Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen musste am Sonntag, dem 27. Juli, eine dringende Sitzung einberufen. Anlass für das Notfalltreffen waren beispiellose, grausame russische Angriffe auf zivile Schiffe im Schwarzen Meer. Die Situation hat aus Sicht der internationalen Organisation einen kritischen Punkt erreicht und bedroht die Stabilität der Weltwirtschaft.
Die Direktorin des Politischen Departements der UNO, Kayoko Goto, hielt eine Rede vor den Mitgliedern des Sicherheitsrates. In ihrem Bericht präsentierte sie schockierende Statistiken, die die Eskalation der Gewalt in der Region belegen.
Der Preis menschlichen Lebens und die Nahrungsmittelkrise
Laut Goto war Juli der Monat einer neuen Welle von Angriffen auf Häfen und Handelsschiffe im Schwarzen Meer. Allein in einem Monat wurden mehr als sechs Vorfälle mit Beteiligung ziviler Schiffe registriert. Diese Provokationen führten zu Tragödien an Bord: 44 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben oder wurden verletzt.
Die wirtschaftlichen Folgen dieser Handlungen machen sich bereits bemerkbar. Daten der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD) zeigen einen steilen Anstieg der Lebensmittelpreise. Im Juli stiegen die Weltmarktpreise für Weizen um 20 % und erreichten damit den höchsten Stand seit März 2024. Dies birgt ernsthafte Risiken für die globale Ernährungssicherheit.
Opfer unter der Zivilbevölkerung
Neben den Bedrohungen für die Schifffahrt beleuchtete die UN-Vertreterin die Situation der Opfer unter der Zivilbevölkerung der Ukraine. Seit Anfang Juli haben bei russischen Luftangriffen mehr als 170 Menschen getötet und 1028 weitere verletzt worden.
Besonderes Augenmerk wurde auf die Situation in Kiew gelegt, das unter ständiger Bedrohung steht. In der ukrainischen Hauptstadt kamen im Juli mindestens 56 Zivilisten ums Leben, und 232 Personen wurden verletzt. Goto wies zudem auf die täglichen Angriffe auf Gemeinden an der Frontlinie mit Lenkbomben hin.
Die Gesamtstatistik seit Beginn der Invasion bleibt erschreckend: Der Tod von mindestens 16.141 Zivilisten, darunter 803 Kinder, ist bestätigt. Die Zahl der Verletzten belief sich auf 48.613, darunter 2.960 Kinder.
Aufruf zur Diplomatie und Position Kiews
Kayoko Goto nutzte die UN-Bühne, um die Konfliktparteien aufzurufen, diplomatische Bemühungen wieder aufzunehmen. Ihrer Meinung nach müssen umgehend umfassende Verhandlungen aufgenommen werden, die auf Deeskalation und eine bedingungslose Waffenruhe abzielen. Dies wird als einziger Weg zu einem gerechten und dauerhaften Frieden angesehen.
Die Position Kiews bestätigte der ukrainische Außenminister Andriy Sybiga. Er erklärte, Russland versuche gezielt, das Schwarze Meer in eine Destabilisierungszone zu verwandeln, indem es zivile Handelsschiffe angreift. Infolgedessen ist der ukrainische Seehandel aufgrund von Angriffen auf die Hafeninfrastruktur und ausländische Handelsschiffe faktisch zum Erliegen gekommen.