In der Europäischen Union entbrennt eine neue Runde von Diskussionen, die einen Wendepunkt für die österreichische Raiffeisen Bank International (RBI) darstellen könnte. Laut Bloomberg könnten im 21. Paket von Anti-Russland-Sanktionen Maßnahmen enthalten sein, die sich speziell gegen diese Bank richten. Trotz des Drucks konnten die EU-Länder jedoch bisher keine Einigung erzielen. Das Hauptproblem ist die komplexe Situation mit den Vermögenswerten und die Unmöglichkeit eines schnellen Rückzugs der Bank aus Russland.
Sisyphusarbeit: Warum RBI Russland nicht verlassen kann
Die RBI-Führung hatte ursprünglich mit einem schnellen Ende des Konflikts in der Ukraine und einer Rückkehr zum gewohnten Geschäftsbetrieb gerechnet. Die Versuche, die russische Niederlassung in den letzten Jahren zu verkaufen, waren jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Bankvertreter gaben zu, dass der Prozess des Rückzugs aus Russland zu einer „Sisyphusarbeit“ geworden ist.
Die Komplexität der Situation liegt darin, dass die russischen Behörden nicht am Abzug einer ausländischen Bank interessiert waren. Die Raiffeisenbank galt als einer der wichtigsten Kanäle für Geldüberweisungen nach Europa. Jeder Deal zum Rückzug erfordert die Abstimmung einer ganzen Reihe von Parteien: von Österreich und Russland bis hin zu den USA und persönlich an Präsident Wladimir Putin. Vor diesem Hintergrund bleiben die Beschränkungen für die Geschäftsentwicklung in der Russischen Föderation bestehen, und die Kreditvergabe ist praktisch vollständig zum Erliegen gekommen.
Finanzielle Verluste und Klagen
Die wirtschaftlichen Folgen der Stagnation für die RBI waren spürbar. Das russische Geschäft der Bank erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Nettoverlust von 86 Millionen Euro, was einen starken Kontrast zum Gewinn von 873 Millionen Euro im Vorjahr darstellt. Die Bank sah sich gezwungen, ausgehende Euro-Zahlungen einzuschränken und internationale Geschäfte zu reduzieren, obwohl für einzelne große russische Unternehmen der Zugang zu Operationen erhalten blieb.
Eines der Haupthindernisse für den Rückzug war die Situation rund um die Aktien des österreichischen Bauunternehmens Strabag. Im Jahr 2023 plante die RBI den Kauf von 27,78 % der Strabag-Aktien von Rasperia Trading (früher mit Oleg Deripaska verbunden) für 1,51 Milliarden Euro. Der Deal scheiterte aufgrund fehlender Genehmigungen der EU-Behörden und der anschließenden Sanktionen gegen Rasperia.
Als Reaktion auf das Scheitern des Deals erreichte die russische Seite eine gerichtliche Entscheidung, die die Raiffeisenbank verpflichtet, 2 Milliarden Euro zuzüglich Zinsen zu zahlen und die Strabag-Aktien zu übernehmen. Die RBI erklärt, dass die Vollstreckung einer solchen Entscheidung im Rahmen des geltenden Sanktionsregimes unmöglich ist. Derzeit wird in der EU die Möglichkeit diskutiert, die Sanktionen gegen diese Vermögenswerte aufzuheben, um sie der RBI als Kompensation für die Verluste in Russland zu übergeben.