Die Russisch-Orthodoxe Kirche (ROK) in Europa erfüllt Funktionen der Spionage und fördert propagandistische Narrative, die dem Kreml nützen. Dies erklärte Generalmajor Ilja Pawlenko, ehemaliger Stellvertretender Leiter des Hauptnachrichtendienstes des ukrainischen Verteidigungsministeriums, auf dem Forum „Die ROK in Europa: Infrastruktur des russischen Einflusses“.
Die Kirche als Instrument der Geheimdienste
Laut Pawlenko handelt die ROK im Interesse des Aggressorstaates und wird aktiv von allen russischen Geheimdiensten genutzt – vom Auslandsnachrichtendienst (SWR) über die Militärische Aufklärung (GRU) bis hin zum FSB. „Jeder Priester der ROK, der ins Ausland reist, ist entweder angeworben oder verfügt über Verbindungen zu russischen Geheimdiensten“, betonte der General.
Zu den Hauptaufgaben kirchlicher Strukturen in europäischen Ländern gehören die Sammlung von Aufklärungsinformationen und die Verbreitung von Propaganda, insbesondere unter ukrainischen Flüchtlingen. Dabei sind sich viele Menschen gar nicht bewusst, dass sie unter dem Einfluss dieser Strukturen stehen, die faktisch mit russischen Geheimdiensten verknüpft sind.
Erbe der UdSSR und das Ausmaß der Bedrohung
Pawlenko erinnerte daran, dass Russland der direkte Nachfolger der UdSSR ist und seine Einflussnetzwerke über Jahrzehnte hinweg aufgebaut wurden. Die größte Gefahr liegt gerade in dem Ausmaß dieses Einflusses, der oft von der breiten Öffentlichkeit unbemerkt bleibt.
Ukraines Antwort: Aufbau einer eigenen Infrastruktur
Leiter des Militärischen Seelsorgeamtes des HUR, Pater Konstantin Cholodow, betonte die Notwendigkeit, ein dauerhaftes institutionelles Präsenz der Ukraine dort zu schaffen, wo Millionen ihrer Bürger leben. „Wir müssen unsere eigene kirchliche, kulturelle, bildungsbezogene, informative und sicherheitsrelevante Infrastruktur im Ausland stärken, damit Millionen von Ukrainern weiterhin eine Verbindung zur Ukraine pflegen und nicht dem zerstörerischen Einfluss aus Moskau unterliegen“, fasste er zusammen.
Sanktionen gegen Patriarch Kirill: Warum sie nicht durchgesetzt wurden
Im Juni tauchten in den Medien Informationen auf, wonach die Europäische Union eilig den 21. Sanktionspaket gegen Russland verabschieden wolle, das möglicherweise auch Sanktionen gegen den Patriarchen der ROK, Kirill, umfassen könnte. Zuvor wurde dieser Schritt von Ungarn während der Regierungszeit von Viktor Orbán blockiert. Mit dem Amtsantritt des neuen Ministerpräsidenten Péter Márton war jedoch eine Änderung der Haltung erwartet worden.
Dennoch wurde vor einigen Tagen bekannt, dass Patriarch Kirill erneut nicht in die Sanktionslisten der EU aufgenommen wurde. Diesmal spielte die Position Bulgariens eine entscheidende Rolle, die sich gegen die Aufnahme des Patriarchen in die Sanktionsliste aussprach.