Der finnische Präsident Alexander Stubb und der norwegische Ministerpräsident Jonas Gahr Støre haben ein telefonisches Gespräch mit Wladimir Putin geführt, in dem sie die Perspektiven einer friedlichen Beilegung des Konflikts in der Ukraine erörterten. Wie aus dem Umfeld von Stubb verlautete, war das Telefonat eine Fortsetzung des Treffens im Format „Ukraine-USA-Europa“, das am 20. Oktober in Oslo stattfand, wobei unmittelbar vor dem Gespräch mit dem russischen Staatschef Konsultationen mit der ukrainischen Seite stattgefunden hatten.
Ziel des Anrufs: Kiews Signale übermitteln
Nach Angaben der finnischen Seite bestand das Hauptziel des Gesprächs darin, „Signale der Ukraine über bevorstehende Friedensverhandlungen in Abu Dhabi direkt an Präsident Putin zu übermitteln“. Dabei wird betont, dass Stubb und Støre an dem Gespräch „als Führer ihrer Länder und nicht als Vertreter Europas“ teilnahmen. Während des Telefonats erklärten die norwegischen und finnischen Regierungschefs, dass ihre Länder „in der Ostseeregion und den nördlichen Gebieten stets stabil und vorhersehbar gehandelt haben und handeln, indem sie immer Frieden und Sicherheit fördern“, und fügten hinzu, dass „die Beendigung des Krieges direkte Verhandlungen erfordert“.
Erster direkter Kontakt mit europäischen Führungspersönlichkeiten seit einem Jahr
Bloomberg wertet dies als den ersten direkten Kontakt Putins mit hochrangigen europäischen Führungspersönlichkeiten — Verbündeten Kiews —, seit im Juli des vergangenen Jahres Emmanuel Macron mit dem russischen Präsidenten gesprochen hatte. Die Publikation weist darauf hin, dass die europäischen Partner der Ukraine einen Platz am Verhandlungstisch zur europäischen Sicherheit anstreben, wobei Stubb und Støre ihre Rolle mit der gemeinsamen Grenze ihrer Länder zu Russland begründeten. „Wir grenzen als Staaten an Russland. Wie der Krieg endet, wird die Sicherheit Finnlands, Norwegens und ganz Europas beeinflussen“, erklärten die Staats- und Regierungschefs und unterstrichen „die Bedeutung der Deeskalation“.
Reaktion Kiews und Bestätigung im Kreml
In Kiew wurde der Verlauf des Gesprächs umgehend kommentiert: Der Berater des Präsidenten, Dmytro Lytwyn, teilte Journalisten mit, dass die europäischen Führungspersönlichkeiten nach dem Gespräch mit Putin mit Wolodymyr Selenskyj gesprochen hätten. Im Kreml bestätigte auch der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, die Tatsache des Telefongesprächs zwischen dem russischen Präsidenten und den europäischen Führungspersönlichkeiten. Damit haben beide Seiten den Kontakt öffentlich anerkannt, obwohl Details und Ergebnisse des Gesprächs überwiegend durch Erklärungen der finnischen und norwegischen Seite bekanntgegeben werden.
Von Oslo nach Abu Dhabi: Wie es weitergeht
Es sei daran erinnert, dass Selenskyj am 20. Oktober in Oslo Gespräche mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff und europäischen Partnern geführt hatte; der zweite US-Sondergesandte Jared Kushner konnte krankheitsbedingt nicht anreisen, schloss sich jedoch telefonisch an. Nach dem Treffen reiste Witkoff nach Russland, wo er Putin Dokumente mit Ideen zur Beendigung des Krieges übergab. Im Anschluss an diese Reise wurde die Wiederaufnahme des trilateralen Verhandlungsformats angekündigt — allerdings nicht auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs. Es wird erwartet, dass sich Vertreter der Ukraine, der USA und Russlands in der zweiten Novemberhälfte treffen, um Schritte zum Frieden zu besprechen, wobei Abu Dhabi als möglicher Austragungsort gilt.