Auf dem Gipfel „Ukraine – Nordisch-Baltische Acht“ in Kiew machte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den Umfang des Finanzdefizits öffentlich deutlich, mit dem der Staat konfrontiert ist. Nach seinen Worten ist die Frage der Finanzierung kritisch: Der Gesamtbedarf, den der Staatschef auf etwa 27 Milliarden Dollar bezifferte, muss in kurzer Zeit gedeckt werden, um Folgen sowohl im zivilen Leben als auch unmittelbar an der Front zu verhindern. Die Aussage erfolgte im Kontext der Diskussion über die dringenden Bedürfnisse der Streitkräfte und des Zivilschutzes.
Kritisches Finanzierungsdefizit
Selenskyj betonte, dass der Mangel an Mitteln eine ernsthafte Herausforderung darstelle, die seiner Einschätzung nach derzeit noch eingedämmt werde. Gleichzeitig warnte er, dass eine Eskalation dieses Defizits nicht hinzunehmen sei: Die Folgen könnten sich sowohl auf den Alltag der Bürger als auch auf die Kampfbereitschaft der Armee auswirken. Genau deshalb, so der Präsident, erarbeiten die Behörden verschiedene Optionen zur Beschaffung der nötigen Finanzierung und prüfen mehrere Szenarien zur Sicherung des Verteidigungsbudgets.
Dringende Tranchen für Januar–Februar
Von dem Gesamtbedarf, so Selenskyj, werden 8–10 Milliarden Dollar bereits jetzt benötigt – damit die Streitkräfte im Januar und Februar über die erforderliche Ausrüstung verfügen und die Zivilbevölkerung vor Luftangriffen geschützt wird. „Das sind diese 8–10 Mrd. und 20 Mrd. – das sind dringende Gelder, denn sie werden für 4 Monate dieses Jahres gebraucht. Sie werden jetzt gebraucht“, betonte der Präsident und hob den zeitlichen Horizont hervor: Es geht um die Deckung der Bedürfnisse für vier Monate des laufenden Jahres.
Widersprüchliche Angaben
In den Formulierungen des Präsidenten gibt es Abweichungen in den Zahlen, die bei der Interpretation der Aussage zu berücksichtigen sind. An einer Stelle ist die Rede von 10 Milliarden Dollar für die Waffenbeschaffung zu Jahresbeginn und weiteren 20 Milliarden für dringende Bedürfnisse, was zusammen etwa 30 Milliarden ergibt. An anderer Stelle wird der Gesamtbedarf mit 27 Milliarden Dollar beziffert, und die dringende Tranche wird mit 8–10 Milliarden, nicht exakt 10, angegeben. Somit treten in der öffentlichen Aussage mehrere nahe beieinanderliegende, aber nicht identische Größen nebeneinander (10 gegenüber 8–10 Mrd.; 27 gegenüber 30 Mrd.), und der genaue Gesamtbetrag ist nicht eindeutig festgelegt.
Kontext: Gespräche mit den USA und „Nord Stream 2“
Neben der Finanzfrage offenbarte Selenskyj Details der Gespräche mit dem amerikanischen Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner. Nach seinen Worten haben sich Ukraine und USA im Ergebnis dieser Treffen die wichtigsten Ideen für das Ende des Krieges abgestimmt und eine Liste realistischer Szenarien für die Beendigung der Kampfhandlungen erstellt. Separat erklärte der Staatschef, dass die Ukraine offiziell nie an der Zerstörung von „Nord Stream 2“ beteiligt war, und wies darauf hin, dass in dieser Sache eine Untersuchung mit Zeugen und Anklagen läuft, während die ukrainische Seite offen für die Klärung aller Umstände bleibe.