Praktizität scheint endgültig nicht mehr das Hauptkriterium für eine modische Tasche zu sein. In den Kollektionen 2026 verwandeln Designer Accessoires in Porzellanobjekte, Tiere, Essen, Schuhe und fast museale Skulpturen. Die Redaktion von Wave RBC.UA hat die überraschendsten Modelle der Saison zusammengestellt, und in diesem Überblick analysieren wir, wie führende Modehäuser – von Dior und Schiaparelli bis Loewe, Balenciaga und Chanel – das gewohnte Accessible neu denken und es in ein Objekt der Gegenstandskunst verwandeln.
Porzellan, Dill und Botanik: Dior
Zu den auffälligsten Taschen der Saison zählen die Clutches der Herbst-Haute-Couture-Kollektion von Dior 2026, präsentiert von Jonathan Anderson. Laut Beschreibung der Publikation ähnelten einige Modelle eher Gegenständen aus einem Porzellanregal: Sie wurden aus Porzellan gefertigt und mit voluminösen Seerosen verziert. In anderen Versionen nutzte der Designer antiken indischen Dill. Die gesamte Kollektion war durchzogen von pflanzlichen Motiven – Farnen, Blumen und Gartenbildern, sodass selbst die Taschen Teil dieser botanischen Geschichte wurden.
Surrealismus von Schiaparelli: Pfoten und Schnauzen
Daniel Roseberry bestätigte erneut, dass Schiaparelli keine „einfach schönen“ Accessoires machen will. In der Herbst-Ready-to-Wear-Kollektion 2026 bekamen die auf den ersten Blick klassischen Damenkoffer Hähnchen-artige Pfoten, auf denen sie buchstäblich standen. Den surrealen Look ergänzten Schuhe mit Katzen- und Dobermann-Schnauzen. Für Schiaparelli ist solche Seltsamkeit durchaus logisch: Schon Elsa Schiaparelli baute die Ästhetik der Marke auf Surrealismus und visuellen Provokationen auf.
Gastronomie und Ironie bei Moschino
Während Schiaparelli Tiere wählte, ging Moschino in die Gastronomie. In der Kollektion Herbst 2026 griff Adrian Appiolaza auf seine argentinischen Wurzeln zurück, tat dies aber in der für die Marke typischen ironischen Manier: Auf dem Laufsteg erschien eine Ledertasche, aus der künstliche Churros herausragten. Das war bei Weitem nicht der einzige Accessoire-Witz – der Designer zeigte auch einen Kaktus-Clutch und eine Sparschwein-Tasche, sodass es bei Moschino in dieser Saison praktisch unmöglich ist, das überraschendste Modell auszuwählen.
JW Anderson und Loewe: Schuhe, Muscheln und geblasenes Glas
Jonathan Anderson hat seltsame Taschen längst zu einer Visitenkarte seiner eigenen Marke JW Anderson gemacht. In seiner aktuellen Linie gibt es die Loafer Bag, die die Form eines klassischen Herrenloafers buchstäblich nachahmt – das Modell existiert in verschiedenen Größen und aus Leder, Wildleder und geflochtenen Materialien. Zu den Neuheiten gehört auch der Shell Clutch – ein silberner Clutch, der einer großen Meermuschel ähnelt, und die markenüblichen Tier-Taschen (Taube, Igel und gelber Kanarienvogel) werden weiterhin verkauft. Nach dem Antritt von Jack McCollough und Lázaro Hernández bei Loewe wurde klar, dass die Liebe der Marke zu Handwerk und ungewöhnlichen Materialien nicht verschwunden ist: In der Debüt-Kollektion Frühjahr/Sommer 2026 erschienen Clutches aus handgeblasenem Glas, die das Haus als eigenen Akzent neben Schuhen präsentierte, die fast in Origami-Technik gefaltet waren.
Balenciaga und Chanel: Couture-Versionen ikonischer Formen
Pieterpaul Pietsch entschied sich, für Balenciaga keine neue Form zu erfinden, sondern eine der bekanntesten Taschen der Marke – die City Bag – auf Couture-Niveau zu bringen. In der Herbst-Haute-Couture-Kollektion 2026 erschien das Accessoire in einer Version, die mit glänzendem silbernem Metall überzogen war, sowie in einem Modell aus rosé-goldener Kristallnetzfassade. Der Effekt wird durch den Kontrast verstärkt: Die City Bag wurde gerade wegen ihrer weichen, leicht nachlässigen Form ikonisch, während der vertraute Silhouette nun fast zu einem Juwel umgestaltet wurde. In der Cruise-Kollektion Chanel Resort 2027 verlegte Matthieu Blazy die Ästhetik des Hauses an den Strand von Biarritz: Zusammen mit riesigen Strohkorben zeigte er eine besondere Version der ikonischen Chanel-Quilted-Tasche – ein Gittermodell aus blauem Harz. Laut Blazy selbst ist die Tasche wasserfest, sodass man buchstäblich mit ihr ins Wasser gehen kann; in der vom Meer inspirierten Kollektion gab es auch Muscheln, Korallen, Seesterne und Nixen-Bilder.
Meeresthema und Simon Miller
Das Thema Meeresbewohner wurde unter den erstaunlichen Accessoires zu einer eigenen Geschichte. Simon Miller experimentiert in den Kollektionen 2026 aktiv mit Taschen in Form von Tieren und Früchten: Eine der auffälligsten Neuheiten ist ein Clutch in Fischform, der von Hand aus Mangobaumholz geschnitzt wurde. Die Marke bietet auch geflochtene Fish Bags, Fisch-Modelle, die mit Muscheln verziert sind, und eine gelbe Bananen-Stangentasche. Den Fisch-Motiv der Saison demonstrieren eindrucksvoll auch die Perlen- und Pailletten-Fisch-Taschen mit Henkel, zusammengesetzt aus buntem Glas und Perlen – buchstäblich ein in einen Garderobenschrank verwandeltes Ferienerlebnis.