Auf dem Gelände des Sicherheitsforums Kiew, das zum 35. Jahrestag der Unabhängigkeit der Ukraine stattfand, kommentierte der Sprecher der Werchowna Rada, Ruslan Stefantschuk, die Diskussion über die Abhaltung von Wahlen unter Kriegsbedingungen. Die Erklärung erfolgte als Antwort auf die Frage eines Journalisten vor dem Hintergrund eines kürzlich veröffentlichten Videovortrags des ehemaligen Verteidigungsministers Michail Fedorow, der dazu aufgerufen hatte, einen Wahlmechanismus für alle Ukrainer auch unter Kampfbedingungen zu finden.

Arbeitsgruppe und spezieller Gesetzentwurf

Laut Stefantschuk existiert im ukrainischen Parlament bereits seit etwa einem Jahr eine Arbeitsgruppe, die an einem besonderen Spezialgesetz arbeitet, das die Ordnung der Wahlabhaltung unter Ausnahmesituationen regelt. Die legislative Vorbereitung auf eine mögliche Abstimmung wird somit systematisch vorangetrieben. Der Sprecher betonte jedoch, dass die bloße Existenz eines Gesetzentwurfs nicht bedeutet, dass die Wahlen bereits jetzt durchgeführt werden können.

Position des Sprechers: Unmöglichkeit und Unangemessenheit

Auf die Frage nach konkreten Fristen und der Möglichkeit einer Abstimmung stellte Stefantschuk fest, dass die Situation „allen verständlich ist, besonders in den letzten Nächten'. Er erklärte direkt, dass die Abhaltung von Wahlen in der Ukraine unter dem Rechtsstatus des Kriegsrechts „vollständig unmöglich, unangemessen und unverantwortlich' sei. Gleichzeitig versicherte der Sprecher, dass „Wahlen in der Ukraine unweigerlich stattfinden werden, sobald die entsprechenden Bedingungen vorliegen'.

Aufruf von Fedorow und Reaktion der Politiker

Der Initiator der neuen Welle der Diskussion war Michail Fedorow, der dazu aufgerufen hatte, Wahlen in der Ukraine abzuhalten und einen Mechanismus zu finden, der es allen Ukrainern ermöglicht, abzustimmen, einschließlich jener, die sich in der Kampfzone oder im Ausland befinden. Der Vorschlag löste eine scharfe politische Debatte aus: Im Büro des Präsidenten wurden derartige Pläne vor dem Hintergrund der anhaltenden Angriffe Russlands als unrealistisch bezeichnet.

Widersprüchliche Daten

Im öffentlichen Raum haben sich zwei deutlich unterschiedliche Positionen gebildet. Einerseits treten Michail Fedorow und Präsident Wolodymyr Selenskyj dafür ein, die Grundlagen für die Abhaltung von Wahlen während des Krieges zu legen: Selenskyj erklärte seine Bereitschaft, eine Abstimmung unter Kriegsrecht zu unterstützen, vorausgesetzt, die notwendige Sicherheit gewährleistet wird und entsprechende Gesetzesänderungen verabschiedet werden. Andererseits weisen der Sprecher der Werchowna Rada Stefantschuk und Vertreter des Präsidentenbüros auf die vollständige Unmöglichkeit und Unangemessenheit einer sofortigen Wahlabhaltung hin, wobei sie Sicherheitsbedrohungen und das Kriegsrecht anführen. Die Parteien sind sich also nicht über den Fakt der Gesetzesvorbereitung uneinig, sondern über die Einschätzung der aktuellen Bereitschaft und Zweckmäßigkeit einer tatsächlichen Abstimmung.

Fazit: Das Gesetz wird vorbereitet, die Abstimmung verschoben

Zusammenfassend lässt sich aus den Erklärungen schließen, dass die parlamentarische Arbeitsgruppe weiterhin an einem Spezialgesetz über Wahlen unter Kriegsbedingungen arbeitet. Allerdings bestätigt keine der Schlüsselfiguren – weder der Sprecher der Rada noch das Büro des Präsidenten – die Möglichkeit einer Abstimmung in nächster Zukunft. Die Gewährleistung der Sicherheit bleibt für alle Seiten die entscheidende Voraussetzung; ohne sie können die Wahlen laut Stefantschuk nicht stattfinden.