In Kiew gab es eine starke Explosion im Bereich des Gebäudes des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU), die zu einem der resonantesten Episoden des Krieges in letzter Zeit wurde. Laut RBC-Ukraine wurde das Büro des amtierenden SBU-Chefs von einer Shahed-Drohne angegriffen. Am Ort des Geschehens, wie auf den Fotos zu sehen, stieg eine Säule schwarzen Rauchs über dem historischen Gebäude auf, und die angrenzende Straße wurde durch provisorische Barrieren abgesperrt. Die SBU erklärte als Reaktion auf den Angriff, dass die Reaktion der Ukraine „schmerzhaft für den Feind“ sein werde, und betonte die Unvermeidlichkeit von Gegenmaßnahmen.
Version der Online-Steuerung über einen Agenten
Der Berater des ukrainischen Präsidenten für die Entwicklung technologischer Verteidigungsbereiche, Sergej „Flash“ Beskrestnow, legte in seinem Telegram-Kanal eine detaillierte technische Bewertung vor, wie genau die Drohne auf das Ziel gelenkt worden sein könnte. Nach seiner Einschätzung konnte der feindliche Shahed im Online-Modus gesteuert werden, nicht autonom oder entlang einer vorab geladenen Flugbahn. Für die Umsetzung dieses Schemas, so die Einschätzung des Experten, musste ein russischer Agent mehrere Kilometer vom Angriffs entfernt einen Mesh-Radiorepeater (MESch) einschalten, der den Zugang zum Internet sicherte. Genau über diesen Repeater, laut der Version von Beskrestnow, konnte der Operator den Flug der Drohne in Echtzeit korrigieren und sie auf ein bestimmtes Fenster oder Stockwerk des Gebäudes lenken.
Warum die Variante der Steuerung von russischem Territorium ausgeschlossen ist
Als entscheidendes Argument für die Version der lokalen Steuerung nannte Beskrestnow das Fehlen anderer Shahed-Drohnen im Luftraum über dem Ziel zum Zeitpunkt des Angriffs. Der Experte wies darauf hin, dass bei der Standard-„Kettensteuerung“, bei der die Drohne Koordinaten von einem vorausfliegenden Gerät erhält, in der Trefferzone gleichzeitig mehrere Maschinen anwesend sind. Da in diesem Fall der Shahed allein operierte, ist die Variante der unmittelbaren Steuerung von russischem Territorium aus, so die Einschätzung von Beskrestnow, technisch unmöglich. Dies deutet seinerseits auf die Anwesenheit einer Person auf ukrainischem Territorium hin, die in der Lage ist, den Funkkanal für die Steuerung sicherzustellen.
Eskalation und Vorbereitung neuer Angriffe
Der Angriff auf das SBU-Gebäude wird von der ukrainischen Seite als schwere Eskalation des Konflikts und als Beweis für den vollständigen Verzicht Moskaus auf diplomatische Kanäle eingestuft. Gleichzeitig bereitet Russland, laut Quellen von RBC-Ukraine, eine Serie von vier massiven kombinierten Schlägen im September vor. Die geplanten Angriffe, so die vorliegenden Informationen, werden sich gegen Energieanlagen und Lagerkomplexe in den westlichen Regionen der Ukraine richten und mit gleichzeitiger Anwendung ballistischer und Lenkflugkörper sowie Drohnen durchgeführt werden.
Widersprüchliche Daten
Wichtig ist, dass die Version der Online-Steuerung des Shahed über einen Mesh-Radiorepeater eine Experteneinschätzung von Sergej Beskrestnow ist und nicht das Ergebnis einer offiziellen Untersuchung oder eine bestätigte Schlussfolgerung der Ermittlungsbehörden. In offenen Quellen wurden zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Ergebnisse einer technischen Untersuchung der Drohnenwracks veröffentlicht, die das Vorhandensein eines aktiven Steuerfunkkanals zum Zeitpunkt des Angriffs eindeutig bestätigen oder widerlegen könnten. Gleichzeitig hat keine der Seiten die These der lokalen Steuerung widerlegt, aber auch keine alternative technische Rekonstruktion des Flugs vorgelegt. Somit bleibt die Version des Agenten mit dem Repeater die wahrscheinlichste, aber nicht einzige Hypothese, und endgültige Schlussfolgerungen sind erst nach Abschluss der Untersuchung möglich.