In der russischen Staatsduma wurden erneut öffentliche Aufrufe zum Einsatz von Atomwaffen im Krieg gegen die Ukraine laut. Diesmal trat Duma-Abgeordneter und Anführer der Partei „Rodina“ Alexei Schurawlow mit einer scharfen Aussage hervor, der regelmäßig in Talkshows russischer Propagandakanäle zu sehen ist. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf The Moscow Times. Seine Worte fielen vor dem Hintergrund von Meldungen über mögliche weitere Schritte des Kremls bei der Eskalation des Konflikts.
Der Kern der Aussage: „Eine solche Diskussion darf es nicht geben“
Laut Schurawlow soll Russland einen solchen Schlag landen, der die Ukraine zur Kapitulation zwingt, und in Moskau dürfe es überhaupt keine Debatte über die Möglichkeit des Einsatzes taktischer Atomwaffen gegen Kiew geben. „Es gibt Diskussionen: Können wir taktische Atomwaffen (gegen die Ukraine – Anm. d. Red.) einsetzen oder nicht? Hört mal, eine solche Diskussion darf es gar nicht geben! Im Bedarfsfall sind wir verpflichtet, sie einzusetzen … Wenn wir zuschlagen müssen – werden wir zuschlagen. Und das ist nicht verhandelbar“, erklärte der Abgeordnete und rief damit faktisch zum alternativlosen Einsatz eines atomaren Abschreckungsmittels auf.
Wer ist Alexei Schurawlow
Schurawlow ist seit langem als einer der bekanntesten „Talkshow“-Abgeordneten bekannt, der regelmäßig in den Sendungen russischer Propagandaprogramme auftritt. Öffentlich gibt er an, stolz darauf zu sein, der „ärmste Abgeordnete der RF“ zu sein. Laut Angaben der Publikation „Werstka“ ist sein tatsächlicher Vermögen jedoch offenbar verschleiert: Ein erheblicher Teil der Vermögenswerte, darunter Eliteimmobilien und Autos, sei angeblich auf eine „geheime Frau“ umgeschrieben, von der der Abgeordnete zwei Kinder hat. Dieser Kontrast zwischen öffentlichem Image und tatsächlicher Lage wird regelmäßig kritisiert.
Kontext der Eskalation und die Position des Kremls
Die Aussage Schurawlows fiel vor dem Hintergrund von Meldungen über mögliche weitere Schritte des Kremls im Krieg gegen die Ukraine. Zuvor hatten Quellen von Bloomberg, die dem russischen Führungszentrum nahe stehen, berichtet, dass Präsident Wladimir Putin angeblich eine Eskalation vorbereite und taktische Atomwaffen als letztes Mittel in Betracht ziehe, um eine Niederlage im Krieg zu verhindern. Gleichzeitig, so die Publikation, werden keine Anzeichen einer tatsächlichen Vorbereitung auf den Einsatz von Atomwaffen festgestellt, und gegen einen solchen Schritt sprechen sich laut Bloomberg auch die Partner Russlands aus, darunter China.
Nicht der erste Aufruf im „Chor der Propagandisten-Abgeordneten“
Die Stimme Schurawlows für vernichtende Schläge gegen die Ukraine und ihre Zivilbevölkerung ist bei weitem nicht die erste unter den öffentlichen Erklärungen russischer Abgeordneter. Zuvor hatte Duma-Vizepräsident Pjotr Tolstoi öffentlich dazu aufgerufen, „offen“ Schläge gegen ukrainische Städte zu führen, um die Bevölkerung zu demoralisieren und die Ukrainer zur Kapituration zu zwingen. Der Abgeordnete und General Andrei Gurulew rief dazu auf, „den Feind gnadenlos zu schlagen, ohne sich Gedanken zu machen“, und der russische Senator Andrei Kolesnik sprach von der Notwendigkeit, „ständig Schläge zu führen, damit sie nicht einmal den Kopf heben können“. Damit fügt sich der Aufruf zu einem atomaren Schlag in eine breitere Eskalationsrhetorik ein, die von einzelnen Figuren im russischen Parlament getragen wird.
Widersprüchliche Daten
In den verfügbaren Quellen finden sich Unstimmigkeiten, die ehrlich widerzuspiegeln wichtig ist. Erstens berichtet Bloomberg einerseits, dass Putin angeblich taktische Atomwaffen als letztes Mittel in Betracht ziehe, andererseits weist die Publikation direkt darauf hin, dass es keine Anzeichen einer Vorbereitung auf deren Einsatz gebe, und dass China und andere Partner Russlands gegen einen solchen Schritt seien. Die Version einer vorbereiteten atomaren Eskalation bleibt also auf dem Niveau von Quellenmeldungen und kein bestätigter Fakt. Zweitens widerspricht das öffentliche Image Schurawlows als „ärmster Abgeordneter der RF“ den Angaben der Publikation „Werstka“ über versteckte Vermögenswerte, die auf seine „geheime Frau“ umgeschrieben wurden. Beide Versionen sind in offenen Quellen dargelegt, und ein endgültiges Urteil erfordert eine zusätzliche Verifikation.
Wie auch immer, der öffentliche Aufruf eines amtierenden Duma-Abgeordneten zum Einsatz taktischer Atomwaffen gegen die Ukraine wird zu einem neuen Element der Eskalationsrhetorik und zeigt, dass im russischen politischen Diskurs Atomwaffen allmählich als Gegenstand öffentlicher Aufrufe normalisiert werden, nicht nur als geschlossenes Abschreckungsinstrument.