In der Welt der professionellen Fotografie war vier Jahre vor kurzem noch eine Ewigkeit. Doch heute, da sich das technologische Tempo verlangsamt hat und der Markt für Digitalkameras sich auf eine Nische spezialisierter Werkzeuge verengt hat, ist ein solcher Zeitabstand zur Norm geworden. Die Ende 2021 vorgestellte Sony a7 IV wurde für viele Fotografen zum Maßstab und deckte 90 % ihrer Aufgaben ab. Und nun, nach einer beträchtlichen Zeit, hat das Unternehmen ihre Nachfolgerin vorgestellt – die Sony a7 V.

Auf den ersten Blick sieht das neue Modell dem Vorgänger fast identisch, und die wichtigsten Spezifikationen, wie die Auflösung des Sensors, blieben unverändert. Doch wie die Konkurrenten (Canon R6 III, Nikon Z6 III, Panasonic S5 IIx) entschied sich Sony, das Rad nicht neu zu erfinden, sondern gezielt Mängel zu beheben und fehlende Funktionen hinzuzufügen. Genau in diesen Details liegt die wahre Revolution.

Das Herz der neuen Kamera: Der mehrschichtige Sensor

Das wichtigste technische Merkmal der Sony a7 V ist die Einführung des teilweise mehrschichtigen Exmor RS CMOS-Sensors. Dies ist die erste Kamera der a7-Serie, die über eine solche Konstruktion verfügt. Der praktische Nutzen dieser Neuerung ist kaum zu überschätzen.

Die Ausleserate des Sensors hat sich im Vergleich zur a7 IV um das 4,5-fache erhöht. Während dieser Wert beim Vorgänger bei etwa 27 ms lag, sank er beim neuen Modell auf 15 ms. Dies ist keine reine Marketingzahl – genau die Ausleserate bestimmt das Fehlen des „Rolling-Shutter'-Effekts bei der Videoaufnahme, die Geschwindigkeit des Autofokus und die Flüssigkeit der Serienaufnahme. Beim Schwenken werden vertikale Linien nun nicht mehr mehr „umkippen'.

Zudem wurde der Dynamikumfang auf 16 Blendenstufen erhöht, was eine Stufe mehr ist als bei der a7 IV. Dies verspricht detailliertere Aufnahmen unter schwierigen Lichtverhältnissen.

Künstliche Intelligenz und Leistung

Die Kamera wurde mit dem neuen BIONZ XR2-Prozessor ausgestattet. Sein Hauptunterschied zur vorherigen Version ist der integrierte Modul für Machine-Learning-Operationen. Früher wurde für KI-Funktionen ein separater Chip verwendet, jetzt ist alles integriert, was einen Geschwindigkeitsgewinn brachte und neue Möglichkeiten eröffnete.

Besonders auffällig ist dies bei der Stabilisierung. Die 5-Achsen-Stabilisierung auf Basis des Sensorverschiebungsprinzips wurde effektiver: Sie bietet nun eine Kompensation von bis zu 7,5 Blendenstufen in der Bildmitte und 6,5 an den Rändern (bei der a7 IV waren es 5,5 Stufen).

Die Serienaufnahme hat einen enormen Geschwindigkeitsgewinn erfahren. Wenn die a7 IV maximal 10 Bilder pro Sekunde aufnehmen konnte, liefert die a7 V 30 Bilder pro Sekunde mit elektronischem Verschluss. Dabei verdunkelt sich der Sucher nicht – der Fotograf sieht das Objekt in Echtzeit, was für Reportagen und Sport entscheidend ist. Außerdem wurde ein Pre-Capture-Modus hinzugefügt, der es ermöglicht, das Bild eine Sekunde vor dem Auslösen zu puffern. Dies rettet Aufnahmen in Situationen, in denen die Reaktion des Fotografen etwas langsamer sein kann als das Ereignis.

Es gibt auch einen Kompromiss: Der Puffer der Kamera wurde auf 96 RAW oder 185 JPEG reduziert (bei der a7 IV waren es über 1000 Bilder). Dies ist jedoch eine bewusste Entscheidung zugunsten der maximalen Arbeitsgeschwindigkeit.

Video: Vollformat und keine Überhitzung

Für Videografen war das Update noch bedeutender. Die Sony a7 IV konnte 4K 60p nur mit einem 1,5x-Crop aufnehmen, wodurch sie zu einer Crop-Kamera wurde. Die Sony a7 V zeichnet 4K 60p über die gesamte Bildbreite auf (Untersampling von 7K), was das Sichtfeld von Vollformatobjektiven erhält und eine hervorragende Detailauflösung gewährleistet.

Hinzugefügt wurde die Möglichkeit, 4K-Videos mit einer Frequenz von 120 Bildern pro Sekunde aufzunehmen (mit APS-C-Crop), was ideal für Zeitlupenaufnahmen ist. Das Kühlsystem wurde überarbeitet, sodass die Kamera 4 Stunden lang ohne Überhitzung arbeiten kann.

Für Videos steht auch der Modus Dynamic Active zur Verfügung – eine elektronische Stabilisierung mit einem Crop von ca. 1,65x, die fast wie ein manueller Gimbal-Stabilisator funktioniert und das Zittern beim Gehen ausgleicht.

Was blieb außen vor?

Trotz des Fortschritts könnten Profis einige Einschränkungen bemerken. RAW-Video wird aufgrund der Bandbreitenbeschränkungen von SD UHS-II- und CFexpress Type-A-Karten nicht auf die Speicherkarte aufgezeichnet. Auch der Open-Gate-Modus (Aufzeichnung über die gesamte Sensorfläche) fehlt. Für die meisten Nutzer ist die Funktionalität der neuen Kamera jedoch mehr als ausreichend.

Schließlich wurde die Datenübertragung auf das Smartphone durch den Wechsel auf den Wi-Fi 6-Standard (802.11ax) und Bluetooth 5.3 schneller und stabiler.