Der Wechsel des Leiters des ukrainischen Verteidigungsministeriums wird nicht zu einer Überarbeitung der Militärstrategie Kiews im Kampf gegen Russland führen. Dies erklärte NATO-Generalsekretär Mark Rutte in einem Interview mit der Agentur DPA und betonte, dass der Bündnispartner ein vollständiges Kontinuum in der Verteidigungspolitik der Ukraine erwartet.
Rutte hob hervor, dass er gute Arbeitsbeziehungen zum zurückgetretenen Mychajlo Fedorow hatte. Trotz des Abschieds Fedorows äußerte der Generalsekretär sein Vertrauen, dass sein Nachfolger den von seinem Vorgänger eingeschlagenen Kurs fortsetzen wird. Die NATO sieht keine Gründe für eine Änderung der Taktik, angesichts der aktuellen Dynamik an der Front.
Situation an der Front: Verlangsamung des Gegners
Laut Einschätzung Ruttes ist der ukrainische Widerstand an der Front derzeit effektiver als zu Beginn des Jahres. Der NATO-Generalsekretär stellte fest, dass sich die russische Armee extrem langsam vorwärtsbewegt, während die ukrainischen Truppen bereits in einigen Gebieten erfolgreiche Gegenangriffe durchgeführt haben.
Besonderes Augenmerk legte Rutte auf asymmetrische Aktionen Kiews. Er betonte, dass die Ukraine tief in das russische Territorium hinein angreift und die Energieinfrastruktur sowie die industrielle Basis des Gegners trifft, was erhebliche Auswirkungen auf die Fähigkeit Russlands hat, den Krieg zu führen.
Der Preis des Krieges für Russland
Im Verlauf des Gesprächs nannte der NATO-Generalsekretär schockierende Statistiken zu den Verlusten der russischen Armee. Nach seinen Angaben verliert Russland monatlich zwischen 25.000 und 35.000 Soldaten. Rutte bezeichnete diese Zahlen als „schreckliche Nachricht“ für die Familien der Getöteten und Verwundeten.
Der Generalsekretär wandte sich zudem direkt an junge Russen, die den Dienst in Betracht ziehen. „Wenn Sie ein junger Russe sind, der überlegt, sich den Kampfhandlungen anzuschließen, könnten Sie einer dieser etwa 30.000 in diesem oder dem nächsten Monat sein“, warnte er.
Politische Lage in Kiew
Die Entscheidung von Präsident Wolodymyr Selenskyj, Mychajlo Fedorow zu entlassen, lögte breite Resonanz aus. Offiziell wurden zwei Gründe für die personellen Veränderungen genannt: ein Konflikt mit Oberbefehlshaber Alexander Syrskyj und Einkäufe, die das Verteidigungsministerium entgegen den Bedürfnissen der Armee getätigt hatte.
Diese Entscheidung löste eine Welle der Empörung in der Gesellschaft aus. Am 16. Juli fanden in Kiew und anderen Städten der Ukraine massive friedliche Demonstrationen zur Unterstützung des ehemaligen Ministers statt. An den Kundgebungen nahmen Veteranen, gesellschaftliche Aktivisten und bekannte Vertreter der ukrainischen Showbranche teil. Derzeit ist Generalmajor Jewhen Chmara, der kommissarische Leiter des SBU, als amtierender Verteidigungsminister eingesetzt.