Der ständige Vertreter der USA bei der NATO, Matthew Whitaker, erklärte, dass die Ukraine und Russland in der gegenwärtigen Phase nicht in der Lage seien, eigenständig eine Einigung zu erzielen und den Krieg zu beenden. Washington wisse jedoch, wie man aus dieser Situation herausfinde, so Whitaker. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf Fox News. Nach Einschätzung des US-Diplomaten befinden sich Kiew und Moskau nach vorläufigen Versuchen, ein Friedensabkommen zu vereinbaren, in einer Sackgasse, und genau jetzt sei ein externer Impuls erforderlich, um den Prozess zu entblocken.
Sackgasse an der Front und in den Verhandlungen
Whitaker wies darauf hin, dass eine Ursache für die Stagnation darin liege, dass sowohl die Ukraine als auch Russland derzeit alles Mögende täten, um ihre Positionen auf dem Schlachtfeld zu verbessern. Der US-Ständige Vertreter betonte, dass beide Seiten regelmäßig über neue Erfolge an der Front berichteten, was im Wesentlichen den Status quo zementiere und keine Bedingungen für einen Kompromiss schaffe. In einer solchen Situation sei, seiner Logik zufolge, keine der Seiten bereit, Zugeständnisse zu machen, solange sie sich nicht in einer stärkeren Position befinde.
Der Winterfaktor als blockierendes Element
Als weiteren Faktor, der die Friedensbemühungen blockiere, nannte Whitaker die intensive Vorbereitung beider Seiten auf die wichtige Winterperiode. Nach Einschätzung des US-Diplomaten rechne Russland damit, im Winter erhebliche Ergebnisse zu erzielen, falls seine Strategie erfolgreich sei. Das bedeute, dass Moskau voraussichtlich kein Interesse daran habe, die aktuellen Positionen zu fixieren, bevor es die Möglichkeiten der Winterkampagne ausgeschöpft habe, was die Perspektive von Verhandlungen zusätzlich verzögere.
Ein Energie-Waffenstillstand als möglicher Ausweg
Gleichzeitig äußerte Whitaker die Ansicht, dass eine Reihe einzelner Waffenstillstandsvereinbarungen die Seiten einem endgültigen Friedensregelung näherbringen könnte. Zu den möglichen Bereichen zählte er die Energieinfrastruktur, Krankenhäuser und andere zivile Objekte. Diese These stimmt mit jüngsten Aussagen rund um den sogenannten „Energie-Waffenstillstand“ überein: US-Präsident Donald Trump erklärte eine angeblich zwischen der Ukraine und Russland erreichte Vereinbarung, Angriffe auf die Energieversorgung zu unterlassen, und am 16. September rief der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Russland auf, Kiew eine Liste von Objekten vorzulegen, die im Rahmen eines solchen Waffenstillstands nicht von den Streitkräften angegriffen werden dürften. Selenskyj betonte, dass die Ukraine zu einem Schritt bereit sei, wenn sie sich der Ernsthaftigkeit der Absichten des Gegners sicher sei, und erwarte einen konkreten Mechanismus, der die Einhaltung der Bedingungen durch Russland garantiere. Der Kreml bewertete die Idee Trumps eines „Energie-Waffenstillstands“ seinerseits positiv.
Widersprüchliche Angaben
In den Aussagen der Seiten besteht ein deutliches Auseinanderklaffen bei der Bewertung des aktuellen Standes des Prozesses. Einerseits erklärte US-Präsident Donald Trump öffentlich von einer „erreichten“ Vereinbarung zwischen der Ukraine und Russland über die Einstellung von Angriffen auf die Energieversorgung, was das Vorhandensein einer abgestimmten Entscheidung voraussetze. Andererseits charakterisiere der US-Ständige Vertreter bei der NATO, Matthew Whitaker, die Situation als Sackgasse, in der die Seiten „nicht zu einer Einigung kommen“ könnten, und Selenskyj habe am 16. September faktisch bestätigt, dass es bislang keinen realen Mechanismus und keine Liste von Objekten gebe und die Ukraine lediglich „bereit“ zu einem Schritt sei, sofern Garantien vorlägen. Somit koexistieren die Behauptung einer „erreichten Vereinbarung“ und die diplomatische Bewertung einer Sackgasse ohne funktionierenden Mechanismus im öffentlichen Raum, und bis konkrete Bedingungen und Garantien fixiert sind, ist es verfrüht, von einem faktisch erreichten Waffenstillstand zu sprechen.
Die Gesamtheit der Aussagen deutet darauf hin, dass Washington lokale Waffenstillstandsregime – vor allem in der Energieversorgung und rund um zivile Objekte – als praktisches Instrument zur Überwindung der Sackgasse betrachtet, während beide Konfliktparteien weiterhin ihre Positionen an der Front stärken und sich auf den Winter vorbereiten. Entscheidend wird sein, ob es den Seiten gelingt, die öffentlichen Erklärungen in einen fixierten Mechanismus mit Einhaltungsgarantien zu verwandeln.