Das Pewscher Bezirksgericht in Kiew hat für den Leiter einer Einheit des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU), dem im Zusammenhang mit der Tragödie im Dorf Mila im Buchansker Rajon der Oblast Kiew der Verdacht mitgeteilt wurde, eine Untersuchungshaft angeordnet. Dies berichten RBC-Ukraine, Slovo i Dilo, 24 Kanal und UNIAN unter Berufung auf das Büro des Generalstaatsanwalts und das Staatliche Ermittlungsbüro. Dem Beschuldigten wird Untätigkeit eines Beamten der Militärbehörde unter Kriegsbedingungen vorgeworfen – ein Delikt, das eine Freiheitsstrafe von bis zu 10 Jahren vorsieht. Das Gericht bot ihm die Alternative der Kaution an.
Chronologie des Angriffs und Ausmaß der Tragödie
Laut Ermittlungen griffen russische Streitkräfte am 28. August 2026 um etwa 20:10 Uhr mit unbemannten Fluggeräten Lagerräume eines Unternehmens im Dorf Mila an. Ein Teil dieser Räume wurde von einer SBU-Einheit zur Lagerung von Waffen und Munition genutzt. Nach dem Einschlag der Drohnen begann eine Kettenreaktion von Munitionsexplosionen, und Feuer und Explosionen griffen auf benachbarte Objekte über. Dabei kamen 35 Menschen ums Leben, eine weitere Person gilt als vermisst, 21 Menschen wurden verletzt – darunter zwei Kinder, Polizisten und Rettungskräfte. Am stärksten getroffen wurde das in der Nähe gelegene Seniorenheim.
Anklage: vom Gemüselager bis zu 10 Jahren Haft
Die Ermittlungen ergaben, dass der Beschuldigte als Leiter der Einheit für die Lagerung von Waffen und Munition verantwortlich war und deren Unterbringung in einem ehemaligen Gemüselager zuließ. Laut Akten verfügte das Lager ursprünglich nicht über die erforderliche Papiere und entsprach nicht den Sicherheitsanforderungen für die Lagerung von explosiven Gegenständen. Zudem befand sich das Objekt in weniger als 100 Metern Entfernung von Wohngebäuden. Außerdem wurden, so die Ermittlungsversion, die Normen für die zulässige Menge und die Verteilung der Munition, die dem Risiko einer gleichzeitigen Detonation entgegenwirken sollen, nicht eingehalten.
Was die Ermittlungen prüfen
Das Staatliche Ermittlungsbüro ermittelt weiterhin, welcher Personenkreis durch sein Handeln oder Unterlassen das Ausmaß der Folgen beeinflusst haben könnte. Insbesondere wird geprüft, ob die Sicherheit des Objekts ordnungsgemäß kontrolliert und ob Maßnahmen zur Stärkung seiner Luftverteidigung ergriffen wurden. Es wurden Sprengstoff- und Brandgutachten beauftragt, die den Detonationsmechanismus und die Ursachen der Feuersausbreitung klären sollen.
Folgen für die Bewohner und die Gemeinde
Durch die Detonation wurden 14 Mehrfamilienhäuser und 191 private Wohnhäuser beschädigt, einzelne Gebäude wurden vollständig zerstört. Unter den Opfern befand sich Taras Didytsch, der Leiter der Gemeinde Dmytriwka. Die am Abend des 28. August geschehene Tragödie ist eine der schwersten nach der Zahl der zivilen Opfer in der Oblast Kiew der letzten Zeit, und die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen einen SBU-Beamten markiert eine neue Phase der Ermittlungen, in der die zentrale Frage lautet, warum explosive Gegenstände unter geltenden Kriegsbedingungen in der Nähe von Wohnhäusern gelagert wurden.