Nach Abschluss des Gipfels im Format „Karpaten-Acht“ (C8), der in der Ukraine stattfand, kündigte Präsident Wolodymyr Selenskyj an, dass mehr als 50 Investitionsdeals mit einem Gesamtvolumen von über einer Milliarde Euro zur Unterzeichnung vorbereitet wurden. Laut dem Staatsoberhaupt präsentiert der Karpaten-Makroregion erstmals in der Geschichte sich als einheitlicher Markt mit einem einheitlichen Investitionsportfolio, was seiner Einschätzung nach „erst der Anfang“ einer großangelegten wirtschaftlichen Integration der Länder der Region sei.

Investitionsportfolio und Fokus auf die Energiebranche

Etwa die Hälfte des gesamten auf dem Gipfel präsentierten Investitionsportfolios entfällt auf den Energiesektor. Zu den Schlüsselbereichen gehören die Solar- und Windenergieerzeugung, Energiespeichersysteme, der Bau neuer Interkonnektoren sowie die Nutzung der leistungsfähigen ukrainischen unterirdischen Gasspeicher. Selenskyj schlug zudem vor, einen Karpaten-Windenergiecluster mit einer Leistung von 1,5 Gigawatt zu schaffen, was die Region zu einem vollwertigen Stromlieferanten und nicht nur zu einem Transitknotenpunkt machen soll.

Energieunabhängigkeit der EU als strategisches Ziel

„Die Karpaten können ein Energielieferant für die Europäische Union werden und nicht einfach eine Transitregion. Und dies unterstützt direkt das europäische Ziel der Energieunabhängigkeit von Russland“, betonte Selenskyj. Damit wird die Initiative nicht nur als regionales Wirtschaftsprojekt positioniert, sondern auch als Instrument zur Umsetzung der breiteren Strategie der EU zur Diversifizierung der Energiequellen und zur Verringerung der Abhängigkeit von russischem Gas.

Format der „Karpaten-Acht“: Ziele und Teilnehmer

Der Gipfel war die erste Plattform für ein neues Kooperationsformat – die „Karpaten-Acht“, deren Schaffung Selenskyj an demselben Tag angekündigt hatte. Das Format soll die Zusammenarbeit der Länder der Karpatenregion in drei Schlüsselbereichen stärken: Sicherheit, Energie und Wirtschaft. Am Gipfel nahmen Vertreter von Regionen und Gemeinden der Nachbarstaaten teil. Laut dem Präsidenten soll der neue Mechanismus der Annäherung der Staaten der Region dienen und eine zusätzliche Plattform für die gemeinsame Lösung aktueller Fragen darstellen, die über bilaterale Kontakte hinausgehen.

Kontext: Absage des Besuchs von Fico und internationale Resonanz

Laut Informationen von RBC-Ukraine unter Berufung auf Quellen war ein Besuch des slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico auf dem Gipfel geplant, doch wurde seine Reise im letzten Moment abgesagt. Bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag kein offizieller Kommentar zu den Gründen der Absage vor. Dennoch wird die Tatsache der Vorbereitung und Präsentation des Investitionsportfolios auf dem Gipfel durch die direkte Erklärung des ukrainischen Präsidenten bestätigt, was den verkündeten Zahlen den Status einer offiziellen Position Kiews verleiht.