Am 16. September 2026 stellte die spanische Rüstungsfirma Indra auf der Messe UNVEX in San Javier (Provinz Murcia) erstmals öffentlich die Lenkflugkörper Squall vor – die erste vollständig spanische Entwicklung dieser Klasse. Laut Berichten von RBC-Ukraine unter Berufung auf Army Recognition ist die Waffe für Schläge über eine Reichweite von mehr als 300 km auf Kommandoposten, Luftabwehrsysteme und die militärische Infrastruktur des Gegners ausgelegt. Die Entwicklung wird von der Indra-Sparte Weapons & Ammunition vorangetrieben, die Serienproduktion soll direkt in Spanien mit Beteiligung weiterer Industriepartner aufgebaut werden.

Erste vollständig spanische Entwicklung

Der entscheidende Unterschied zwischen Squall und den bereits in Spanien eingesetzten Raketen Taurus KEPD 350 liegt im technologischen Ursprung. Taurus ist eine deutsch-schwedische Entwicklung, wobei die spanische Industrie zwar an der Herstellung einzelner Komponenten und der Integration beteiligt war. Squall wird hingegen als vollständig nationales Produkt für Land- und Seebasis positioniert, was für Madrid eine Verringerung der Abhängigkeit von ausländischen Lieferanten in einem der empfindlichsten Segmente der Schlagwaffen bedeutet.

Reichweite und Störfestigkeit

Die angegebene Reichweite von Squall übersteigt 300 km. Die Rakete ist für Tiefflug und eine störfeste Navigation ausgelegt, die gegen die Unterdrückung und die Verfälschung von GNSS-Signalen resistent ist. Indra spricht von mehreren Führungs- und Navigationsverfahren zur Gegenwehr gegen Störsender und elektronische Kampfführung, gibt jedoch weder die konkreten Sensoren noch die Architektur des Navigationskomplexes preis. Ein erheblicher Teil der Kampfeigenschaften bleibt damit außerhalb des öffentlichen Zugangs.

Sättigungsstrategie: Preis wichtiger als Reichweite

Nach dem Konzept von Indra liegt der Hauptvorteil von Squall nicht in der Reichweite selbst, sondern in der geringen Stückkosten, die den Kauf der Raketen in großer Zahl für gleichzeitige massive Schläge ermöglichen soll. Ein weiterer Trumpf ist die flexible Startmöglichkeit: von Rampen, Containern, taktischen Fahrzeugen und Schiffen. Dies erlaubt es Bodeneinheiten, sich zu verteilen, Zielkoordinaten zu erhalten, den Start durchzuführen und die Position zu wechseln, ohne Luftstreitkräfte einzusetzen – im Gegensatz zu Taurus, dessen Einsatz ein Trägerflugzeug EF-18 erfordert.

Widersprüchliche Daten

Trotz der prominenten Positionierung hat Indra eine Reihe grundlegender Merkmale nicht veröffentlicht: Geschwindigkeit, Abmessungen, Startmasse, Triebwerkstyp, Kampfkopfmasse und Kreuzhöhe. Auch die Zielstückkosten wurden nicht genannt, obwohl genau diese Zahl zusammen mit den Produktionsraten bestimmen wird, ob Squall tatsächlich eine massive Sättigungswaffe wird oder ein mengenmäßig begrenztes Mittel bleibt. Parallel bleibt auch die politische Frage offen: Ende August wurde in Deutschland dazu aufgerufen, Russland mit der Übergabe von Lenkflugkörpern Taurus an Kiew zu drohen, als Antwort auf hybride Angriffe auf deutsche Infrastruktur, was das Thema der Langstreckenwaffen in Europa besonders sensibel macht.

Europäischer Kontext

Das Thema der günstigen Lenkflugkörper für massive Schläge entwickelt sich auch in anderen europäischen Ländern aktiv. So hat ein rumänisches Unternehmen im August 2026 erfolgreich den Lenkflugkörper Sahara unter Steuerung durch künstliche Intelligenz erprobt, der ebenfalls als günstige Alternative zu klassischen Langstreckenschlagmitteln konzipiert wurde. In dieser Reihe erscheint der spanische Squall als logische Fortsetzung des europäischen Trends zur Kostensenkung und Sättigung des Schlagpotenzials ohne Abhängigkeit von einzelnen teuren Systemen.