In der Oblast Schytomyr wurde ein neuer Angriff eines Selbstmorddrohnen vom Typ «Schahed» registriert. Laut ukrainischen Spezialisten deuten die Flugbahn der Drohne und die Art ihrer Steuerung auf eine mögliche Nutzung von Relaisstationen auf dem Territorium des Nachbarlandes Belarus hin. Experten schließen nicht aus, dass solche Systeme installiert und betrieben werden könnten, ohne dass die Behörden der Republik offiziell davon Kenntnis haben.

Angriff auf Malyn: Flugroute und Verhalten des UAV

Am Morgen des 19. Juni um 7:11 Uhr griff eine gesteuerte Flugdrohne einen Tankstellkomplex in der Stadt Malyn an. Laut Serhij Besskrestnow, Berater des ukrainischen Verteidigungsministers (Rufname „Flash“), verfolgten ukrainische Radaranlagen den gesamten Weg des angreifenden Apparats.

Die «Schahed»-Drohne flog entlang der Grenze zu Belarus und erreichte Korosten direkt über der Autobahn. Anschließend wendete die Drohne und flog in Richtung Malyn, wobei sie sich direkt über dem Gleisbett bewegte, wo sie schließlich die Tankstelle traf.

Der Spezialist stellt fest, dass ein solches Verhalten typisch für die manuelle Steuerung einer Drohne über ein Videosignal der Kamera ist. Allerdings beträgt die Entfernung vom Angriffspunkt bis zur russischen Grenze etwa 260 Kilometer, was die Nutzung eines direkten Funkkanals unmöglich macht. Zudem wurden zum Zeitpunkt des Angriffs keine anderen Drohnen in der Luft registriert, die als Relaisstationen hätten fungieren können.

Theorie über verdeckte Relaisstationen

Um westliche Regionen der Ukraine mit online gesteuerten Drohnen anzugreifen, benötigt der Gegner Relaisstationen. Ohne diese ist eine Steuerung über solche Entfernungen unmöglich. Serhij Besskrestnow vertritt die Theorie, dass Russland das Territorium Belarus' für die Aufstellung solcher Systeme nutzen könnte, und dies möglicherweise ohne Wissen von Alexander Lukaschenko geschieht.

«Ob Lukaschenko „dringenden Bitten“ um Relaisstationen widerstehen kann, weiß ich nicht. Auch schließe ich nicht aus, dass Relaisstationen ohne Wissen der belarussischen Behörden installiert werden könnten. Das geschieht schnell und einfach. Daher sollten sie genauer darauf achten, was in ihrem Land vor sich geht», betonte der ukrainische Experte.

Endgültige Schlussfolgerungen zu den Gründen des Angriffs und den Methoden der Drohnensteuerung werden von den zuständigen Diensten nach einer detaillierten Untersuchung der Situation gezogen.

Reaktion Kiews und frühere Warnungen

Das Problem der Nutzung des belarussischen Territoriums zur Steuerung russischer Drohnen wurde zuvor bereits auf höchster Ebene angesprochen. Am 19. Juni warnte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Alexander Lukaschenko, dass er eine Woche Zeit habe, um die russischen Relaisstationen von seinem Territorium zu entfernen. Es ging um Systeme, die in zwei belarussischen Regionen an der Grenze zur Ukraine stationiert waren.

Anschließend erklärte Selenskyj, dass die Relaisstationen auf dem Territorium Belarus' ab dem 22. Juni ihre Arbeit eingestellt hätten. Der Präsident erläuterte, dass er zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, ob die Systeme physisch demontiert wurden, ihre Funktionsweise jedoch gestoppt worden war.