbank Russlands (CBR) dafür die notwendigen Geldmittel bereitstellt.
Laut Angaben des Nachrichtendienstes erhält der Haushalt zwar die benötigten Mittel, doch der Preis dafür ist eine direkte Abhängigkeit der Wirtschaft von der Druckerpresse. Die Staatsverschuldung wird zu einem Instrument der indirekten Geldschöpfung, was unweigerlich zu steigenden Inflationsrisiken führt.
Rekordhohe Verschuldung und Haushaltsdefizit
Das Ausmaß der Operation ist beeindruckend. Zur Umsetzung dieses Schemas hat das russische Finanzministerium zwei neue Emissionen von Anleihen mit verzögerter Rückzahlung registriert: eine über 6,4 Milliarden Dollar (Rückzahlung im Jahr 2037) und eine über 12,8 Milliarden Dollar (Rückzahlung im Jahr 2042).
Stand 1. Juli hielten russische Banken bereits Staatsanleihen im Wert von 248,1 Milliarden Dollar in ihren Portfolios. Dies entspricht etwa 9 % aller Vermögenswerte des Bankensektors des Landes. Bemerkenswert ist, dass sich dieser Wert seit Jahresbeginn um weitere 6,5 Milliarden Dollar erhöht hat, was die aggressive Aufkaufspolitik bestätigt.
Haupttreiber dieser Prozesse ist das rapide Anwachsen des Haushaltsdefizits. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 (laut Quelle) belief sich das Defizit auf fast 77 Milliarden Dollar. Die Hauptursache dafür sind die enormen Kosten für die Kriegsführung.
Prognosen und Folgen
Das SZRU prognostiziert, dass zusätzliche Militärausgaben die geplanten Werte um weitere 51,3 bis 64,1 Milliarden Dollar übersteigen könnten. Die Zentralbank Russlands erwartet ihrerseits, dass sich das Haushaltsdefizit bis Ende des Jahres auf 105,1 Milliarden Dollar erhöhen könnte.
Die Situation wird dadurch verschärft, dass es Russland immer schwerer fällt, Geld auf dem offenen Markt zu leihen. Aufgrund der geringen Nachfrage und der hohen Zinsen sah sich das russische Finanzministerium im Juni und Juli gezwungen, mindestens drei Auktionen zum Verkauf von Anleihen abzusagen.
„Der Übergang zur erzwungenen Mobilisierung von Ressourcen der Staatsbanken löst das Defizitproblem nicht, sondern verdeckt es lediglich', so der ukrainische Nachrichtendienst. Ein solches Modell macht die Wirtschaft noch abhängiger von der Geldschöpfung, was eine weitere Beschleunigung der Inflation drohen lässt.
Kapitalflucht und Börsenabsturz
Auf dem Hintergrund dieser Ereignisse verzeichnet der russische Aktienmarkt bereits seit 19 Wochen in Folge einen stabilen Rückgang. Als Reaktion auf die wirtschaftliche Instabilität haben die reichsten Bürger Russlands begonnen, Kapital aktiv aus dem Land abzuführen und Vermögenswerte in Kryptowährungen, ausländische Immobilien und private Investmentfonds zu verlagern.