In Charkiw ist ein resonanter Vorfall mit dem Soldaten Artem Schirschin aufgeflammt, der von der Polizei angehalten und – wie er selbst sagt – des illegalen Herstellungs oder Handels von Drogen beschuldigt wurde (Art. 307 des Strafgesetzbuchs der Ukraine). Schirschin selbst bezeichnet das Geschehen als geplante Provokation und behauptet, ihm seien Drogen, Waagen und Tüten mit Pulvern untergeschoben worden. Die Nationale Polizei der Ukraine bestätigte die Anhaltung des Fahrzeugs und erklärte, eine detaillierte Überprüfung durchzuführen. Dies berichten RBC-Ukraine, UNN und das Antikorruptionsmagazin Antikor unter Berufung auf die Erklärung des Soldaten selbst sowie Kommentare der Führung der Nationalen Polizei.
Version des Soldaten: „Mir wurden Gras und Waagen untergeschoben“
Laut Artem Schirschin, Ex-Kämpfer des Bataillons „Magura“, habe seine Anhaltung keine rechtliche Grundlage gehabt. Vor Ort seien, so seine Behauptung, sofort Personen erschienen, die äußerlich wie Mitarbeiter des SBU aussahen und anschließend Ausweise von Operativbeamten der Nationalen Polizei vorlegten. Schirschin erklärte, dass ihm im Rahmen der „ermittlungsbehördlichen Maßnahmen“ Art. 307 des Strafgesetzbuchs der Ukraine – illegaler Herstellungs- oder Handel mit Drogen – vorgeworfen wurde. „Während des Wartens tauchten noch ein paar Tüten Gras rund um das Auto auf … es wurden Ermittlungsmaßnahmen und eine „Beschlagnahme“ durchgeführt. Man fand noch Tüten mit Pulvern und Tabletten an Orten, von denen ich gar nichts wusste“, berichtete der Soldat. Außerdem teilte er mit, dass das Polizeiteam, das zu seiner Festnahme ausgerückt war, unterwegs in einen Verkehrsunfall verwickelt wurde, was seiner Meinung nach zusätzlich auf die Unlogik und Eile bei der Organisation der Operation hindeute.
Position der Nationalen Polizei: Anhaltung auf Grundlage von Daten der WSP
Die Nationale Polizei bestätigte, dass die Anhaltung des Fahrzeugs in Charkiw auf Grundlage der eingegangenen Daten der Militärbehörde für Rechtsordnung (WSP) durchgeführt wurde. Der amtierende Leiter der Nationalen Polizei der Ukraine, Maxim Zuzkirdse, erklärte, dass die Situation einer detaillierten Analyse unterzogen werde. „Die operativen Informationen der Militärbehörde für Rechtsordnung über einen der Soldaten werden unverzüglich überprüft. Darunter auch, wie diese Informationen in der WSP entstanden sind“, betonte Zuzkirdse. Seiner Aussage zufolge wurde der Führung der Polizei der Oblast Charkiw aufgetragen, alle Umstände des Vorfalls umfassend zu klären und die Behauptungen des Soldaten über das Unterdrücken von Drogen zu prüfen.
Widersprüchliche Angaben
Zwischen den Erklärungen der Parteien besteht ein grundlegendes Auseinandergehen bei der Bewertung der Umstände. Schirschin behauptet, die Anhaltung habe keine rechtliche Grundlage gehabt und die Drogen seien direkt vor Ort untergeschoben worden. Die Polizei ihrerseits besteht darauf, dass die Anhaltung auf Grundlage operativer Informationen aus der WSP durchgeführt wurde. Die zentrale Unstimmigkeit ist die Frage, woher und auf welche Weise die Daten in die Militärbehörde für Rechtsordnung gelangten, die den Anlass für die Anhaltung bildeten. Zuzkirdse wies ausdrücklich darauf hin, dass die Überprüfung auch diesen Aspekt umfasst. Somit bleiben beide Versionen – „geplante Provokation“ und „legale Anhaltung auf Grundlage operativer Daten“ – bis zum Abschluss der dienstlichen Überprüfung in Kraft und wurden von keiner der Seiten widerlegt.
Kontext: Skandale um das Bataillon und Korruption im Verteidigungsbereich
Der Vorfall mit Schirschin ereignet sich vor dem Hintergrund einer Reihe öffentlicher Konflikte um Soldaten der 13. Brigade der Nationalgarde der Ukraine „Charta“. Zuvor hatte ein Kämpfer des Bataillons öffentlich über Probleme mit dem Kommando berichtet und Vorwürfe bezüglich der Organisation des Dienstes geäußert. Die Führung der „Charta“ und das Kommando der Nationalgarde wiesen diese Vorwürfe zurück und bemerkten, dass interne Überprüfungen keine Verstöße bestätigten und das Bataillon weiterhin Kampfaufgaben erfülle. Besonderes Augenmerk liegt darauf, dass in der Ukraine weiterhin Fälle von Korruption unter den Beamten des Verteidigungsbereichs aufgedeckt werden. So wurde kürzlich der Leiter des Oblast-TsKK von Mykolajiw wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit von seinem Amt abberufen – laut Ermittlungen hatte er 15.000 Dollar für eine Aufschub der Mobilmachung gefordert. Das Antikorruptionsmagazin Antikor verweist unter Berufung auf die Worte Schirschins auch auf eine mögliche Beteiligung des Kommandeurs des 225. separaten Infanterieregiments am Vorfall, was dem Fall eine innere militärische Dimension verleiht.
Was weiter
Derzeit führt die Nationale Polizei der Ukraine eine umfassende Überprüfung der Umstände der Anhaltung und der „Beschlagnahme“ der Drogen durch. Die zentrale Frage bleibt die Feststellung der Quelle der operativen Informationen in der WSP und die Bewertung der Rechtmäßigkeit der Handlungen des Teams. Der Soldat Schirschin besteht seinerseits weiterhin darauf, dass der Vorfall eine geplante Provokation sei. Die endgültigen Schlussfolgerungen zum Fall werden nach Abschluss der dienstlichen Überprüfung gezogen, deren Frist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht mitgeteilt wurde.