Auf der vierten internationalen Konferenz „Crimea Global. Understanding Ukraine through the South“ hat der Sekretär des Koordinierungsstabs für die Behandlung von Kriegsgefangenen, Brigadegeneral Dmytro Ussow, aktualisierte Daten zur Rekrutierung ausländischer Staatsbürger für Kampfeinsätze in den Reihen der russischen Streitkräfte vorgestellt. Seinen Angaben zufolge ist die Zahl seit der letzten Konferenz von 28.000 Personen aus 138 Ländern auf fast 46.000 Vertragsbedienstete aus 151 Staaten weltweit gestiegen.

Rekrutierungsdynamik: Von Hunden zu Zehntausenden

Ussow betonte, dass die Einbindung von Ausländern in den Krieg gegen die Ukraine einen stetig wachsenden Charakter aufweist. Während im Jahr 2022, in den ersten Monaten der Vollinvasion, lediglich 94 unterzeichnete Verträge verzeichnet wurden, gehe es heute um Zehntausende Menschen. Seinen Daten zufolge plane das russische Verteidigungsministerium im laufenden Jahr 18.500 Verträge mit Ausländern abzuschließen, wovon bereits 16.168 unterzeichnet seien. Der General wies zudem darauf hin, dass die ukrainische Seite über die persönlichen Daten jedes ausländischen Vertrags士兵en verfüge: seinen Dienstgrad, seine Erkennungsmarke und das Datum des Vertragsschlusses.

Geografie und systemischer Charakter der Kampagne

Der General verwies auf die zehn Länder, auf die der Hauptzuwachs an Rekruten entfalle, und fügte hinzu, dass es dank der Arbeit ukrainischer Strukturen gelungen sei, die Anwerbung von Bürgern einiger Staaten zu reduzieren oder vollständig zu stoppen. Gleichzeitig teilte er mit, dass die Sicherheits- und Verteidigungskräfte der Ukraine seit Beginn der Vollinvasion Bürger aus 59 Ländern der Welt gefangen genommen haben. Nach Angaben von Ussow gaben 41 % der befragten Ausländer an, dass ihre Verträge über Wehrämter und Rekrutierungsstellen abgeschlossen wurden, was seiner Einschätzung nach den systemischen Charakter der russischen Söldnerkampagne belegt.

Motivation der Vertragsbediensteten

Zu den Hauptmotiven, warum Ausländer Verträge unterzeichnen, nannte Ussow versprochene Zahlungen für den Vertragsabschluss und den Dienstantritt sowie vorgesehene Vergünstigungen. Er betonte, dass gerade die finanzielle Komponente das Hauptinstrument der Rekrutierungsmaschinerie bleibe, die über offizielle und halboffizielle Anwerbekanäle funktioniere.

Kontext: Frontvermeidung und verdeckte Mobilisierung

Zuvor hatten russische Vertragsbedienstete laut Medienberichten unter Berufung auf den Hauptnachrichtendienst der Ukraine auf verschiedene Weise versucht, eine Verlegung an die Front in der Ukraine und die Teilnahme an Sturmangriffen zu vermeiden. Parallel dazu breite sich in Russland selbst den vorliegenden Daten zufolge eine sogenannte verdeckte Mobilisierung aus, bei der gewaltsame Festnahmen und der Zwang zur Unterzeichnung von Verträgen mit dem Verteidigungsministerium zur gängigen Praxis würden. Vor diesem Hintergrund erscheine der Anstieg ausländischer Söldner für Kiew als logische Folge des Mangels an Freiwilligen im eigenen Land.

Einschätzung des Ausmaßes

Die auf der Konferenz präsentierten Zahlen markieren – sofern sie durch nachfolgende Geheimdienstdaten bestätigt werden – eine der auffälligsten Veränderungen in der Struktur der russischen Armee während des gesamten Konflikts: den Übergang von einer gezielten Anwerbung einzelner Ausländer zu einer massenhaften, institutionalisierten Rekrutierung von Bürgern aus über 150 Ländern. Für die Ukraine bedeute dies laut Ussow sowohl eine Erweiterung des Spektrums an Nationalitäten unter den Kriegsgefangenen als auch die Notwendigkeit, das System für deren Behandlung und Austausch anzupassen.