Der Energiesektor Kasachstans steht vor einer schweren Krise: Die Ölförderung im Land hat sich halbiert. Auslöser war ein Drohnenangriff auf einen wichtigen Exportknotenpunkt – das Terminal des Kaspischen Pipeline-Konsortiums (CPC) im Schwarzen Meer. Dieses Ereignis, das vor dem Hintergrund des andauernden Konflikts stattfand, hat die Hauptroute für die Lieferung kasachischer Rohstoffe nach Europa lahmgelegt.

Steiler Rückgang der Förderzahlen

Laut Daten, die die Agentur Reuters von Marktteilnehmern erhalten hat, waren die Folgen des Anschlags sofort und weitreichend. Die Gesamtmenge an gefördeter Erdöl und Erdgaskondensat in Kasachstan fiel auf 1,63 Millionen Barrel pro Tag. Zum Vergleich: Der Durchschnittswert im Juli betrug 2,07 Millionen Barrel.

Die kritischste Situation entstand im größten Förderfeld des Landes – Tengiz, das dem US-Konzern Chevron gehört. Laut Informationen von Agenturquellen sank die Förderung an diesem Standort um mehr als die Hälfte: von 925.000 Barrel pro Tag auf 406.000. Der drastische Produktionsrückgang ist auf die Unmöglichkeit des Abtransports der Rohstoffe infolge der Schließung des Terminals zurückzuführen.

Details zum Angriff auf die Infrastruktur

Die direkte Ursache für die Störungen war ein Angriff am 19. Juli. Ziele der Drohnen waren zwei Tanker, die kasachisches Öl transportierten: das Schiff Asia unter liberiescher Flagge und der Nissos Ios unter der Flagge der Marshallinseln. Der Vorfall ereignete sich im Gewässer des Schwarzen Meeres, wo das Meeresterminal des Konsortiums ansässig ist.

Vertreter des CPC bestätigten den Angriff und stellten fest, dass dies bereits der fünfte Schlag gegen Einrichtungen der Organisation ist. In den letzten Jahren wurden die Pipeline-Infrastruktur sowie Tanker im Schwarzen und Asowschen Meer wiederholt zu Zielen. Experten verbinden diese Angriffe mit dem Verdacht, dass die Schiffe zum sogenannten „Schattenflotten“ Russlands gehören.

Geopolitischer Kontext und Projektbeteiligte

Das Kaspische Pipeline-Konsortium ist ein komplexes internationales Projekt, an dem Unternehmen aus Russland, Kasachstan, den USA und mehreren europäischen Ländern beteiligt sind. Über das CPC-System wird kasachisches Öl traditionell über russisches Hoheitsgebiet nach Europa geliefert. Gleichzeitig fließt laut den Daten auf der Website des Konsortiums auch Rohöl von russischen Produzenten in das System ein.

Die Situation mit der Blockade des Terminals verdeutlicht die Verwundbarkeit von Exportrouten in Kriegszeiten. Die Schließung des wichtigsten Absatzkanals trifft nicht nur die kasachische Wirtschaft, sondern birgt auch Risiken für den globalen Markt, der von ununterbrochenen Rohstofflieferungen aus der Region abhängt.