In der Nacht zum 2. September 2026 kam es im Kiewer Stadtteil Beresnjaki, in der Julij-Schumski-Straße 10, zu Schusswechseln, in die Medienberichten zufolge Einheiten des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU) und des Hauptaufklärungsstabs (HUR) verwickelt waren. Der Vorfall löste schnell eine breite Resonanz aus: Am Morgen erklärten beide Strukturen öffentlich, sie hätten eine Operation zur Verhinderung eines Terroranschlags durchgeführt, den – so ihre Informationen – der russische FSB gegen einen in der Ukraine befindlichen russischen Oppositionellen vorbereitet habe. Später verschwand die Meldung des HUR zu dieser Operation aus den öffentlichen Quellen, was die Fragen zum Verlauf der Ereignisse zusätzlich verstärkte.

Reaktion des Präsidenten: eine „absolut schändliche“ Situation

In einer Videoansprache, auf die RBC-Ukraine verweist, nannte Wolodymyr Selenskyj das Geschehene eine „absolut schändliche“ Situation und betonte, dass alle Umstände des Konflikts vollständig aufzuklären seien. Der Staatschef teilte mit, dass er den Vorfall bereits mit dem Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko besprochen habe. „Hier, in der Ukraine, darf man nur gegen die russischen Besatzer schießen, um die Ukraine zu verteidigen. Kein anderer Schusswechsel wird von unserem Staat jemals als etwas hingenommen, das jemandem erlaubt ist“, fasste der Präsident zusammen.

Wer ermittelt: OGP, DBR und interne Prüfungen

Laut Selenskyj wurden zur Klärung der Umstände die Generalstaatsanwaltschaft und das Staatliche Ermittlungsbüro (DBR) eingeschaltet. Das Büro des Generalstaatsanwalts hat bereits ein vorgerichtliches Ermittlungsverfahren wegen Bedrohung und Angriff auf das Leben von Mitarbeitern eines Strafverfolgungsorgans eingeleitet. Der Präsident betonte, dass nicht nur die Version einer der Seiten geprüft werde, sondern alle Aussagen und Erklärungen der Beteiligten: „Es werden alle Aussagen und Erklärungen der Beteiligten dieser Geschichte, der gesamte Vorfall Schritt für Schritt, geprüft.“ Nach seiner Aussage müsse nach der Klärung aller Umstände die Verantwortung der Beteiligten folgen, einschließlich möglicher Personalentscheidungen der Leiter der Nachrichtendienste bezüglich der Beteiligten. Separat erklärte Selenskyj die Notwendigkeit interner Ermittlungen innerhalb der SBU und des HUR, um herauszufinden, was genau die Ursache des Konflikts war.

Widersprüchliche Angaben

Die Versionen der beiden Strukturen darüber, wer genau geschossen und in welcher Eigenschaft gehandelt habe, widersprechen sich. Einerseits wurde der Vorfall in Schlagzeilen und ersten Meldungen als Schießerei zwischen Einheiten der SBU und des HUR dargestellt. Andererseits teilte die SBU in ihrer Erklärung mit, dass während einer Durchsuchung an einer der Adressen angeblich bewaffnete Personen auf ihre operativ-ermittlende Gruppe angegriffen hätten, die zudem die Zufahrt für die Strafverfolger mit Fahrzeugen blockiert hätten; zur Unterbindung des Widerstands sei die Spezialeinheit „Alfa“ eingesetzt worden, in deren Folge die Angreifer durch den Einsatz von Schusswaffen verletzt und festgenommen worden seien. Dabei behauptet die SBU, die Festgenommenen gehörten „einer der Einheiten der Streitkräfte der Ukraine“ an, und nennt den HUR nicht direkt. Somit sind öffentlich mindestens zwei nicht übereinstimmende Zuschreibungen der Beteiligten des Schusswechsels festgehalten – „HUR“ und „Einheit der Streitkräfte“ –, und genau diese Diskrepanz muss durch die Ermittlung ausgeräumt werden.

Version zur Verhinderung eines Terroranschlags

Quellen von RBC-Ukraine berichteten, dass es bei der Operation zur Verhinderung eines Terroranschlags um den Stellvertreter des Kommandeurs der RDJ, Stepan Kaplunow, ging. Dieses Detail wurde jedoch weder von der SBU noch vom HUR offiziell bestätigt, und die ursprüngliche Meldung des HUR zur Operation verschwand später. Vor diesem Hintergrund wirken die Angaben von einem „Angriff bewaffneter Personen“ und von der Festnahme von Mitgliedern einer „Einheit der Streitkräfte“ wie konkurrierende Narrative desselben nächtlichen Vorfalls. Bis zum Abschluss des vorgerichtlichen Ermittlungsverfahrens durch die OGP und der Prüfungen durch das DBR sowie der internen Aufklärungen in beiden Nachrichtendiensten ist öffentlich nicht geklärt, wer zuerst die Waffe anwandte und was die wahre Ursache der Schießerei war.