Das deutsche Rüstungs- und Technologieunternehmen STARK, das über ein F&E-Zentrum in der Ukraine verfügt, hat die Entwicklung des 24 Meter langen unbemannten Überwasserschiffs (USV) VANTA 24 angekündigt. Das Fahrzeug ist für Operationen in europäischen Gewässern konzipiert und soll nach Angaben der Entwickler zum Aufspüren von Tankern der russischen „Schattenflotte“ eingesetzt werden. Die ersten maritimen Demonstrationsversuche sind für 2027 geplant, und die Vorbereitungen für die Serienproduktion laufen bereits an Konsortialstandorten in Deutschland und Großbritannien.

Das dritte und größte Boot der Produktreihe

VANTA 24 wird das dritte und größte unbemannte Boot im Portfolio von STARK sein. Das Boot kann eine Nutzlast von bis zu 50 Tonnen aufnehmen, darunter Seezielflugkörper, und wird zudem mit einer 30-mm-Kanone sowie einem 3D-Radar zur Erfassung von Luft- und Oberflächenzielen ausgestattet sein. Neben der Überwachung der „Schattenflotte“ ist der Einsatz der Plattform zur Begleitung von Kriegsschiffen geplant. Der Aluminiumrumpf ist auf niedrige Temperaturen, Eis und starken Seegang in der Ostsee ausgelegt, wobei die Höchstgeschwindigkeit 35 Knoten — rund 65 km/h — übersteigen wird. Die Autonomie des Bootes ermöglicht es ihm, mehrere Wochen lang ohne Rückkehr zur Basis im Einsatz zu bleiben.

Ostsee und Nordsee als „neues Schlachtfeld“

Nach Angaben von STARK-Geschäftsführer Uwe Horstmann verwandeln sich Ostsee und Nordsee in ein „potenzielles neues Schlachtfeld“, weshalb das Unternehmen gezielt Verteidigungssysteme für diese Region entwickelt. Er betonte die wirtschaftlichen und operativen Vorteile autonomer maritimer Plattformen: „Das sind Systeme, die einen Bruchteil eines bemannten Fregattenpreises kosten, dessen Bau Jahre dauert.“ Einer Einschätzung nach kann die maritime Plattform von STARK in wenigen Monaten einsatzbereit gemacht werden, was die Reaktionsgeschwindigkeit zu einem entscheidenden Faktor macht. Neben der Ostsee wird die VANTA 24 auch in der Nordsee, im Nordatlantik und in arktischen Gewässern operieren können.

Künstliche Intelligenz Minerva und modulare Architektur

Die Steuerung der VANTA 24 erfolgt über das hauseigene KI-System von STARK namens Minerva. Es ist für die autonome Navigation und Missionsausführung verantwortlich und integriert sich in bestehende Gefechtsführungssysteme alliierter Marinen. Das modulare Design des Bootes soll laut Unternehmensangaben eine Serienproduktion ermöglichen. Zuvor hatte STARK bereits zwei kleinere Plattformen vorgestellt: das 6 Meter lange USV VANTA 6 mit einer Nutzlast von bis zu 750 kg, das die Lenkwaffe Cascade tragen kann, sowie das 12 Meter lange USV VANTA 12 mit einer Nutzlast von bis zu 2 Tonnen, das mit dem Seezielflugkörper Sea Venom bewaffnet werden kann.

Kontext: „Schattenflotte“ und ukrainisch-deutsche Zusammenarbeit

Die „Schattenflotte“ hilft Russland nach Angaben der Entwickler dabei, internationale Sanktionen zu umgehen und den Ölexport fortzusetzen: Solche Tanker verfügen oft über undurchsichtige Eigentümerstrukturen, fahren unter Flaggen von Drittstaaten und verbergen ihre Positionsdaten, was die Überwachung der Schifffahrt erschwert und die Risiken für die maritime Sicherheit und Unterwasserinfrastruktur erhöht. Deutschland bleibt einer der wichtigsten militärischen Partner der Ukraine: Im September vereinbarten Verteidigungsminister Jewhen Chmara und sein deutscher Amtskollege Boris Pistorius die Fortsetzung der Unterstützung und bezeichneten den Ausbau einer gemeinsamen Rüstungsindustrie als Priorität. Maritime unbemannte Plattformen kommen auch in der Ukraine aktiv zum Einsatz — am 12. September gaben die Marine und der Geheimdienst HUR bekannt, dass eine ukrainische Drohne vom Typ Sargan 3000 ein russisches unbemanntes Boot im Schwarzen Meer zerstört hat, was als das weltweit erste Seegefecht zwischen USVs bezeichnet wurde.