In Kiew hat eine umfassende Umstrukturierung in der höchsten militärischen Führungsebene stattgefunden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat offiziell den Wechsel des Oberbefehlshabers der Streitkräfte des Landes bekanntgegeben. Der neue Armeechef ist Mychajlo Drapatyj.

Diese Entscheidung, die im Telegram-Kanal des Staatsoberhaupts verkündet wurde, markiert den Höhepunkt einer Reihe von Ereignissen, die mit dem Rücktritt der Regierung begannen. Wie Selenskyj mitteilte, wurden gemeinsam mit Drapatyj, Jewhen Chmara und Pawlo Palysa bereits die wichtigsten Richtungen für die Modernisierung der Struktur des Generalstabs der Streitkräfte der Ukraine festgelegt.

Übergabe der Amtsgeschäfte und personelle Umstrukturierungen

Der Führungswechsel beschränkte sich nicht nur auf die Ernennung. Der Präsident führte eine Reihe von Treffen mit dem amtierenden Kommando durch. Insbesondere mit Alexander Syrskyj und dem Chef des Generalstabs Andrei Hnatow wurden die zukünftigen Dienstformate und das Verfahren für eine ordnungsgemäße Übergabe der Amtsgeschäfte besprochen.

Mychajlo Drapatyj, der zuvor die Vereinigten Streitkräfte der Ukraine leitete, war der wahrscheinlichste Kandidat für diese Position. Laut Quellen von Bloomberg wurden 11 Bewerber für den Posten in Betracht gezogen, doch die Wahl fiel schließlich auf ihn.

Voraussetzungen: Konflikt im Verteidigungsministerium

Die Entscheidung zum Wechsel des Kommandos war die Folge einer tiefgreifenden Krise im Verteidigungsministerium. Am 14. Juli unterstützte die Werchowna Rada den Rücktritt der Regierung unter Julija Swyrydenko. Auch der Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow verlor sein Amt.

Fedorow selbst erklärte nach seinem Rücktritt, dass der Grund für seinen Weggang ein Konflikt mit dem Oberbefehlshaber Alexander Syrskyj war. Der Präsident bestätigte diese Version und nannte die Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Minister und dem Befehlshaber als Grund für die Entlassung Fedorows.

Alexander Syrskyj wiederum gab auf diese Vorwürfe hin zu, dass er nichts von einem Konflikt wusste, und merkte lediglich an, dass er bei der Arbeit „manchmal hart“ sei.

Öffentliche Resonanz und Proteste

Die personellen Entscheidungen in der Armee lösten eine breite öffentliche Reaktion aus. In Kiew und anderen Städten der Ukraine finden seit sechs Tagen Protestaktionen statt. Die Teilnehmer der Demonstrationen fordern nicht nur die Rückkehr von Mychajlo Fedorow auf den Posten des Ministers, sondern auch den Rücktritt des amtierenden Oberbefehlshabers Alexander Syrskyj bis zum Zeitpunkt des Führungswechsels.

Vor dem Hintergrund dieser angespannten Lage führte der Präsident eine Reihe von Treffen mit den Top-Kommandeuren durch, um die Situation zu stabilisieren und die Kontinuität der Führung der Streitkräfte sicherzustellen.