Am Wochenende vom 28. bis 30. August 2026 fand in Charkiw die zweite „Literaturmesse“ statt – ein großangelegtes Buchfestival, das Dutzende Verlage, bekannte Schriftsteller und Musiker sowie Tausende Besucher zusammenbrachte. Unter den Organisatoren war insbesondere der Wohltätigkeitsfonds von Serhij Sschanjan, der alle drei Tage persönlich auf dem Gelände war: Er sprach mit den Gästen, moderierte Veranstaltungen und beendete das Festival mit einem Auftritt der Band „Sschanjan und die Hunde“. In einer Zeit, in der die Stadt weiterhin enorme Schäden durch russische Beschuss erleidet, werden solche Veranstaltungen nicht nur zu kultureller Freizeit, sondern zu einem Akt des Widerstands und der Wiederherstellung des Alltagslebens.
Bücher, die Sschanjan für strategisch wichtig hält
Im Blitzinterview, das das Lifestyle-Projekt Wave (RBC-Ukraine) mit dem Schriftsteller führte, weigerte sich Sschanjan, einen einzigen Lieblingsautor zu nennen, und erklärte: „Das wäre nicht ganz korrekt, ich fürchte, jemanden zu vergessen.“ Allerdings hob er drei Richtungen hervor, die er für besonders bedeutsam hält. Erstens: der erste Band der gesammelten Werke von Wassyl Stus, herausgegeben vom Verlag „Smoloskyp“ – der Schriftsteller nannte dies eine „echte strategische Sache“, da es sich um den Beginn der vollständigen gesammelten Werke eines der wichtigsten Dissidenten der ukrainischen Literatur handelt. Zweitens: Sschanjan lobt traditionell die Bücher des Charkiwer Alexander Sawtschuk und betont die hohe Qualität und den Reiz jeder Veröffentlichung. Drittens: Er sprach mit Begeisterung über die Anthologie „Ukrainische Ritterdichtung“, herausgegeben von „A-BA-BA-GA-LA-MA-GA“ und liebevoll zusammengestellt von Iwan Malkowytsch.
Aufruf zur Unterstützung von „A-BA-BA-GA-LA-MA-GA“ nach dem Treffer auf die Lager
Separat betonte Sschanjan, dass kürzlich eine Granate auf die Lager des Verlags „A-BA-BA-GA-LA-MA-GA“ fiel und eine große Menge Bücher zerstört wurde. Der Schriftsteller rief die Leser öffentlich dazu auf, den Verlag zu unterstützen, indem sie seine Veröffentlichungen kaufen. Dieser Aufruf erfolgt vor dem Hintergrund eines größeren Kontexts: Die zweite Literaturmesse war nicht nur eine Verkaufsplattform, sondern auch eine faktische Spendenaktion zur Wiederherstellung der Buchinfrastruktur der Stadt.
Lieblingsort in Charkiw und musikalische Vorlieben
Auf die Frage nach seinem Lieblingsort in der Stadt antwortete Sschanjan mit seiner charakteristischen Ironie: „McDonald’s“. Dabei betonte er, dass er als Charkiwer großen Respekt vor der legendären „Buffet“ habe, aber er sei schon Fan von „McDonald’s“ gewesen, noch bevor in der Stadt eine „Buffet“ eröffnet wurde. Im musikalischen Teil des Blitzinterviews nannte der Schriftsteller „Kurgan & Agregat“ als seine Lieblingsband, die übrigens bei der Eröffnung der Messe auftrat – Sschanjan bedankte sich bei der Gruppe dafür, dass sie zugestimmt hatte zu kommen.
Der Traum von einem Festival für Zehntausende und der Charakter Charkiws
Im Gespräch über die Zukunft plante Sschanjan, das nächste Festival im Freien durchzuführen, mit mehr Technik und einem Publikum von Zehntausenden, mit dem Vorbehalt, dass dies „eine Frage der Sicherheit“ sei. Er bemerkte auch, dass die eingeladenen Autoren und Gäste „uns in der Regel niemand absagt“, und verband dies nicht mit den Ambitionen der Organisatoren, sondern mit dem Respekt vor den Charkiwer Bürgern, „die an diesem Ort leben, arbeiten, dienen, kämpfen, die Stadt und das Land verteidigen“. Zum Abschluss charakterisierte der Schriftsteller Charkiw als „eine starke Stadt, eine Stadt mit Charakter, eine Stadt mit Sinn für Ironie, eine Stadt mit strategischem Blick auf ihre Zukunft“ und fügte hinzu, dass der Krieg „zerbricht“ und „auf den Kopf stellt“, aber die Menschen bleiben stark.