Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte in einem Interview mit dem Magazin Axios, dass Kiew beabsichtige, die diplomatischen Bemühungen im Herbst zu intensivieren und die nächsten zwei Monate zu nutzen, um den Verhandlungsprozess in eine aktive Phase zurückzuführen. Seinen Worten zufolge habe die ukrainische Seite „September und Oktober, um irgendeine Art des Dialogs zu finden“, und er bezeichnete die Wiederaufnahme der Kontakte als notwendige Voraussetzung für ein Ergebnis: „Ohne Dialog … werden wir kein Ergebnis haben“.

Diplomatischer Vorstoß im Herbst

Wie aus der Erklärung hervorgeht, betrachtet die ukrainische Seite die kommenden Wochen als Zeitfenster für einen Neustart der diplomatischen Spur. Selenskyj betonte, dass das Ziel nicht bloß formale Kontakte sei, sondern der Übergang zu einem Arbeitsformat, das es ermögliche, konkrete Vereinbarungen anzustreben. Genau deshalb bleibe, seiner Einschätzung nach, die Effektivität eines jeden Prozesses ohne Wiederaufnahme des Dialogs fraglich.

Generalversammlung der UN als Verhandlungsort

Als möglichen Ort für weitere Verhandlungen zwischen der Ukraine und den USA schlug der Präsident die Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York vor, die seinen Worten zufolge Ende September stattfinden werde. Damit wird die internationale Plattform der UN von Kiew als eine der Optionen für die Fortsetzung der Kontakte mit der amerikanischen Seite und die Suche nach einem geeigneten Verhandlungsformat vor dem Hintergrund der engen zeitlichen Rahmen des Herbstes betrachtet.

Dreiparteienformat und Rolle Washingtons

Selenskyj erklärte auch die Möglichkeit einer neuen dreiparteiigen Verhandlungsrunde mit Beteiligung der Ukraine, der USA und Russlands, wies jedoch darauf hin, dass es dafür noch keine endgültige Entscheidung gebe und die Seiten das weitere Format noch festlegen müssten. Gleichzeitig äußerte er die Hoffnung, dass der amerikanische Präsident Donald Trump den tatsächlichen Start des Verhandlungsprozesses „noch vor dem Einbruch des kalten Winters“ fördern könne.

Widersprüchliche Angaben

Am Vorabend der Erklärung Selenskyjs hatten der Sonderbeauftragte des US-Präsidenten Steve Witkoff und Jared Kushner Moskau und Kiew besucht, um den Dialog über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu fördern. Nach den Besuchen erklärte die amerikanische Seite von „erheblichen Fortschritten“, einschließlich der Abstimmung eines Zeitplans für zusätzliche dreiparteiige Verhandlungen, und wies auf die Bereitschaft Russlands zu Verhandlungen hin. Gleichzeitig erklärte Selenskyj, den Berichten mehrerer Medien zufolge, warum er die Bereitschaft der russischen Seite vorerst nicht optimistisch bewerte, was zu einer Divergenz zwischen der Einschätzung Washingtons und der Position Kiews hinsichtlich der tatsächlichen Bereitschaft der Seiten zu einem Arbeitsformat führt.

Der herbstliche diplomatische Zyklus, den die Ukraine im September–Oktober anstoßen möchte, wird somit davon abhängen, ob es den Seiten gelingt, die Divergenz in der Bewertung der Fortschritte zu überwinden und ein konkretes Format abzustimmen — sei es bilaterale Kontakte auf der UN-Plattform oder eine dreiparteiige Runde mit Beteiligung Russlands.