Eine Analyse der Associated Press aus dem August 2026 zeigt einen fundamentalen Wandel in der Taktik des ukrainischen Widerstands. Im laufenden Jahr hat die Anzahl der Langstreckenangriffe auf russisches Territorium im Vergleich zu Januar um das Dreifache zugenommen. Die russischen Streitkräfte sehen sich gezwungen, ihre Luftabwehrsysteme über eine deutlich größere Fläche zu verteilen, was kritische Lücken im Schutz wichtiger Objekte aufreißt. Laut Analysten ist Kiew von punktuellen Schlägen zu einem systematischen Druck übergegangen, der die gesamte Tiefe des russischen Territoriums umfasst.

Vier Vektoren strategischen Drucks

AP-Analysten haben nach der Untersuchung von hunderten Angriffen und den Erklärungen beider Seiten vier klare Kategorien von Zielen identifiziert, auf die die ukrainische Kampagne abzielt. Das erste und für die russische Wirtschaft schmerzhafteste Ziel ist die Ölinfrastruktur. Angriffe auf Raffinerien sollen den Kreml an Exporteinnahmen hindern und einen Treibstoffmangel im Land erzeugen. Das zweite Ziel sind Rüstungsbetriebe, deren Zerstörung die langfristige Fähigkeit Russlands zur Waffenproduktion untergräbt. Die dritte Kategorie umfasst Luftabwehrobjekte und Radare, deren Beschuss den Himmel für eigene Angriffe freimacht. Schließlich ist das vierte Ziel Großhandelslager großer Einzelhandelsketten, um die Zivilbevölkerung die Folgen des Krieges spüren zu lassen.

Wirtschaftlicher Schlag und logistische Unterbrechungen

Im Juli 2026 führte Kiew einen Angriff gegen die größte Ölraffinerie Russlands durch, die mehr als 2500 km von der Grenze entfernt liegt. Dieses Ereignis wurde zu einem Wendepunkt, der mit dem Anstieg der Weltölpreise vor dem Hintergrund des Konflikts um den Iran und der Lockerung des US-Sanktionsregimes zusammenfiel. Zudem wurden Lager des Marktplatzes Wildberries getroffen. Kiew behauptet, das Unternehmen sei an Lieferungen für die Armee beteiligt, was Moskau kategorisch bestreitet. Es werden auch Angriffe auf Fabriken registriert, die Navigationssysteme herstellen, insbesondere unter Einsatz der eigenen Rakete 'Flamingo'.

Technologischer Sprung und 'Weckrufe'

Laut einem anonymen europäischen Militäroffizier war ein Treffen im Ovalen Büro für Kiew ein 'echter Weckruf', der zeigte, dass die Unterstützung der USA jederzeit enden könnte. Dieses Verständnis zwang die Ukraine, die eigene Waffenproduktion zu verdoppeln und den Entwicklungszyklus von Jahrzehnten auf Monate zu verkürzen. Trotz der Erfolge liegen ukrainische Raketen wie die 'Flamingo' westlichen Analoga in Bezug auf Präzision und Tarnung noch hinterher. Experten schätzen, dass aufgrund der dichten Verteidigung des Gegners nur 5-9 % der abgefeuerten Waffen ihr Ziel erreichen, was Kiew zwingt, hunderte Drohnen zu starten, um die Luftabwehrsysteme zu überlasten.

Widersprüchliche Daten

Es besteht eine erhebliche Diskrepanz zwischen den Aussagen der ukrainischen Seite und der unabhängigen Verifizierung. Im Mai und Juni berichtete die Ukraine von erfolgreichen Angriffen auf eine Reihe von Satelliten- und Aufklärungszentren sowie Objekte der elektronischen Kriegsführung. Eine Analyse von Satellitenbildern durch die Associated Press ergab jedoch keine schwerwiegenden physischen Schäden an diesen Objekten. Andererseits bestätigte der Kommandeur der unbemannten Luftfahrtsysteme Robert 'Madyar' Browdy, dass Angriffe auf die Krim das strategische Ziel verfolgen, die Halbinsel als Sprungbrett unbrauchbar zu machen, was durch die Drohnenaktivität in der Region bestätigt wird.

Die neue Realität: Die Initiative liegt bei Kiew

Trotzdem Russland weiterhin die Schlagkraft seiner Waffen erhöht, erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj auf dem NATO-Gipfel, dass Putin 'die Initiative verliere'. Laut dem ukrainischen Staatschef hat Kiew die Kampfhandlungen erfolgreich vom festgefahrenen Landkrieg in den Luftraum verlegt. Am 10. August kündigte Selenskyj neue Personalentscheidungen an und bestätigte die Genehmigung neuer Angriffe auf Ziele auf russischem Territorium, wobei er einige bestehende Operationen anpasste. Dies deutet darauf hin, dass die Strategie der Langstreckenangriffe nur noch intensiviert wird.