Die Hauptabteilung für Aufklärung (HUR) des ukrainischen Verteidigungsministeriums erklärte, es lägen Beweise für die Stilllegung eines der größten russischen Ölraffinerien in der Region Nischni Nowgorod nach einem erfolgreichen Angriff vor. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf den Telegram-Kanal Exile Nova sowie auf eine Erklärung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Laut Angaben der Militärgeheimdienste wurde bei dem Angriff eine für den Ölverarbeitungsprozess entscheidende technische Anlage außer Gefecht gesetzt, was nach Angaben Kiews zur Einstellung des Betriebs der Raffinerie führte.
Ziel des Angriffs: eine der vier größten Raffinerien Russlands
Es handelt sich um die Ölraffinerie Kstowo (»LUKOIL-Nischni Nowgorod-Neftorgsintez«), die nach Schätzungen zu den vier größten Ölverarbeitungsunternehmen der Russischen Föderation zählt. Nach Verarbeitungs volumen belegt der Betrieb in etwa den vierten Platz im Land, was ihn zu einem bedeutenden Objekt der Energie- und Kraftstoffwirtschaft macht und – wie ukrainische Quellen behaupten – zu einem der Betriebe, die die russischen Streitkräfte mit Kraftstoff versorgten.
Was außer Gefecht gesetzt wurde und wie die Wiederherstellungsarbeiten verlaufen
Laut Angaben der Militärgeheimdienste wurde im Betrieb die technische Anlage AVT-6 stillgelegt, die nach Darstellung Kiews eine Schlüsselrolle im technologischen Verarbeitungszyklus spielt. Auf den veröffentlichten Aufnahmen ist ein Großbrand mit dichtem schwarzem Rauch zu sehen, der aus den Produktionsgebäuden und dem Schornstein aufsteigt, sowie Wasserstrahlen, die auf den Brandherd gerichtet sind. Derzeit sind laut denselben Angaben mehrere Baukräne um die ausgebrannte Anlage herum zu sehen, mit deren Hilfe russische Spezialisten nach Version der HUR Wiederherstellungsarbeiten durchführen sollen.
Mehr als ein einzelner Betrieb: systematische Angriffe auf die Energiewirtschaft
Kiew betont, dass die Stilllegung der Raffinerie Kstowo kein Einzelfall ist. Nach Angaben ukrainischer Militärs wurden infolge von Drohnenangriffen auf kritische Objekte der Energie- und Kraftstoffwirtschaft der russischen Föderation Anlagen zur Primäroilverarbeitung auf mehreren russischen Raffinerien stillgelegt, was nach ihren Worten zu erheblichen Störungen in der Kraftstoffproduktion führte. So bestätigte der Generalstab der ukrainischen Streitkräfte bereits einen Angriff auf die Ölraffinerie »Slawnepftsch-JANOS« in Jaroslawl, die ebenfalls zu den größten Raffinerien des Landes zählt.
Widersprüchliche Angaben
Gleichzeitig gibt es in den Erklärungen der beteiligten Seiten und in der Formulierung der Quellen Unstimmigkeiten, die zu berücksichtigen sind. Erstens wird der Umfang der Schäden unterschiedlich beschrieben: In einigen Meldungen ist von der »Stilllegung« des gesamten Betriebs die Rede, während in den detaillierteren Geheimdienstangaben konkret von der Außer-Gefecht-Setzung der Anlage AVT-6 die Rede ist, was nicht mit einer vollständigen Einstellung des gesamten Unternehmens gleichzusetzen ist. Zweitens stammen die Informationen über den Angriff und seine Folgen ausschließlich von ukrainischen Quellen – der HUR, Erklärungen Selenskyjs und damit verbundenen Telegram-Kanälen – und wurden von unabhängigen Beobachtern oder russischen offiziellen Stellen nicht bestätigt, die in den vorliegenden Materialien den Umfang der Schäden nicht kommentieren. Somit werden der Angriff und die behauptete Stilllegung der Schlüsselanlage im Rahmen der ukrainischen Version bestätigt, während das Gesamtbild einer »Stilllegung des Riesenbetriebs« von einseitigen Quellen abhängt.
In jedem Fall wird die Raffinerie Kstowo laut Berichten ukrainischer Medien zum nächsten großen Objekt der russischen Ölverarbeitungsbranche, das im Rahmen der Kampagne zur Zerschlagung der Kraftstoffinfrastruktur von Angriffen betroffen ist, was nach Einschätzung Kiews den Druck auf die Logistik und die Kraftstoffversorgung der russischen Streitkräfte verstärkt.