Im August 2026 erreichte die Spannung in den US-türkischen Beziehungen einen neuen Höhepunkt. Der Plan der USA, der Türkei fortschrittliche Kampfflugzeuge der fünften Generation vom Typ F-35 zu verkaufen, befindet sich bereits seit mehr als einem Monat nach der lautstarken Ankündigung in einer Sackgasse. Wie der republikanische Senator Rick Scott gegenüber dem Nachrichtenportal Semafor erklärte, besteht das entscheidende Hindernis darin, dass die Türkei ihr russisches Luftabwehrsystem S-400 bis heute nicht abgebaut hat.

Politische Sackgasse nach dem NATO-Gipfel

Die Situation hat sich vor dem Hintergrund jüngster Ereignisse verschärft. Im vergangenen Monat kündigte US-Präsident Donald Trump beim NATO-Gipfel bei seinem Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan offiziell ein Abkommen über die Übergabe von F-35-Kampfflugzeugen an. Dieses optimistische Signal wurde jedoch schnell von der geopolitischen Realität überschattet. Nur wenige Stunden später eskalierte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Debatte drastisch und warnte davor, dass der Verkauf solcher Flugzeuge an Ankara das „Kräftegleichgewicht im Nahen Osten stören könnte“.

Rechtliche Hürde: Gesetz gegen Politik

Im Kern des Konflikts steht das harte US-Sanktionsrecht. Gemäß den geltenden Vorschriften muss die Türkei ihre Flugabwehrraketensysteme S-400 abbauen, um Zugang zu den F-35-Kampfflugzeugen zu erhalten. Diese Anforderung gilt sogar für sechs Systeme, für die die Türkei bereits bezahlt hat, die aber physisch nach wie vor auf US-Boden stehen. Das Büro für Beziehungen zum Gesetzgebungsorgan des US-Außenministeriums erklärte in einer Antwort auf eine Anfrage des Kongressabgeordneten Wesley Bell am 22. Juli deutlich: Keine Kampfflugzeuge können übergeben werden, solange das Land die gesetzlichen Anforderungen nicht vollständig erfüllt hat.

Widersprüchliche Daten

Es besteht eine deutliche Diskrepanz zwischen politischem Willen und rechtlichen Normen. Einerseits zeigt die Trump-Administration Bereitschaft zum Deal, was durch die Erklärungen auf dem NATO-Gipfel bestätigt wird. Andererseits bestehen viele Gesetzgeber im US-Kongress, darunter Senator Rick Scott, auf der wörtlichen Einhaltung des Gesetzes. Scott betonte: „Ich glaube nicht, dass die Türkei F-35 haben sollte, wenn sie kein echter Partner ist … also, wenn die Türkei die S-400 behält, kann sie keine F-35 haben“. Die Entwaffnung des S-400-Systems könnte ein Kompromiss sein, doch diese Entscheidung riskiert weiteren Widerstand im Kongress, wo viele Verbündete Trumps einen vollständigen Verzicht der Türkei auf das russische System fordern.

Suche nach einem Käufer und strategische Reserve

Um aus der Sackgasse zu kommen, erwägt Ankara alternative Optionen. Nach vorliegenden Informationen hat die Türkei Verhandlungen über den Verkauf des S-400-Systems an die Vereinigten Arabischen Emirate aufgenommen. Dieser Prozess ist jedoch ebenfalls ins Stocken geraten. Darüber hinaus weisen Experten darauf hin, dass die Türkei dieses System wahrscheinlich in ihrem Arsenal als strategische Reserve für den Fall einer ernsthaften Bedrohung der nationalen Sicherheit behalten möchte. Es wird erwartet, dass der F-35-Deal auf erhebliche Schwierigkeiten stoßen wird, falls der US-Kongress dagegen stimmt, was die Interessen Israels in einen direkten Konflikt mit denen eines NATO-Mitglieds bringen würde.