18. August 2026. Die Strafverfolgungsbehörden der Ukraine haben ein weitreichendes System zur Fälschung von Mobilisierungsdaten aufgedeckt, das von Beamten der Territorialen Zentren für Rekrutierung und soziale Unterstützung (TCK) organisiert wurde. Im Rahmen einer gemeinsamen Operation von Staatsanwaltschaft und Polizei in den Oblasten Tscherniwzi, Ternopil und Transkarpatien wurden mehr als 400 Fälle von Einträgen falscher Informationen in das staatliche Register „Obereg' festgestellt.
Umfang der Fälschungen: 446 Scheinmobilisierungen
Ermittler der spezialisierten Staatsanwaltschaften der Westregion stellten fest, dass TCK-Beamte die Indikatoren für die Erfüllung von Mobilisierungsaufgaben künstlich überhöhten. Dazu nutzten sie ihre elektronischen Signaturen und den administrativen Zugriff auf das einheitliche Register der Wehrpflichtigen. In den Dokumenten wurden Bürger aufgeführt, die tatsächlich nicht eingezogen wurden, sowie Personen, die ihren Dienst bereits geleistet hatten und nicht einer erneuten Mobilisierung unterlagen.
Insgesamt dokumentierten die Ermittler 446 Fälle von Scheinmobilisierungen. Dies deutet auf einen systematischen Charakter der Verstöße hin, bei dem Statistiken wichtiger sind als die tatsächliche Verstärkung der Armee. Das Büro des Generalstaatsanwalts (OGP) bestätigte, dass solche Handlungen als Missbrauch der Dienststellung und Urkundenfälschung eingestuft werden.
Details der Ermittlungen nach Regionen
Die auffälligsten Fälle wurden in drei Regionen aufgedeckt. In der Oblast Tscherniwzi (Bukowina) trug ein 35-jähriger ehemaliger Leiter eines Bezirks-TCK im Zeitraum von Januar bis März 2026 99 Scheinmobilisierungen in das Register ein. Teil der Daten fabrizierte er selbst, einen anderen Teil kopierte er aus Informationen über aktive Soldaten, um den Anschein einer erfolgreichen Arbeit des Zentrums zu erwecken.
In der Oblast Ternopil veranlasste ein 39-jähriger ehemaliger Leiter eines Bezirks-TCK im März 2026 die Mobilisierung von 18 Personen. Zu den „Eingezogenen' gehörte ein Soldat, der zu diesem Zeitpunkt bereits getötet worden war, sowie ein Verteidiger, der sich in Kriegsgefangenschaft des Gegners befand. Dies beweist, dass die Beamten den Status der Bürger nicht überprüften, sondern das Register nur mechanisch zur Berichterstattung füllten.
Den umfangreichsten Fall dokumentierten die Strafverfolger in der Oblast Transkarpatien. Nach Ermittlungsansicht organisierte ein 36-jähriger stellvertretender Leiter eines Bezirks-TCK das System. Zur Gruppe gehörten der kommissarische Leiter des Zentrums, sein Stellvertreter und Operatoren einer der Filialen. Sie trugen Personen, die bereits mobilisiert worden waren, in das Register ein und stellten ihnen angeblich einen erneuten Einberufungsbefehl und eine Durchgangsuntersuchung bei der Militärkommission aus.
Widersprüchliche Daten
Im Laufe der Ermittlungen entstanden Uneinigkeiten bezüglich der Motive und des Umfangs der Bestechungsgelder. Laut der offiziellen Version des OGP bestand das Hauptziel der Beamte darin, Statistiken für den Bericht an die Führung zu manipulieren. Allerdings suchten Ermittler des Staatlichen Untersuchungsbüros (GBR) bei kürzlich durchgeführten Durchsuchungen Ende Juli 2026 in mehr als hundert TCKs im ganzen Ukraine nach Beweisen für die Annahme von Bestechungsgeldern zur Vermeidung der Mobilisierung.
Es gibt die Theorie, dass Scheinmobilisierungen als Methode zum „Waschen' von Daten genutzt werden könnten: Indem sie den Anschein einer aktiven Einberufung erweckten, könnten Beamte Fälle illegaler Reservierungen oder Befreiungen vom Dienst gegen Geld vertuschen. Anfang August teilte die Nationale Polizei mit, dass 76 Leitern von TCKs der Verdacht vorgeworfen wurde, doch der genaue Zusammenhang zwischen diesen Fällen und dem Fall der Scheinmobilisierungen in den westlichen Oblasten ist noch nicht vollständig geklärt.
Ermittlungsmaßnahmen und Folgen
Gegen die meisten Beschuldigten wurden bereits Haftmaßnahmen verhängt. Die Frage der Haftmaßnahme für den ehemaligen TCK-Leiter in der Oblast Ternopil wird noch vom Gericht geprüft. Die Ermittler überprüfen auch die Rechtmäßigkeit der Reservierung von fast zweieinhalbtausend Wehrpflichtigen, was zu neuen Enthüllungen führen könnte.
Diese Ereignisse spielen sich vor dem Hintergrund einer Verschärfung der Kontrolle über die Tätigkeit der TCKs ab. Ende Juli 2026 führten das GBR gemeinsam mit dem Generalstab umfangreiche Durchsuchungen durch, bei denen sie nicht nur Korruption, sondern auch Fälle von Misshandlung von Wehrpflichtigen untersuchten. Die Strafverfolger beschlagnahmten Fahrzeuge und beträchtliche Bargeldsummen bei Beamten in 16 Regionen der Ukraine.