In Schweden sind weitreichende Änderungen der Migrationspolitik in Kraft getreten. Nun können Ausländer nicht nur wegen schwerer Straftaten, sondern auch wegen eines sogenannten „mangelhaften Verhaltens“ (bristande vandel) ihres Aufenthaltsstitels beraubt und ausgewiesen werden. Dies meldet die Zeitung Bild.
Was gilt als Verstoß?
Laut den neuen Vorschriften können Verstöße, die bisher nicht zu solchen Konsequenzen führten, zur Ausweisung führen. Zu den Gründen für eine Abschiebung zählen nun unbezahlte Schulden, Missbrauch des Sozialsystems sowie die Nichtbefolgung von Anordnungen staatlicher Behörden.
Der Migrationsminister Johan Forssell hat die Reform aktiv unterstützt. Nach seinen Worten dürfen Personen, die in Schweden leben, dem Land keinen Schaden zufügen. Die Regierung hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, die schwedischen Migrationsregeln zu den strengsten in ganz Skandinavien zu machen.
Rechtliche Unsicherheit und politischer Kampf
Das Inkrafttreten des Gesetzes fiel in den Zeitraum der Wahlkampfaktivitäten, wodurch das Thema Migration Gegenstand einer scharfen politischen Debatte wurde. Oppositionskräfte kritisieren den neuen Ansatz und weisen darauf hin, dass der Begriff „mangelhaftes Verhalten“ nicht präzise genug definiert ist. Dies könnte, so die Kritiker, zu rechtlicher Unsicherheit und willkürlichen Entscheidungen führen.
Gleichzeitig hat die Schwedische Migrationsbehörde versucht, einige Bedenken zu zerstreuen, indem sie betonte, dass einzelne geringfügige Verstöße nicht automatisch zu einer Abschiebung führen. Entscheidungen werden im Einzelfall unter Berücksichtigung aller konkreten Umstände des Falles getroffen.
Finanzielle Anreize für die Rückkehr
Parallel zur Verschärfung der Kontrolle fördert die schwedische Regierung ein Programm zur Förderung der freiwilligen Rückkehr von Ausländern in ihre Herkunftsländer. Für diejenigen, die bereit sind, das Land zu verlassen, sind Zahlungen von bis zu 55.000 Euro pro Familie vorgesehen. Allerdings hat das Programm laut vorliegenden Daten bisher keinen signifikanten Anstieg der Zahl derjenigen bewirkt, die dieses Angebot nutzen möchten.
Kontext: Migration in Europa
Die Verschärfung der Politik erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Besorgnis über organisierte Kriminalität im Land. Nach offiziellen Angaben wurden etwa 2,2 Millionen Einwohner Schwedens außerhalb des Landes geboren, was etwa 21 % der Gesamtbevölkerung entspricht.
Diese Änderungen treten vor dem Hintergrund globaler Verschiebungen in Europa in Kraft. Zuvor wurde berichtet, dass die EU eine umfassende Änderung der Migrationspolitik plant, einschließlich einer Überarbeitung der Nachkriegs-Flüchtlingskonvention. Im Kontext der Ukrainekrise sollen in Europa etwa 70 % der ukrainischen Flüchtlinge bleiben, wobei bereits fast die Hälfte von ihnen in den Ländern der Europäischen Union eine Beschäftigung gefunden hat.