Präsident der Ukraine Wolodymyr Selenskyj erklärte in seiner Rede vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York, dass der Krieg gegen die Ukraine beendet werden müsse, bevor die künstliche Intelligenz eigenständig Entscheidungen auf dem Schlachtfeld trifft. Laut dem Staatschef bestehe bereits im nächsten Jahr eine „reale Wahrscheinlichkeit“, dass die Führung der Kampfhandlungen von Menschen auf Algorithmen übergehe, und genau deshalb müsse die internationale Gemeinschaft sofort handeln und nicht auf einen technologischen Wendepunkt warten.
Erklärung an der UNO-Bühne
In seiner Ansprache an die Weltführer betonte Selenskyj, dass die rasante Entwicklung militärischer Technologien und modernster Waffensysteme eine sofortige Berücksichtigung durch die internationale Gemeinschaft erfordere. „Bereits im nächsten Jahr besteht eine reale Wahrscheinlichkeit, dass die Entscheidungen auf dem Schlachtfeld von der künstlichen Intelligenz und nicht nur von Menschen getroffen werden. Wir brauchen Frieden, bevor wir diesen Punkt erreichen“, erklärte der Präsident, wie ukrainische Medien berichteten, die seine Rede übertrugen.
Aufruf zur Verlangsamung der Waffentwicklung
Neben der Warnung vor den Risiken autonomer Kampfsysteme wandte sich Selenskyj mit einem Appell an die Weltführer, die Entwicklung von Waffen und Technologien zur Tötung von Menschen zu verlangsamen. Nach seinen Worten müsse diesen Prozessen Einhalt geboten werden, bevor die KI noch weiterreichende Möglichkeiten zur Führung von Kampfhandlungen erhalte und vom Instrument zu einem eigenständigen „Beteiligten“ des Konflikts werde.
Energie-Friedensschluss und Hoffnungen auf Frieden
In diesem Zusammenhang erinnerte Selenskyj daran, dass die Ukraine zu einem sogenannten „Energie-Friedensschluss“ mit Russland bereit sei: Kiew sei bereit, Angriffe auf russische Energieanlagen zu stoppen, sofern Moskau ebenfalls die Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur einstelle. Der Präsident äußerte zudem die Hoffnung, dass der Krieg mit der Beteiligung des US-Präsidenten Donald Trump bis zum Winter beendet werden könne.
Widersprüchliche Angaben
In Veröffentlichungen verschiedener Medien sind Abweichungen hinsichtlich des konkreten Jahres zu beobachten, auf das Selenskyj den Übergang zu autonomen KI-Entscheidungen bezieht. Der Haupttext der Rede formuliert die Bedrohung als „bereits im nächsten Jahr“, was bei dem aktuellen Datum September 2026 auf das Jahr 2027 verweist. Einige Schlagzeilen (insbesondere in den Materialien von novosti.ua) verorten diese Bedrohung jedoch „bereits im Jahr 2025“. Somit koexistieren in den öffentlichen Quellen zwei Versionen: Entweder geht es um das nächstliegende Kalenderjahr relativ zum Zeitpunkt der Rede, oder das konkrete Jahr 2025 wurde in einer früheren Fassung der Erklärung genannt. Eine eindeutige Zuordnung auf ein Jahr lässt sich anhand der verfügbaren Materialien nicht bestätigen.
Bedeutung der Erklärung
Die Rede Selenskyjs vor der UN-Generalversammlung markiert einen neuen Kurs in der öffentlichen Debatte über die Beendigung des Krieges: Die Argumentation verschiebt sich von rein diplomatischen und humanitären Argumenten hin zu einem technologischen – darüber, dass eine weitere Eskalation unter Bedingungen autonomer KI für die Menschheit irreversibel werden könnte. Der Appell, die Entwicklung von KampfkI zu „verlangsamen“, bedeutet faktisch eine Forderung nach internationalen Verhandlungen zur Regulierung militärischer Algorithmen, die zuvor in dieser Offenheit nicht auf der UN-Bühne geäußert worden war.