Die schwedische Verteidigungskorporation Saab hat den erfolgreichen Erstflug der zweisitzigen Version des Mehrzweckkampfflugzeugs Gripen F (JAS 39F) bekanntgegeben. Die Maschine hob vom Testflughafen des Unternehmens in Linköping ab und verbrachte rund 40 Minuten in der Luft. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Berufung auf die Pressestelle von Saab. Während des Testflugs prüften Ingenieure und Testpiloten die Funktionsfähigkeit der wichtigsten Bordsysteme sowie eine Reihe grundlegender Flugleistungen des Flugzeugs. Auf den im Internet veröffentlichten Aufnahmen ist zu sehen, wie zwei Kampfjets der Gripen-Familie vor dem Hintergrund eines klaren Himmels in Formation fliegen – auf dem Leitwerk eines von ihnen ist die Nummer „822' zu sehen, auf dem anderen das traditionelle Wappen der schwedischen Luftwaffe in Form eines Löwen.
Was in den nächsten Phasen der Erprobung geprüft wird
Wie Saab versichert, war der Erstflug erst der erste Schritt eines langfristigen Flugtestprogramms. In den folgenden Phasen werden die Spezialisten den Kampfjet schrittweise in Grenzbereichen belasten: mit maximaler Geschwindigkeit, höchster Flughöhe, zulässigen Überlastungen und Anstellwinkeln. Parallel dazu wird das Team die taktischen Möglichkeiten der zweisitzigen Konfiguration sowie die Ergonomie und Funktionalität des hinteren Cockpits bewerten, in dem der zweite Pilot oder der Waffensystemoperator sitzt. Erst nach Abschluss aller geplanten Verfahren wird der Gripen F zur Übergabe an die brasilianische Luftwaffe – den wichtigsten ausländischen Kunden dieser Modifikation – vorbereitet.
Technische Evolution: Worin unterscheidet sich Gripen E/F von C/D
Die Familie JAS 39 Gripen E/F stellt eine tiefgreifende Modernisierung der vierten-Generation-Mehrzweckkampfflugzeuge Gripen C/D dar, die seit den 1990er Jahren bei der schwedischen Luftwaffe im Einsatz sind. In den Versionen E und F wurde die Flügelvergrößerung und die Verlängerung des Rumpfes vorgenommen, was die Unterbringung von zusätzlichem Treibstoff und Avionik ermöglichte. Ein Schlüsselupdate war die Installation des leistungsfähigeren Turbofan-Triebwerks General Electric F414 sowie eines neuen Radars mit aktivem Phased-Array-Antennensystem (AESA), das die gleichzeitige Verfolgung mehrerer Ziele und eine erhöhte Störfestigkeit gewährleistet. Diese Änderungen erweitern den Aktionsradius, die Reaktionsgeschwindigkeit und den Informationsvorteil des Kampfjets im Vergleich zu früheren Modifikationen erheblich.
Schwedisch-brasilianische Partnerschaft und die Rolle des hinteren Cockpits
Der Kampfjet Gripen E/F wurde im Rahmen einer strategischen Partnerschaft zwischen Schweden und Brasilien entwickelt, die einen umfassenden Technologietransfer im Rahmen des brasilianischen Programms zur Modernisierung der Kampfjetflotte vorsieht. Die zweisitzige Version F wurde mit doppeltem Ziel entwickelt: die Ausbildung von Piloten und die Erhöhung der Effizienz bei der gemeinsamen Durchführung von Kampfaufgaben, wenn der zweite Pilot die Bewaffnung steuern oder die Aktionen der Gruppe koordinieren kann. Dabei behält der Gripen F, im Gegensatz zu vielen zweisitzigen Schulungs- und Kampfflugzeugen, die volle Kampfkraft und alle zehn Bewaffnungsaufhängungspunkte bei, was ihn zu einem vollwertigen Angriffsflugzeug und nicht nur zu einem Trainer macht.
Perspektive: Steuerung unbemannter Kampfjets
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Information über die zukünftigen Möglichkeiten des Gripen F. Wie Saab bereits gezeigt hat, kann der Kampfjet in Zukunft die Funktion eines Luftgruppenkommandanten erhalten, der unbemannte Kampfjet-„Flügelschutz'-Begleiter steuert. Das Unternehmen hat bereits öffentlich einen Prototyp eines Drohnenkampfflugzeugs gezeigt, der für gemeinsame Aktionen mit dem bemannten Gripen bestimmt ist. Dies öffnet den Weg zur Taktik „einer Pilot plus mehrere UAVs', die allmählich zum Standard für neue Generationen der Kampfflugzeuge wird. Für Brasilien, das den Gripen F im Rahmen eines langfristigen Vertrags erhält, erhöht eine solche Funktionalität den Wert der erworbenen Technik erheblich und gewährleistet die Aktualität der Flotte für Jahrzehnte.