Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte bei einem Treffen mit Journalisten, dass das Land bis Ende 2026 eine Parität mit der Russischen Föderation bei der Fläche der vorübergehend besetzten und befreiten Territorien seit Beginn des laufenden Jahres erreichen erwartet. Seinen Worten zufolge hat Russland seit Januar rund 990 Quadratkilometer ukrainischen Territoriums eingenommen, während die Streitkräfte der Ukraine etwa 820 Quadratkilometer zurückgewonnen haben. „Wir sind der Ansicht, dass wir 2026 eine gleich große Fläche an von Russland besetztem und von uns befreitem ukrainischem Territorium erreichen werden', betonte der Staatschef.

Dynamik an der Front: Alexanderowsker Richtung und Dnipro-Region

Separat hielt Selenskyj die Lage in der Oblast Dnipropetrowsk fest. Der Präsident berichtete, dass die Region praktisch vollständig von russischen Truppen befreit sei und sich nur noch rund 10 Quadratkilometer unter ihrer Kontrolle befinden. „Das sind drei kleine Dörfer. Dort ist praktisch kein Feind mehr', bemerkte er. Nach seiner Einschätzung befindet sich die Debesatzung der Dnipro-Region somit in der Endphase. Im weiteren Kontext wies Selenskyj darauf hin, dass die ukrainischen Streitkräfte 2026 aktive Offensive auf der Alexanderowsker Richtung führen. Seit Jahresbeginn haben die ukrainischen Soldaten 26 Siedlungen in den Oblasten Dnipropetrowsk, Donezk und Saporischschja befreit. Das Kartenprojekt DeepState hat die Karte der Kampfhandlungen in diesem Abschnitt bereits aktualisiert und die Ergebnisse des Vordringens der Verteidigungskräfte widerspiegelt.

Politische und diplomatische Bedeutung der Parität

Selenskyj betonte, dass die Erreichung der territorialen Parität nicht nur militärisch Bedeutung habe. Seinen Worten zufolge gewinnt dieser Indikator erhebliche politische und diplomatische Bedeutung: Er bilde die Grundlage für Verhandlungen und zeige den internationalen Partnern, dass die Ukraine nicht nur verteidigen, sondern auch systematisch verlorene Positionen zurückgewinnen könne. Der Präsident berichtete zudem, dass die ukrainischen Soldaten weiterhin Operationen an verschiedenen Abschnitten der Front durchführten und dass das Ergebnis eines weiteren „Abkommens' bis Ende August 2026 erwartet werde. Konkrete Details zu diesem Abkommen wurden in der öffentlichen Aussage nicht offenbart.

Kontext und Einschätzung von Experten

Die Aussage Selenskyjs erfolgte vor dem Hintergrund andauernder Kampfhandlungen und Diskussionen über die Perspektiven einer friedlichen Beilegung des Konflikts. Die Erreichung der territorialen Parität würde, wenn sie gelingt, den ersten Fall seit Jahren des Krieges darstellen, in dem das Tempo der Debesatzung dem Tempo des Vordringens der russischen Truppen entspricht. Dies könnte die Verhandlungsdynamik und die Position Kiews im Dialog mit westlichen Partnern beeinflussen. Experten weisen jedoch darauf hin, dass quantitative Parität nicht mit strategischem Vorteil gleichzusetzen ist: Die Qualität der gehaltenen Positionen, die Logistiklinien und die Tiefe der Verteidigung bleiben Schlüsselfaktoren, die sich in einer einfachen Arithmetik der Quadratkilometer nicht widerspiegeln.