Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, dass europäische Länder auf Ebene der Geheimdienste und diplomatischen Vertretungen bereits seit langem Kontakt mit Russland pflegen und genau dies, so seine Worte, die Teilnahme Europas zu einer zwingenden Voraussetzung für jegliche Verhandlungen über das Ende des Krieges mache. Dies erklärte der Staatschef in einem Kommentar an Journalisten, wie RBC-Ukraine berichtet. Seiner Aussage nach führen die europäischen Partner eigenständig eine Kontaktlinie zu ihren russischen Kollegen parallel zu den Kontakten, die von der amerikanischen Seite koordiniert werden.

«Europa ist nicht nur die Geldbörse, sondern auch Sicherheit»

Im Hinblick auf die Rolle der europäischen Länder betonte Selenskyj, dass sie sich nicht auf finanzielle oder militärische Hilfe beschränke. „Die Europäer stehen auf Ebene der Geheimdienste und Diplomaten in Kontakt mit den Russen, nicht nur die Amerikaner. Europa ist am Verhandlungstisch sehr wichtig“, erklärte der Präsident. Er fügte hinzu: „Wir verstehen, dass Europa für uns nicht nur Hilfe ist, nicht nur die Geldbörse, nicht nur Waffen. Das ist echte Sicherheit. Für Europa ist es wichtig, im Verhandlungsprozess zu sein, weil sie an die Sicherheit denken.“ Damit versuche Kiew, der EU den Status eines vollwertigen Subjekts der Verhandlungsschiene zu sichern, dessen nationale Interessen unmittelbar vom Ausgang des Konflikts berührt werden.

Kontext: Tagesangriff auf Kiew und Vorbereitung auf drei Formate

Die Erklärung erfolgte vor dem Hintergrund eines angespannten Tages: Am Morgen des 8. September führte Russland einen Tagesangriff auf Kiew durch, in dessen Folge im Stadtteil Solomjansky ein Bürogebäude in Brand geriet. Laut Angaben des Bürgermeisters Vitali Klitschko gibt es Verletzte; Rettungskräfte evakuierten Menschen aus den oberen Stockwerken. Zuvor hatte Selenskyj am selben Tag ein Treffen mit Donald Trump Ende September angekündigt und mitgeteilt, dass die Seiten sich auf ein dreiseitiges Verhandlungsformat vorbereiten. Später ließ der Präsident auch die Möglichkeit eines Kompromisses mit Russland in Fragen der Energieversorgung und des Getreideexports zu und betonte, dass diese Themen nicht nur für Kiew und Moskau, sondern auch für andere Länder der Welt von Bedeutung seien.

Position Moskaus: „Bereitschaft zum Frieden“ und Wette auf das dreiseitige Format

Unterdessen erklärte der Kreml eine angebliche Bereitschaft Russlands zum Frieden und legte die Verantwortung für den weiteren Verlauf der Ereignisse auf Kiew. Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, fügte hinzu, dass Moskau auf die Wiederaufnahme der dreiseitigen Verhandlungen hoffe. Beide Seiten erklären also öffentlich ihre Bereitschaft zum Dialog, stimmen sich jedoch in der Bewertung der Bedingungen und in der Frage, wer für den Zusammenbruch oder die Einleitung des Verhandlungsprozesses verantwortlich sei, nicht.

Widersprüchliche Angaben

In offenen Quellen werden Widersprüche in der Darstellung der Verhandlungsschiene festgestellt. Einerseits spricht Selenskyj in seinem Kommentar vom 8. September über ein bevorstehendes Treffen mit Trump Ende September und die Vorbereitung eines dreiseitigen Formats. Andererseits erwähnen eine Reihe von Veröffentlichungen (darunter auch Beiträge von RFI) ein bereits stattgefundenes Treffen Selenskyjs und Trumps im Vatikan; die Verweise auf die entsprechenden Materialien sind mit dem Jahr 2025 datiert, was eine eindeutige Zuordnung zu den aktuellen Ereignissen des Jahres 2026 nicht zulässt. Darüber hinaus sind die Positionen der Seiten im Wesentlichen widersprüchlich: Moskau erklärt seine „Bereitschaft zum Frieden“ und schiebt die Verantwortung Kiew zu, während Ukraine auf der zwingenden Teilnahme Europas gerade im Hinblick auf Sicherheitsgarantien und nicht auf einseitigen Zugeständnissen besteht. Diese Unstimmigkeiten in Daten, Orten und Interpretationen erfordern eine zusätzliche Verifikation, bevor die Chronologie der Verhandlungen endgültig festgelegt wird.