In einem Interview mit der italienischen Zeitung La Stampa analysierte Kirill Budanow, Leiter des Büros des Präsidenten der Ukraine, ausführlich, warum die Durchführung von Wahlen unter Bedingungen eines großflächigen Krieges eine der schwierigsten Aufgaben für den Staat bleibt. Seinen Worten zufolge geht es weniger um die technische Organisation der Abstimmung als um die Sicherheit der Wähler und das Vertrauen in die Transparenz des Verfahrens. Seine Kommentare kamen vor dem Hintergrund eines öffentlichen Aufrufs des ehemaligen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow, einen Mechanismus für die Durchführung von Wahlen unter Kriegsbedingungen zu finden.
Herausforderungen der Abstimmung an der Front und in Alarmzonen
Budanow nannte konkrete Szenarien, die die Abstimmung problematisch machen. „Wie kann ein Soldat an der Front unter Drohnenbedrohung abstimmen? Wie können Hunderttausende Menschen auf den besetzten Gebieten abstimmen? Wie funktioniert ein Wahllokal in Charkiw, wo dreimal täglich die Luftalarm-Sirene ertönt?“, so seine Aufzählung. Der Leiter des Büros stellte zudem die Frage nach der Legitimität: Wer garantiert, dass das Wahlergebnis von allen Seiten anerkannt wird.
Technologie versus Vertrauen
Auf die Idee des digitalen Wahlrechts angesprochen, räumte Budanow ein, dass man technisch „die modernsten Wahlen der Welt“ über ein Smartphone organisieren könnte – „in einer Stunde, mit einer eleganten Oberfläche“. Er betonte jedoch, dass die Abstimmung nicht auf eine technologische Formel reduziert werden könne: Im Kern stehe die „Frage des Vertrauens in die Transparenz des Verfahrens“. Nach seiner Einschätzung beseitige selbst ein perfektes digitales Werkzeug die politischen und rechtlichen Risiken nicht.
Position von Mychajlo Fedorow
Budanows Kommentare kamen vor dem Hintergrund einer jüngsten Erklärung des ehemaligen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow, der zur Durchführung von Wahlen in der Ukraine und zur Suche nach einem Mechanismus für deren Abhaltung unter Kriegsbedingungen aufrief. Nach Fedorows Ansicht müsse die Möglichkeit zur Abstimmung für alle Ukrainer gewährleistet werden. Budanow merkte seinerseits an, dass Fedorow, wie aus seinen jüngsten Aussagen hervorgehe, „die Politik gewählt“ habe, und dass dies sein Recht sei, ebenso wie das „Recht zu sagen, dass man zur Abstimmung gehen müsse“, wobei er „Fragen dazu habe“.
Widersprüchliche Daten
In der öffentlichen Debatte koexistieren zwei nicht übereinstimmende Bewertungen. Einerseits besteht Mychajlo Fedorow auf der Notwendigkeit, Wahlen durchzuführen und einen Mechanismus für die Abstimmung unter Kriegsbedingungen zu entwickeln, und betont das Recht jedes Ukrainers auf eine Stimme. Andererseits bezeichnen der Leiter des Büros des Präsidenten und die Struktur des Büros selbst solche Pläne angesichts der russischen Angriffe als unrealistisch und verweisen auf das Fehlen sicherer Bedingungen und Garantien für die Anerkennung der Ergebnisse. Dieser Unterschied in den Positionen – von „wir müssen einen Mechanismus finden“ bis „die Bedingungen fehlen derzeit“ – bildet den Hauptwiderspruch in der Debatte.
Kontext: Position des Präsidenten
Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte laut vorliegenden Angaben seine Bereitschaft, die Durchführung von Wahlen während des Ausnahmezustands zu unterstützen, sofern zwei Bedingungen erfüllt sind: die Gewährleistung der erforderlichen Sicherheit und die Annahme entsprechender gesetzlicher Änderungen. Dabei betonte der Staatschef, dass die Durchführung von Wahlen unter Bedingungen eines großflächigen Krieges ernsthafte Risiken für die Ukraine mit sich bringen könne und dass derzeit keine sicheren Bedingungen für die Abstimmung vorlägen.