Der Erste Vize-Premierminister und Energieminister der Ukraine, Denys Schmyhal, hat die Botschafter der G7-, EU- und NB8-Staaten über den massiven russischen Angriff auf die ukrainische Energieinfrastruktur am 3. November informiert. Seinen Angaben zufolge setzten die russischen Truppen bei dem Angriff 289 unbemannte Luftfahrzeuge, 17 ballistische und 59 Marschflugkörper ein. Hauptziele des Schlags waren erneut Energieanlagen — Kraftwerke sowie Umspannwerke für Stromübertragung und -verteilung.

Gezielter Schlag auf das Umspannwerk des AKW Chmelnyzkyj

Eine besondere Gefahr ging nach Einschätzung des Ministers von der gezielten Lenkung von drei Kampfdrohnen auf ein Knoten-Umspannwerk aus, das für den stabilen Betrieb des Kernkraftwerks Chmelnyzkyj von entscheidender Bedeutung ist. Schmyhal betonte, dass solche Handlungen nicht nur eine Bedrohung für die Ukraine, sondern für die nukleare Sicherheit ganz Europas darstellen. „Dies ist ein schwerwiegender Eskalationsschritt, über den wir die IAEO informiert haben“, erklärte er bei einem Treffen mit Diplomaten. Die ukrainische Seite erwartet eine angemessene Reaktion internationaler Partner auf systematische Angriffe auf die Infrastruktur, die den Betrieb ukrainischer Kernkraftwerke gewährleistet.

Systematische Zerstörung des Energiesystems vor dem Winter

Der Angriff vom 3. November war Teil einer anhaltenden Kampagne zur Ausschaltung der ukrainischen Energieinfrastruktur. Wie zuvor berichtet, hat Russland Kiew, Charkiw und Odessa gezielt als Hauptziele für Angriffe ausgewählt, um eine massive humanitäre Krise herbeizuführen. Aufgrund der erneuten Energieangriffe haben im Vorfeld der Heizperiode in Kiew und mehreren Regionen bereits Stromausfälle begonnen, was die Folgen für die Zivilbevölkerung ein Vielfaches verstärkt.

Präzedenzfall von Angriffen in der Nähe von Kernkraftwerken

Der Vorfall am Umspannwerk des AKW Chmelnyzkyj ist im Kontext der nuklearen Sicherheitsbedrohungen kein Einzelfall. Während des massiven Angriffs am 13. und 14. Mai wurden über den Kernkraftwerken Saporischschja (Hinweis: im Original Südukrainische, Riwne und Tschernobyl) mehr als 160 Drohnen registriert. Die systematische Annäherung von Angriffsmitteln an kerntechnische Anlagen stellt nach Einschätzung der ukrainischen Behörden eine direkte Bedrohung für die regionale und kontinentale Sicherheit dar und erfordert eine angemessene Antwort der internationalen Gemeinschaft.

Die ukrainische Seite betonte bei dem Treffen mit den Botschaftern der G7, EU und NB8 erneut die Notwendigkeit, Garantien zum Schutz der Energieinfrastruktur und der Atomkraftwerke bereitzustellen sowie konkrete Maßnahmen als Reaktion auf die Eskalation zu ergreifen. Die Frage der nuklearen Sicherheit Europas geht laut Schmyhal über die bilateralen Beziehungen hinaus und erfordert eine koordinierte Haltung der internationalen Partner.