Der Skandal um die Enzyklika „Magnifica Humanitas“ entbrannte unmittelbar nach ihrer Veröffentlichung. Das Dokument, das dem Schutz der menschlichen Würde im Angesicht der künstlichen Intelligenz gewidmet ist, löste nicht nur in religiösen Kreisen, sondern auch in der Technologiebranche eine heftige Reaktion aus. Die Hauptfrage, die sich Experten stellten: Wurde der Text, der zum Schutz vor Maschinen aufruft, nicht selbst von einer KI mitverfasst?

Zertifizierung mit Hilfe von KI

Der Vatikan kommentierte die Vorwürfe offiziell nicht, unternahm jedoch konkrete Schritte zu ihrer Widerlegung. Laut The Guardian wurde die Enzyklika offiziell als von einem Menschen verfasster Text zertifiziert. Doch in diesem Prozess liegt das erste Paradoxon: Die Zertifizierung selbst wurde mit Hilfe von KI-Tools durchgeführt.

Im Zentrum der Polemik stand die Firma Pangram Labs, die sich auf die Erkennung von KI-Inhalten spezialisiert hat. Experten des Unternehmens untersuchten die offiziellen Veröffentlichungen des Accounts von Papst Leo XIV. in dem sozialen Netzwerk X und kamen zu dem Schluss, dass ein Teil davon höchstwahrscheinlich von Algorithmen generiert wurde.

Textanalyse: Mensch oder Maschine?

Bei einer detaillierten Analyse des vollständigen Textes der Enzyklika ergab sich ein mehrdeutiges Bild. Nach Einschätzung von Pangram Labs wurde das Hauptdokument von einem Menschen verfasst, doch einzelne Absätze weckten Verdacht. Der KI-Forscher Lynch Zhang, der eine eigene Analyse durchführte, unterstützte diese Version, fügte jedoch eine wichtige Einschränkung hinzu: Es gehe wahrscheinlich um die Unterstützung von KI für vatikanische Mitarbeiter bei der Arbeit an Fragmenten und nicht um die direkte Beteiligung des Papstes selbst.

Die Version, dass jemand aus dem vatikanischen Personal heimlich maschinengenerierten Text eingefügt habe, klingt wie ein Szenario für einen Spielfilm. Die Kirche scheint jedoch auch diese Hypothese verworfen zu haben und wandte sich an die Firma Proudly Human, die sich auf die Verifizierung von Texten spezialisiert hat, die ohne KI erstellt wurden.

Das Paradoxon der Verifizierung

Das von Proudly Human durchgeführte Zertifizierungsverfahren wirkt fundiert. Die Kirche stellte eine Auswahl an Reden und Texten des Papstes als Kontrollgruppe bereit, anhand derer die Enzyklika auf stilistische Übereinstimmung geprüft wurde. Der Prozess umfasste auch die Verifizierung der Identität und die Unterzeichnung einer Erklärung, dass KI weder für den ersten Entwurf noch für das Verfassen einzelner Sätze verwendet wurde.

Das Hauptparadoxon der Situation besteht darin, dass Proudly Human für die Analyse grammatischer Nuancen und stilistischer Muster eigene KI-Tools verwendet und das endgültige Urteil auf Basis eines ausgleichenden Algorithmus gefällt wird. Mit anderen Worten: Die Frage „Wurde der Text von einer KI verfasst?“ wird mit Hilfe der KI selbst beantwortet. Das Urteil über „Magnifica Humanitas“ war eindeutig: Der Text wurde von einem Menschen verfasst.

Die Frage des Vertrauens

Letztlich läuft der gesamte Streit auf die Frage des Vertrauens hinaus. Auf der einen Seite stehen die Befürworter von KI-Detektoren, auf der anderen der Vatikan mit der offiziellen Zertifizierung. Dabei verfügt der Oberhaupt der katholischen Kirche über ein Argument, das keiner der Konfliktparteien zur Verfügung steht: Die Bedrohung durch den ewigen Fluch im Falle einer Lüge ist ein ziemlich gewichtiger Anreiz, die Wahrheit zu sagen.